Rookie Oscar Piastri überzeugt bisher bei McLaren. Am etablierten Teamkollegen Lando Norris ist er zumeist nahe dran. Beim Ungarn-GP musste er allerdings eine deutliche Niederlage einstecken. Die Reifen an seinem MCL60 brachen zu schnell ein. Rang Fünf war immer noch ein gutes Ergebnis, doch der Australier büßte auf den zweitplatzierten Norris fast eine halbe Minute ein, obwohl er im ersten Stint noch vor ihm gelegen hatte. War ein Schaden am Unterboden des McLaren schuld oder musste Piastri für seine mangelnde Erfahrung Lehrgeld zahlen? Vor dem Belgien-GP reflektierte er den letzten Sonntag.

Piastris Rennen am Hungaroring hatte zwei Phasen und die Erklärung dafür hatte tatsächlich mit einem beschädigten Auto zu tun: "Ich denke, es lag mehr am Schaden, als ich dachte. Ich will das immer noch nicht als Ausrede nutzen. Es gibt definitiv Dinge, an denen ich arbeiten muss. Von Runde zwei an hatte sich ein kleines Karbonteil im Unterboden verfangen, das hat wohl nicht so viel ausgemacht. Aber ab Runde 30 hatte ich einen signifikanten Schaden. Das machte mir das Leben ziemlich schwer. Bevor ich diesen Schaden hatte, gab es aber schon kleine Probleme. Ich will also nicht alles darauf schieben."

Formel-1-Rennen wesentlich komplizierter als Formel 2

Obwohl als der Schaden am Auto einen Teil der Erklärung für den Einbruch der Reifen liefert, sieht Piastri bei sich selbst Handlungsbedarf. Sein Mangel an Erfahrung macht sich in reifenkritischen Rennen wie Ungarn besonders bemerkbar: "Die Reifen sind sehr anders als das, was ich zuvor gefahren bin. Obwohl es auch Pirellis sind. Außerdem ist das Rennen einfach länger. Das F2-Rennen in Budapest ging, glaube ich, über 37 Runden. Im Formel-1-Rennen waren es 70. Du hast nochmal 33 Runden mit Reifenschonen, Boxstopps, Strategieelementen und drei Reifenmischungen, aus denen du wählen kannst, mehr."

Die Formel 1 und ihre Rennen sind wesentlich komplizierter als die Formel 2, welche Piastri 2021 gleich in seiner ersten Saison für sich entschied. "In der Formel 2 war im Hauptrennen die Strategie an jedem Wochenende sehr ähnlich. Du bist auf dem weichen Reifen gestartet, bist ihn dann so früh wie möglich losgeworden und hast dann versucht, das restliche Rennen auf dem harten Reifen zu überleben. Jetzt ist das nicht mehr so einfach", erinnerte sich der 22-Jährige an einfachere Zeiten.

In der Formel 2 waren die Dinge noch einfacher für Piastri, Foto: LAT Images
In der Formel 2 waren die Dinge noch einfacher für Piastri, Foto: LAT Images

Piastri muss die vielen Kleinigkeiten des F1-Fahrens lernen

Für eine Verbesserung seines Reifenmanagements braucht Piastri das, was es in der Formel 1 kaum gibt: Zeit. Dazulernen kann er quasi nur an den Sonntagen: "Es gibt mehr Elemente in der Strategie und du kannst mehr tun, um die Reifen zu schonen, denn die Autos generieren mehr Abtrieb und nehmen sie daher auch härter ran. Es [das Reifenschonen, Anm. d. Red.] ist daher in mancher Hinsicht effektiver. Das lerne ich gerade und es gibt keinen leichten Weg, das zu lernen. Wir haben ja keine Tests oder Trainings, in denen wir 70 Runden Rennfahren erlernen können."

Oscar Piastri will sein Reifenmanagement verbessern, Foto: LAT Images
Oscar Piastri will sein Reifenmanagement verbessern, Foto: LAT Images

Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, wo genau er ansetzen möchte, konnte er keinen Bereich als den Entscheidenden benennen. Vielmehr geht es um das Gesamte: "Es gab da ein paar verschiedene Dinge. Einige Gründe [für den Einbruch der Reifen in Ungarn, Anm. d. Red.] waren technischer Natur, aber es war auch, die Reifen im richtigen Fenster zu managen. Die Reifen zu schonen ist etwas anderes, wenn du in einer 50-km/h-Kurve oder einer 250-km/h-Kurve bist. Es sind kleine Dinge wie das, nichts Grundlegendes. Ich muss nichts extrem verändern, es geht um mehrere Kleinigkeiten an verschiedenen Stellen."

Nächste Herausforderung: Nasses Sprint-Spa

Mit Spa kommt nun eine neue Herausforderung. Diesmal geht es nicht um das Erhalten der Reifen in der Hitze, sondern Regen und Kälte stehen an. Dazu kommen auch noch die Umstände des Sprint-Formates. Für den Rookie ist die Fahrerstrecke in den Ardennen daher ein echter Härtetest: "Es wird sehr schwer werden. Ich war seit drei Jahren nicht mehr hier. Nur eine Trainingssitzung und dann nasses Wetter, das wird nicht nur für mich, sondern auch für das Team schwierig. Es ist ja schon an einem trockenen Wochenende schwer, weil wir schon vor dem Qualifying am Freitag unter Parc Ferme sind. Du hast eine Stunde, um alles auszusortieren: Die Balance und ob unsere Skid-Blöcke das Wochenende überleben [sonst droht Disqualifikation, Anm. d. Red.]. Wenn es regnet, dann wird das noch komplizierter." Den ganzen Qualifying-Freitag der Formel 1 heute in Spa gibt es hier im Liveticker.

Crash- & Regenchaos droht! Spa zu gefährlich für die Formel 1? (08:57 Min.)