Kevin Magnussen erwartet auch bei der Rückkehr an den Ort des größten Erfolgs seiner bisherigen Karriere in der Formel 1 anhaltendende Fitnessprobleme. Gleich in seinem ersten F1-Rennen überhaupt erzielte der Däne beim Australien Grand Prix 2014 einen sensationellen zweiten Platz für McLaren-Mercedes. Doch selbst damals, als F1-Rookie, dürfte Magnussen über einen besseren Fitnesslevel verfügt haben als aktuell im Jahr 2022.

Grund dafür ist die spontane Rückholaktion des Dänen durch sein altes wie neues Haas F1 Team zur Saison 2022. Von 2017 bis 2020 war Magnussen vier Jahre lang für Haas gestartet, ehe das Team sich -auch aus finanziellen Gründen gezwungen sah, das Gespann Magnussen und Romain Grosjean für die Saison 2021 durch Mick Schumacher und Nikita Mazepin zu ersetzen. Ein anderes F1-Cockpit fand Magnussen daraufhin nicht, stattdessen orientiere sich der Däne in Richtung Sportwagen und musste sich mit einem endgültigen Karriereende in der Formel 1 anfreunden.

Magnussen rechnet nicht mit Formel-1-Comeback: Nacken nicht mehr trainiert

2022 dann das sensationelle Comeback: Haas holte den 29-Jährigen als Ersatz für den wegen des durch Russland gegen die Ukraine geführten Kriegs geschassten Mazepin - Vater und Haas-Sponsor Dmitry Mazepin zählt zu den Vertrauten Wladimir Putins - zurück ins Team. Für Magnussen war die Freude groß, die Vorbereitung jedoch gering bis nicht vorhanden. Urplötzlich sprang der Däne bei den zweiten Testfahrten des Winters - nur eine Woche vor Saisonstart - wieder ins Auto.

An ein für die speziellen Anforderungen eines Formel-1-Autos nötiges Training war nicht mehr zu denken. Nötig, wäre es gewesen, hatte Magnussen in fester Erwartung keiner Zukunft in der Formel 1, hier längst die Zügel schleifen gelassen. "Ehrlich gesagt habe ich in den letzten eineinhalb Jahren nicht viel trainiert. Es war sehr begrenzt. Ich bin aktiv geblieben, aber ich dachte nicht, dass ich so fit sein muss", berichtet Magnussen vor dem dritten Saisonrennen in Melbourne.

Magnussen: Große Nackenprobleme im Jeddah-Rennen folgenlos

Zuvor hatte der Däne beim großen Preis von Saudi-Arabien auf dem ultraschnellen Jeddah Corniche Circuit über massive Probleme mit der Nackenmuskulatur geklagt. Diese Partie wird wegen der hohen Kurvengeschwindigkeiten und G-Kräfte in der Formel 1 ganz besonders gefordert - allerdings nur in der Formel 1, in nahezu allen anderen Rennserien in einem sehr viel geringeren Ausmaß.

"Jetzt ist der Nacken wieder in Ordnung", beruhigt Magnussen Down Under. "Aber seitdem [Jeddah] hat er die ganze Zeit wehgetan, weil ich ihn so sehr belastet habe." Im Rennen habe ihm das dennoch keinen Nachteil bereitet, versichert Magnussen. "Ich konnte meinen Kopf nicht halten, sodass ich mich im Grunde von Rennstart weg an die Kopfstütze angelehnt habe. Aber ich habe mich daran gewöhnt, so zu fahren und so hat es mich dann keine Rundenzeit gekostet, denke ich", sagt der Däne. Zusätzlich hatte Magnussens Physiotherapeut Thomas Jørgensen den Nacken nach ersten Problemen schon im Qualifying zur Unterstützung mit Tape präpariert.

