Im letzten Rennen der Formel-1-Saison 2023 ging es rein sportlich für Alpine um nichts mehr. Der sechste Platz in der Gesamtwertung stand bereits vor einigen Rennen fest. Zurücklehnen konnte sich die Franzosen-Truppe beim Saisonfinale in Abu Dhabi allerdings nicht, denn mal wieder hatte das französische Werksteam mit dem Management ihrer Fahrer alle Hände voll zu tun.

Vor allem in der zweiten Saisonhälfte kommen sich Esteban Ocon und Pierre Gasly nach anfänglich vorbildlicher Teamarbeit immer häufiger in die Quere. Nach der Japan-Eskalation von Gasly und der ignorierten Teamanordnung von Ocon in Las Vegas, kam es in Abu Dhabi zum nächsten teaminternen Stunk. Schuld war, wie oft in dieser Saison, die Alpine-Strategie.

Gasly wütet nach Strategie-Nachteil: Ihr ruiniert mein Rennen!

Nach dem Start sah das Rennen zunächst vielversprechend für das französische Werksteam aus. Beide Fahrer konnten in der Startphase Positionen gutmachen und waren mit Gasly auf Platz acht und Ocon auf Platz elf auf Kurs, einer überwiegend enttäuschenden Saison mit einem doppelten Punkteergebnis ein versöhnliches Ende zu bereiten. Doch das sollte sich in Runde 15 ändern.

In einem hart umkämpften Duell mit Lewis Hamilton kam es in Kurve 6 zu einem Kontakt zwischen Gasly und dem Mercedes-Star. Hamilton rammte den Frontflügel seines W14 in das Heck des Alpine-Boliden und beschädigte damit seinen Frontflügel. Gaslys Diffusor trug ebenfalls einen Schaden davon, den der Franzose aus dem Cockpit nur wenige Kurven später bemerkte.

Doch anstatt Gasly direkt in die Box zu holen, holte Alpine in derselben Runde seinen schlechter platzierten Teamkollegen Esteban Ocon zum Reifenwechsel. Der hatte sich direkt dahinter das Hamilton-Gasly-Duell seelenruhig anschauen können. Gasly hingegen wurde angewiesen, noch zwei Runden länger draußen zu bleiben: "Was zum Teufel machen wir? Ich bin anderthalb Sekunden pro Runde langsamer, ich habe keine Reifen", reagierte Gasly wütend. "Ihr ruiniert mein Rennen!"

Boxenstopp von Alpine beim Formel-1-Rennen in Abu Dhabi.
Erneut bekam Esteban Ocon den Vorteil bei der Strategie, Foto: LAT Images

In Runde 17 erlöste ihn Alpine von seinem Leid und Gasly bekam seinen neuen Reifensatz. Doch bis dahin waren Ocon und Hamilton schon in weite Ferne gerückt. Innerhalb von zwei Runden fuhren die beiden Kontrahenten mit ihrem Reifenvorteil einen Vorsprung von über fünf Sekunden heraus. Als Gasly das bemerkt, brennen beim Alpine-Fahrer alle Sicherungen durch.

"Ihr wollt mich doch verarschen!", empörte sich der Franzose. "Ich kann nicht glauben, dass ihr das führende Auto undercutten lasst. Das kann ich wirklich nicht verstehen, ihr seid mir eine Erklärung schuldig." Beim zweiten Boxenstopp-Fenster bekam dann Gasly zwar wieder den Strategie-Vorzug, doch an seinem Teamkollegen kam er bis zum Schluss nicht vorbei. Beide Alpine-Fahrer beendeten das Rennen außerhalb der Punkteränge.

Gasly glättet die Wogen: Hamilton-Kollision war schuld

Nach dem Rennen war Gasly, wie bereits in Japan, um Deeskalation bemüht. "Es gab Dinge, die leicht anders hätten laufen sollen, aber das werden wir intern besprechen", sagte er angesprochen auf seinen Funk-Frust. Die Hauptschuld an dem enttäuschenden Saisonfinale schob er auf die Kollision mit Hamilton.

Gefährliches Manöver? Alonso trickst Hamilton aus!: (10:00 Min.)

"Es hätte wahrscheinlich nicht viel geändert, der Schaden am Diffusor war zu groß", lenkte er ein. "Am Start hat mich Checo [Perez] am Heck berührt, da hatte ich den ersten Schaden. Ein paar Runden später hat mich Lewis dann endgültig erledigt. Er hat meinen kompletten Diffusor zerstört und wir haben ziemlich viel an Abtrieb verloren. Von da an ging es lediglich um Schadensminimierung."

Auch der Strategie-Profiteur Esteban Ocon goss nach dem Rennen kein weiteres Öl in das Alpine-Feuer. "Nein, das habe ich nicht mitbekommen. Und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht", entgegnete der Franzose angesprochen auf seinen Strategie-Vorteil. Weitere Fragen zur teaminternen Dynamik wollte er nicht kommentieren.