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Formel 1

Formel 1, Mazepin im Nachteil: Vater kaufte neues Haas-Chassis

Nikita Mazepin hat im Haas 2021 einen schweren Stand. Chassis-Nachteil gegenüber Mick Schumacher wegen Grosjean-Crash. Vater Dmitry bezahlte neuen Haas.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Für Nikita Mazepin neigt sich eine harte erst Formel-1-Saison langsam ihrem Ende entgegen. In Katar wurde seiner Odyssee zuletzt mit einem weiteren problematischen Wochenende das nächste frustrierende Kapitel hinzugefügt. Wieder gab es Ärger mit dem Chassis, das der Rookie im Verlauf des Jahres mehrfach bemängelt hatte. Im Sommer gab es sogar ein neues Auto, für das Vater Dmitry Mazepin selbst tief in die eigene Tasche griff.

"Ja, es war wirklich ein Problem. Aber wir haben es gemeinsam mit dem Team gelöst", sagte der 53-jährige Milliardär in einem Interview mit dem russischen Sportsender Match TV. Sein Sohn soll bereits vom Auftakt an im Nachteil gewesen sein, bedingt durch den Feuerunfall von Romain Grosjean beim Bahrain GP im November 2020.

"Es war eben so, dass ein Chassis am Ende des Jahres durch einen schweren Unfall zerstört wurde und ein neues gebaut wurde. Gemäß Reglement war es möglich, das alte Chassis weiter zu nutzen und das Team entschied, Mick Schumacher das neue Chassis zu geben und Nikita erhielt das alte", erklärt er.

Schumacher erhielt zuerst neues Chassis

Beim Debüt in Bahrain war Mazepin im Qualifying acht Zehntelsekunden langsamer als Schumacher und flog im Rennen schon nach der zweiten Kurve in die Streckenbegrenzung. "Da beim Bahrain-Test nur ein Chassis für die beiden eingesetzt wurde, haben sie sich damit abgewechselt. Für das erste Rennen erhielt Nikita dann das alte Chassis, das nicht gut fuhr. Er hat dem Team sofort das Feedback gegeben, dass es sich von dem beim Test unterscheidet", so Mazepin Senior.

An den darauffolgenden Rennwochenenden wurde Haas von Mazepin allerdings weiter im Problem-Chassis auf die Strecke geschickt. Die Fahrfehler des Moskauers häuften sich und das Selbstvertrauen litt unter den Fehlschlägen, woraufhin der Vater aktiv wurde. "Das Team und ich haben uns im Juni beim Rennen in Monaco darauf geeinigt, die Chassis zu tauschen und damit einen Vergleich zu ermöglichen."

Mazepin greift selbst in die Tasche: Gleiche Chancen für alle

Dem Team standen zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht ausreichend frische Chassis zur Verfügung, weshalb zwischen Schumacher und Mazepin getauscht wurde. "Nikita hatte mit dem neuen Chassis ein sehr gutes Wochenende und Mick einen großen Unfall, bei dem er sein Chassis gecrasht hat", so Mazepin, der sich dadurch bestätigt fühlte.

Die fünfte Station der Saison im Fürstentum war Mazepins erster teaminterner Erfolg gegen den Stallgefährten. Mit der Chassis-Saga ging es daraufhin aber erst richtig los, denn sein Vater scheute für die Lösung des Problems keine Kosten und Mühen. "Wir haben die Entscheidung getroffen, ein neues Chassis zu bauen und ich habe die Herstellung mit meinem eigenen Geld bezahlt", sagt er.

Der rund 1,5 Milliarden US-Dollar schwere Oligarch tritt 2021 mit dem Bergbaukonzern Uralkali als einer der Hauptsponsoren von Haas auf und fühlte sich verpflichtet, im Sinne des Teams für Chancengleichheit zu sorgen: "Wir sind der Ansicht, dass das Team mit all den ihm zur Verfügung stehenden Wettbewerbsmöglichkeiten unter gleichen Bedingungen antreten sollte."

Neben den Handlingproblemen klagte Nikita Mazepin stets über das zu hohe Gewicht seines alten Chassis. Pünktlich zur Rückkehr aus der Sommerpause erhielt er für das Wochenende in Spa-Francorchamps ein neues Auto und war damit im Training auf Anhieb schneller als Schumacher. Das Kräfteverhältnis stellte sich in der Folge allerdings kaum anders als in der ersten Saisonhälfte dar.

Mazepin wieder im Problem-Haas

In Katar musste Mazepins Chassis zuletzt aufgrund einer Beschädigung erneut gewechselt werden, woraufhin er Qualifying und Rennen mit dem Auto vom Saisonbeginn bestreiten musste. Für die letzten beiden Grands Prix in Saudi-Arabien und Abu Dhabi besteht allerdings Hoffnung.

"Das kann man reparieren. Aber für mich sind die Chassis alle gleich", so Haas-Teamchef Günther Steiner. "Wir haben noch einen Ersatz und wir schauen, ob wir dieses reparieren können und ob wir es rechtzeitig hinbekommen."


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