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Formel 1

Formel 1, Mazepin will Reset 2022: Zu 100 Prozent bereit

Pleiten und Pannen trüben Nikita Mazepins Aussichten auf 2022 nicht. Russe will Lehren des Debüts nutzen. Neuer Haas plus Selbstvertrauen fürs Mittelfeld.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nikita Mazepin erlebte 2021 in der Formel 1 eine turbulente Rookiesaison. Der Russe in Diensten von Haas schien mit der Königsklasse zu Beginn schlichtweg überfordert. Trotz diverser Maßnahmen und eines positiven Trends fehlte ihm auch in den letzten Rennen des Jahres immer noch der Anschluss an Teamkollege Mick Schumacher. Rückschläge und Enttäuschungen lassen Mazepin allerdings nicht sich zweifeln. Er sieht sich in der Lage, 2022 mehr zu zeigen.

"Natürlich bin ich das. Ich fühle mich zu 100 Prozent bereit", so der 22-Jährige, der das Finale in Abu Dhabi aufgrund eines positiven Covid-19-Tests verpasste. Am Qualifying hatte er allerdings noch teilgenommen und dabei mit sieben Zehntelsekunden Rückstand auf Schumacher den letzten Platz belegt. Gegenüber dem Saisonauftakt in Bahrain war das kaum ein Fortschritt. Dort hatte er acht Zehntelsekunden eingebüßt.

Im teaminternen Duell unterlag er Schumacher am Samstag mit 19:3 deutlich. In den Rennen hatte der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher 16 Mal die Nase vorne. Dennoch fällt Mazepins Fazit für die erste Saison in der Formel 1 positiv aus. "Ich denke, insgesamt war es positiv. Ich habe große Fortschritte gemacht, was mein Selbstvertrauen und mein Verständnis angeht, verglichen mit dem Punkt an dem wir begonnen haben", erklärt der Moskauer.

Mazepin fühlt sich bereit für 2022

Über den Verlauf des Jahres wurden diverse Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Fehlstart ins Jahr zu korrigieren. An den ersten Rennwochenenden war Mazepin häufig neben der Strecke oder auch in der Barriere zu sehen. In Bahrain flog er schon nach zwei Kurven ab und beendete sein Debüt in der Wand. Als Ursache machte er das für ihn eingesetzt Chassis aus, das noch aus dem Vorjahr stammte.

Nach dem ersten Saisondrittel setzte Vater Dmitry Mazepin alle Hebel in Bewegung, um für bessere Voraussetzungen zu sorgen. Der Milliardär bezahlte die Herstellung eines neuen Chassis aus eigener Tasche. Doch auch mit dem ab dem Rennen in Spa-Francorchamps frischen Material lief es für Mazepin weiterhin nicht rund. Personalrotation innerhalb der Crew auf seiner Seite der Garage brachten ihn im Herbst an den Rand der Verzweiflung.

"Ich hatte zu Beginn des Jahres ein paar sehr gute Rennen, danach einige schwierige, dann wieder gute. Das Leben in der Formel 1 ist für niemanden beständig, aber wir wussten, worauf wir uns einlassen", so Mazepin, der im kommenden Jahr von Anfang an besser auftreten will: "2022 ist das Jahr, in dem wir alles zusammenbringen und ich denke, ich bin in einer guten Verfassung, um genau das zu zeigen."

Bereit für mehr Mittelfeld-Action

Haas hatte mit zwei Rookies im Auto von Beginn an nicht in den VF-21 investiert, den Schumacher und Mazepin an den vergangenen 22 Grand-Prix-Wochenenden pilotierten. Als reines Lehrjahr für die Fahrer wurde schon früh die Entwicklung auf das ab 2022 neue Reglement ausgerichtet. Mit den neuen Voraussetzungen will das US-amerikanische Team zurück ins Mittelfeld finden, wo es zwischen 2016 und 2018 eine feste Größe war.

Wenn der Plan aufgeht, sehen sich Schumacher und Mazepin in Zukunft mit härterer Konkurrenz konfrontiert. "Ich hatte dieses Jahr ein paar nette Kämpfe mit schnelleren Autos und habe mich dabei wohlgefühlt", so Mazepin. "Ich habe das Gefühl, dass ich dafür jetzt das Selbstvertrauen habe. Zu Beginn war das sehr angsteinflößend, weil das Auto sehr lang und breit ist."

Mazepin will sich nicht an Formel-1-Elefant verschlucken

Ein besseres Auto sollte das Leben auch in dieser Beziehung einfacher machen. "Wenn ich an die Rennstrecke komme und mein Ziel verfolge, brauche ich das Gefühl, dass ich das Resultat in der Hand habe. Im Moment bedeutete ein gutes Wochenende, vor dem Teamkollegen 19. zu werden und da ist es schwierig, zufrieden abzureisen", fügt er an.

Da eine Wiederholung dieses Szenarios nicht ausgeschlossen ist, hält er sich mit Prognosen lieber vornehm zurück. "Ich will nicht zu vorschnell sein. Ich möchte erst sehen, welche Herausforderungen sich bieten und mich dann damit beschäftigen. Ich möchte nicht darüber spekulieren, was sein wird", erklärt er und fasst diese Lektion seiner noch jungen Karriere in einer unüblichen Analogie zusammen: "Du musst einen Elefanten Stück für Stück verspeisen. Und ein Elefant und die Formel 1 kommen mir sehr ähnlich vor."


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