Nach zwei Saisonrennen der Formel-1-Saison 2025 steht Ferrari auf dem fünften Platz mit insgesamt 17 Punkten. Williams ist gleichauf. Die vorderen drei Teams sind bereits um einige Punkte enteilt. Und das trotz des großen Hypes nach dem Ende der vergangenen Saison und der Ankunft von Lewis Hamilton. Doch welche Probleme hat die Scuderia? Wir werfen einen Blick darauf.

Problem Nummer 1: Neues Auto-Konzept

Eins der größten Ferrari-Probleme liegt wohl beim Verständnis des neuen Autos begraben. Der SF-25 zeigt zwar immer wieder die nötige Pace. Etwa im Sprint und Sprint-Qualifying in China oder am Australien-Freitag, aber das Team scheint diese Pace nicht dauerhaft umsetzen zu können.

Das liegt auch daran, dass der SF-25 eine kleine Revolution ist. Ferrari hat nicht wie Williams auf dem Auto der Saison 2024 aufgebaut, sondern eine fast komplette Neuentwicklung gewagt. Entsprechend geringer ist das Verständnis des Teams bezüglich des Autos.

Das wurde an den vergangenen zwei Rennwochenenden deutlich. Besonders in China. Am Freitag und Samstag dominierte Lewis Hamilton das Feld noch in den Sprint-Formaten. Danach nahm das Team einige kleine Anpassungen vor - und schon kam Hamilton die Pace im Qualifying und Rennen vollkommen abhanden. „Wir haben diese Änderungen vorgenommen und danach hat sich das Auto schrecklich angefühlt“, so Hamilton.

Im Qualifying galt das auch für Charles Leclerc. Doch im Rennen (mit beschädigtem Frontflügel) blühte der Ferrari zumindest in seinen Händen plötzlich voll auf. Trotz um die 30 Punkte weniger Abtrieb am Frontflügel. Wäre er weiter vorne im Feld gestartet, wäre ein Podest wohl möglich gewesen. Die Pace des Autos ist nicht das Problem, sondern diese konstant abzurufen.

Problem Nummer 2: Qualifying-Schwäche

Dazu gesellt sich eine allgemeine Qualifying-Schwäche der Scuderia. Die ist allerdings nicht vollkommen neu, sondern ein Mitbringsel auf 2024. Schon damals sah der Ferrari im Qualifying teils langsamer aus als im Rennen. 2025 hat sich das weiter verschärft.

"McLaren ist viel schneller auf den Shortruns und ähnlich wie wir auf den Longruns. Wenn wir also vier oder fünf Positionen hinter ihnen starten, dann bedeutet das für uns: Game Over!", berichtete Charles Leclerc nach dem China Grand Prix.

Bis auf Lewis Hamiltons kleine Show im Sprint-Qualifying in China sieht die Qualifying-Ausbeute der Scuderia entsprechend Mager aus. P5 und P6 in China, P7 und P8 in Australien. Da hilft dann auch die zumindest teilweise überzeugende Rennpace nicht mehr. Und auf überholfeindlichen Strecken wie Australien, verschlimmert sich das Problem nur.

Leclerc vermutet ein Setup-Problem. "Ich wüsste nicht, wie eine Design-Eigenschaft uns im Shortrun schnell machen kann, aber nicht im Longrun. Es geht also meiner Meinung nach um etwas, wie wir das Auto für den Shortrun optimieren und die richtige Balance mit dem Setup finden."

Problem Nummer 3: Fehler im Formel-1-Team

Doch nicht nur das Auto, sondern auch das Team ist weit weg von einem perfekten Saisonstart. In China wurden gleich beide Autos disqualifiziert. An Lewis Hamiltons Auto waren die Skid-Blöcke am Unterboden zu stark abgenutzt, womit sie nicht über der erforderlichen Mindestdicke von 9 Millimetern lagen, sondern bei 8,5. "Wir haben die Abnutzung etwas falsch eingeschätzt", gestand Ferrari im Anschluss. Das wirft kein gutes Licht auf Frederic Vasseurs Team.

Auch bei Leclerc war es eine Fehleinschätzung des Teams und nicht der kaputte Frontflügel, der an der Disqualifikation schuld war. Denn auch mit normalem Frontflügel lag sein SF-25 einen halben Kilo unter dem Mindestgewicht. Schuld war die Ein-Stopp-Strategie des Teams, wodurch der Bolide zu viel Gewicht an Gummi verlor. Ähnlich wie bei George Russell in Belgien 2024.

In Australien ging das Risiko ein, bei einsetzendem Regen länger draußen zu bleiben und das Rennen möglicherweise so zu Ende zu fahren. Doch der Regen wurde zu stark, und Ferrari boxte beide Autos deutlich zu spät. Auch das kostete Positionen und damit Punkte.

Besonders Fehler wie in China muss das Team abstellen, aber auch Patzer wie in Australien dürfen nicht mehr passieren, wenn die Scuderia noch eine Chance auf den WM-Titel oder zumindest eine bessere Position als vier in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft haben möchte.

Problem Nummer 4: Lewis Hamilton

Das letzte Problem der Scuderia ist noch das Geringste. Lewis Hamilton liegt derzeit sogar noch vor Charles Leclerc in der Weltmeisterschaft, fuhr eine Sprint-Pole und einen Sprint-Sieg ein und ist damit der einzige nicht McLaren-Fahrer, der eine Session außerhalb der freien Trainings für sich entscheiden konnte.

Doch so ganz angekommen ist Lewis Hamilton noch nicht. In Australien hinkte er das gesamte Wochenende hinter Charles Leclerc hinterher, und im Rennen in China nach starken Leistungen zuvor überraschenderweise auch.

Nach zwei Rennwochenenden ist das zwar auch nicht verwunderlich, doch wenn Ferrari mit dem jetzt schon angehäuften Rückstand noch einmal insbesondere McLaren angreifen will, brauchen sie einen Lewis Hamilton bei 100 Prozent - und das so schnell wie möglich.

Ferrari steht vor dem schlechtesten Saisonstart seit 2009

Mit der bislang äußerst mageren Ausbeute von 17 Punkten steht Ferrari vor dem schlechtesten Saisonstart seit über 15 Jahren nach drei Rennen. Sollte die Scuderia in Suzuka nicht mindestens neun Punkte holen, wäre sie das letzte Mal 2009 so schlecht in eine Saison gestartet. Damals holten Kimi Raikkönen und Felipe Massa im heutigen Punktesystem gerechnet drei Punkte.

Die schlechtesten Ferrari-Saisonstarts nach drei Rennen (heutiges Punktesystem)

Pos.JahrAutoPunkte
11980312T50
22009F603
31993F93A12
41986F1/8613
51992F92A22
62023SF-2326
72020SF-100027

Selbst im Katastrophenjahr 2020 holte die Scuderia immerhin 27 Punkte. 2023 war es ein Zähler weniger. So weit von der Spitzenpace entfernt wie in diesen beiden Jahren ist die Scuderia zwar bei weitem nicht, doch um die Ausbeute zu toppen, muss die Scuderia mit dem Rennwochenende in Suzuka beginnen, die eigenen Probleme in den Griff zu bekommen.

Stoppt die F1 die 2026er Regeln? V10-Comeback im Gespräch! (20:04 Min.)