Das Formel-1-Wochenende in Katar war Schauplatz für die große Krönung von Max Verstappen zum dreifachen Weltmeister. Doch der Grand Prix wurde von zwei ganz anderen Themen bestimmt. Einerseits von dem Drama um die Pirelli-Reifen, die den scharfen Kerbs nicht standhielten, andererseits allerdings einmal wieder von den Streckenlimits.

Der Losail International Circuit lädt durch seine Streckenarchitektur und sein Layout förmlich dazu ein, eine weite Linie am Kurvenausgang zu wählen und die war an den vergangenen Tagen nicht selten zu weit. Ein paar Eckdaten: 127 Rundenzeiten wurden gestrichen, alleine 51 davon im Rennen. Und Vergehen im Training sind bei dieser Zahl gar nicht inbegriffen. Im Grand Prix am Sonntag war Rennsieger Max Verstappen der einzige Fahrer, der mindestens eine Rennrunde fuhr und ohne eine Strafe durchkam.

Formel-1-Rennen in Katar: Vier Fahrer für Streckenlimits bestraft

Pierre Gasly und Sergio Perez waren die größten Übeltäter. Beide erhielten jeweils eine Strafe von 15 Sekunden für insgesamt sechs Vergehen. Gasly fuhr sogar ein siebtes Mal außerhalb der weißen Linien. Doch die Stewards ziehen bei der Strafen-Verteilung keine Vergehen in Betracht, die einen offensichtlichen Nachteil des betreffenden Fahrers zur Folge haben. Einmal kam Gasly so also unbeschadet davon.

Auch Lance Stroll und Alex Albon leisteten sich fünf Verstöße, für welche sie jeweils zehn Sekunden aufgebrummte bekamen. Bereits im Sprint am Samstag wurden Strafen verteilt. In dem 19-ründigen Kurzrennen schafften es Charles Leclerc und wiederum Stroll sich vier Vergehen und somit eine 5-Sekunden-Strafe aufzuhalsen.

Streckenlimit-Vergehen in Katar: Alle Strafen im Rennen & Sprint

VergehenStrafeSession
Gasly715 SekundenRennen
Albon510 SekundenRennen
Stroll510 SekundenRennen
Perez615 SekundenRennen
Leclerc45 SekundenSprint
Stroll45 SekundenSprint

Perez und Stroll einig: Track Limits sind ein Witz

Red-Bull-Pilot Sergio Perez ärgerte sich über seine Strafe im Rennen. Ihn störte vor allem der Umgang mit der weißen Linie in den Kurven 12 und 13. Dort wurde als Lösungsansatz für das drohende Reifen-Debakel die Streckenbreite verringert und die weiße Linie 80 Zentimeter weiter innen neu gezogen. "Wie das hier mit den Track Limits lief, war ein Witz", ärgerte sich der Mexikaner. "Sie haben sich in letzter Minute diese Lösung einfallen lassen und die dann auch noch so schlecht gehandhabt und angefangen, Strafen zu verteilen", schimpfte er.

Perez argumentierte, dass er von seiner Sitzposition aus die Track Limits überhaupt nicht ausmachen konnte. "Ich habe schon so viel Luft gelassen und so viel Rundenzeit geopfert, und habe trotzdem noch mehr [Verstöße] bekommen", schimpfte er. Dennoch gestand der Red-Bull-Fahrer: "Ich hätte einen besseren Job darin erledigen müssen, einzuschätzen, wo ich das Auto in den Highspeed-Kurven hinbewege."

Der Red-Bull-Pilot war nicht der einzige Fahrer, dem die harte Linie bei den Streckenlimits sauer aufstieß. Lance Stroll ärgerte sich auch über die Track Limits und gestand im Gegensatz zu Perez keine Fehler ein. "Es ist so schwierig. Sie malen neue Track Limits und man ist so beschäftigt, es ist dunkel und man verliert beinahe das Bewusstsein und dann teilen sie auch noch Strafen aus", so Stroll mit Blick auf die ultra-heißen Temperaturen. "Sie verstehen nicht, was die Formel 1 heutzutage ist und was wir durchmachen müssen", ergänzte der 24-Jährige.

Perez und Stroll überquerten die Linie auf den Positionen 9 und 10. Doch da beide noch nicht alle Vergehen an der Boxengasse absitzen konnten, wurden sich zurückversetzt. Perez konnte sich mit einem Punkt "trösten", Stroll blieb nur der undankbare elfte Platz.

Pierre Gasly ohne Kritik: Kann nur von mir selbst enttäuscht sein

Pierre Gasly sparte sich hingegen Kritik an den Regelhütern und nahm die Schuld auf sich: "Ich habe keine Entschuldigungen dafür. Es ist für alle dasselbe und am Ende des Tages habe ich zu viele [Vergehen] begangen."

Auch Gasly hielt zwar fest, dass sich die Verstöße im Zentimeter-Bereich bewegen und kaum einen Vorteil bringen, dennoch wollte er das nicht als Ausrede verwenden. "Ich kann nur von mir selbst enttäuscht sein. Ich habe einen großen Preis dafür bezahlt und dadurch die Punkte verpasst", erklärte er. Der Alpine-Pilot landete auf P12 und ging mit gerade einmal zwei Sekunden Rückstand auf P10 in die Wertung ein.

In einem sind sich jedoch die drei Track-Limit-Sünder einig: Es müssen Lösungen gefunden werden, die eine derartige Strafenflut verhindern. Bereits beim Großen Preis von Österreich artete die Track-Limit-Situation aus. Damals gab es sogar 83 Vergehen und acht verschiedene Fahrer, die mit einer Zeitstrafe belegt wurden.