Magnussen: Volle Formel-1-Fitness dauert noch ein paar Rennen

"Im Qualifying konnte ich im Q3 auf diesem letzten Run gar nicht mehr fahren", erinnert Magnussen noch einmal. "Da hat es mich schon beeinträchtigt", gesteht der Formel-1-Rückkehrer. Eine allzu schnelle Besserung erwartet Magnussen nicht. "Es wird ein paar Rennen dauern bis da die Stärke zurückkommt", sagt Magnussen.

Erschwert wird Magnussens Training durch die bereits begonnene Saison. In der Regel bauen Formel-1-Fahrer im Winter Fitnesslevel und Muskulatur auf und zehren davon den Großteil der Saison. Während der heutzutage langen Rennmonate von März bis November oder gar Dezember fehlt wegen der unzähligen Reisen schon allein die Zeit. Hier geht es lediglich darum, den im Winter erreichten Fitnesslevel möglichst gut zu konservieren. Immerhin wird der Körper in dieser Phase ohnehin durch wöchentliche bis zweiwöchentliche Grands Prix belastet.

Formel 1: Muskelaufbau unter der Saison knifflig

"Ich trainiere jetzt so viel ich nur kann", versichert Magnussen. "Aber es macht auch keinen Sinn, jetzt fünf Stunden am Tag zu trainieren. Denn dann verschwendest du nur deine Energie", erklärt der Däne. "Um Fitness aufzubauen, musst du dich auch erholen. Da versuche ich jetzt, meine Zeit zu optimieren und die richtige Balance zwischen Training und Erholung zu finden. Und in Dänemark unterstützen mich da ja ein paar der besten Leute der Welt. Ich bin in guten Händen", sagt Magnussen.

Fix & fertig: Kevin Magnussen nach dem Saudi-Arabien GP -
Fix & fertig: Kevin Magnussen nach dem Saudi-Arabien GP -Foto: Motorsport-Magazin.com

Magnussen weiter: "Es wird aber eine harte Reise, wieder zurück auf volle F1-Fitness zu kommen. Aber das genieße ich auch irgendwie. Es ist schön, wieder die guten, alten Routinen zu praktizieren. Gerade ist es hart, aber Spaß macht es trotzdem noch!" Immerhin schätze er es sehr, wieder in der Formel 1 zu sein. "Ich bin wirklich sehr glücklich, diese Gelegenheit bekommen zu haben", sagt Magnussen.

Magnussen begeistert von 2022 konkurrenzfähigem Haas

Umso mehr kann der Däne sein Comeback genießen, weil Haas 2022 im ersten Jahr der neuen technischen Regularien plötzlich nicht nur besser aufgestellt ist als im desaströsen Vorjahr, sondern auch deutlich stärker dasteht als in Magnussens vorherigen Jahren 2019 und 2020. "Ein konkurrenzfähiges Auto zu haben, macht so viel mehr Spaß", jubelt Magnussen.

In Australien reichte es 2019 mit einem eher schwächeren Paket dennoch zu einem starken sechsten Platz, eines der besten Resultate in der noch immer jungen Teamgeschichte. Liegt der Albert Park der US-Truppe also? Kann Magnussen mit dem 2022 so starken VF-22 beim 125. Grand Prix des Teams am Sonntag ganz groß auftrumpfen? Magnussen zügelt die Erwartungen. "Ich denke, dass es eher Zufall war, dass ich hier gute Wochenenden hatte. 2019 waren wir zum Beispiel die ganze Saison im Qualifying stark, aber schwach im Rennen. P6 haben wir hier geholt, weil das Überholen hier so schwierig war", erinnert der Däne.

Formel 1 Australien: Nächstes Magnussen-Märchen möglich?

2022 sollte das dank neuer Boliden-Generation und eines Streckenumbaus leichter fallen. Grundsätzlich weiß Magnussen allerdings ohnehin um das nun bessere Paket. "Dieses Jahr haben wir mit diesem Auto einen guten Allrounder", sagt Magnussen. "Also sollte es auch hier gut sein." In den ersten beiden Saisonrennen erzielte Magnussen bereits einen fünften und einen neunten Platz.