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Formel 1

Mazepin darf nicht vorbei: Für Mick gelten wohl andere Regeln

Nikita Mazepin und Mick Schumacher geraten im Mexiko-Qualifying erneut aneinander. Günther Steiner widerspricht Mazepin-Klagen: Er war sogar besser dran.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Das teaminterne Hickhack bei Haas geht im Qualifying zum Mexiko-GP in die nächste Runde. Wieder stehen sich Nikita Mazepin und Mick Schumacher auf einer Aufwärmrunde im Weg. Und wieder ist es Mazepin, der erst am Funk und danach frustriert in den Medien gegen Schumacher austeilt.

Was war passiert? Schumacher und Mazepin hatten im ersten Qualifying-Segment nach der roten Flagge hintereinander die Box verlassen. Mazepin wollte einen langsamen Schumacher vor Kurve vier überholen. Und bekam von der Box ein deutliches Nein. Auf seine Antwort - "Du machst Witze?" - kam sofort Haas-Chefrenningenieur Ayao Komatsu am Funk: "Ich mache keine Witze, Nikita. Wenn du Platz willst, dann schaffe dir jetzt selbst Platz!"

"Ich respektiere die Anweisung, die mir das Team gibt, und bleibe hinten", so ein genervter Mazepin danach in den TV-Interviews. Und schiebt nach: "Kein großes Ding. Nur scheint es, als ob für die beiden Seiten des Teams verschiedene Regeln gelten."

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Mazepin sauer: Verschiedene Regeln für gleiche Situation?

Um den Streit zu verstehen, ist ein Blick zurück zum Niederlande-GP notwendig. Haas wechselt wie die meisten Teams von Rennen zu Rennen ab, welcher Fahrer als erstes im Qualifying aus der Box fährt. In Zandvoort war das Mazepin gewesen - aber Schumacher, der dort schnellere Warmup-Runden brauchte, um die Reifen auf Temperatur zu bekommen, bat darum, Mazepin im letzten Run überholen zu dürfen. Was ihm damals erlaubt wurde, solange er es vor Kurve drei tat.

Darüber regte sich Mazepin damals auf, akzeptierte aber die Erklärung des Teams, dass man den Fahrern das optimale Reifen-Warmup ermöglichen wollte. Umso schwerer tut er sich nun mit Mexiko: "Die Zwischenfälle waren identisch." Nur dass es diesmal er war, der vorbei wollte. Und vom Team ein klares, sofortiges und wiederholtes "Nein" erhielt.

Die Geschichte hatte unter der roten Flagge begonnen. Um sofort rausfahren zu können, parkten Schumacher und Mazepin zweieinhalb Minuten vor der roten Boxenampel. Als die endlich umsprang, bummelten sie los. Die Reifen waren kalt. "Ich wusste, die Autos hinter mir würden pushen, um Temperatur reinzubekommen", so Mazepin. "Ich musste auch Temperatur reinbekommen, und sah meinen Teamkollegen in Kurve vier, wie er das nicht tat."

Schumacher sieht Problem nicht: Alles wie geplant

"Ich dachte, vielleicht sind seine gewünschten Start-Temperaturen niedriger, und da wir so früh in der Runde sind, wie beim letzten Event in den Niederlanden, dass wir die Positionen tauschen könnten", sagt Mazepin weiter. Für ihn die klare Schlussfolgerung: "Er bekam grünes Licht, während ich rotes Licht bekam."

Mick Schumacher beim Verlassen der Box in Mexiko - Foto: LAT Images

Schumacher selbst bekam das Drama nur am Rande mit, als sich Mazepin erfolglos in Kurve vier versuchte vorbeizudrücken, dann aber zurücksteckte: "Von unserer Seite lief alles wie geplant. Da waren die Williams, aber die haben keine schnellere Outlap gefahren als wir geplant haben. Wir sind einfach unsere normale Outlap gefahren."

Haas widerspricht Mazepin: War sogar in besserer Position

Die beiden Williams spielen in dieser Gleichung aber tatsächlich eine nicht unwesentliche Rolle. Schumacher war nämlich nicht das erste Auto auf der Strecke, und an der Boxenausfahrt drückten sich auch noch die Williams vorbei. Mazepins Argument, Schumacher habe nach vorne hin Platz gehabt, hält genauerer Betrachtung also nicht stand.

Schumacher folgte sogar mehreren Autos, und ließ in den ersten Kurven keine Lücke aufgehen. Mazepin wurde auch per Funk darauf hingewiesen, dass er hinter sich mehrere Sekunden Luft habe, und sich zurückfallen lassen solle, um sich die Outlap besser einzuteilen. Schumacher sieht die Aufregung auch nicht: "Das Team hat klare Anweisungen ausgegeben. die wurden von beiden Seiten eingehalten. Kein echter Grund, sauer zu sein."

Das wird von Haas-Teamchef Günther Steiner bestätigt: "Am Ende war Nikita in einer besseren Situation als Mick, weil er keinen Verkehr hatte, und seine Reifen waren ohnehin besser auf Temperatur. Am Ende hat er eine Frage gestellt, aber sie sehen nicht, was vor ihnen ist. Er kann vielleicht an Mick vorbei, aber dann steckt er wieder fest. Warum sollte er also?"

Haas und die Rookies: Gesamtsituation nicht im Blick

"Wir sehen viel mehr", erklärt Steiner. Seine Strategieabteilung beurteilt die Lage nach den Positionen aller Fahrer auf der Strecke, und auch nach den Temperaturen der eigenen Reifen. Schumacher und Mazepin sehen hingegen nur ein, zwei Autos vor sich und hinter sich. "Es braucht ein bisschen Zeit, bis sie das verstehen, und wenn sie zurückgehen und es sich anschauen, werden sie verstehen, warum wir das getan haben."

Daher wurde Mazepin sofort und eindeutig angewiesen, nicht zu überholen: "Warum sollte er? Das Risiko ist immer, dass sie wieder untereinander Rennen fahren. Wie in Zandvoort. Also stoppen wir das, bevor es so weit kommt. Das ist die klare Anweisung, die wir in Zandvoort ausgegeben haben."

Für Mazepin braucht es nach dem Qualifying wohl da noch ein paar Worte vom Teamchef. Er bemüht sich, nachdem er in den TV-Interviews noch deutlichere Worte gefunden hatte, in seiner Medienrunde um Mäßigung, und verneint Benachteiligung im Team: "Ich habe intern ein tolles Team, mit meinem Performance-Coach und so weiter. Die drillen mich, um mit sowas sehr gut umzugehen." Hitziger Tonfall? "Wir sitzen hier nicht im Pub und trinken Bier."

Schumacher lieferte am Ende ein in seinen Augen alles andere als ideales Qualifying ab, und schlug Mazepin trotz Widrigkeiten um fast eine halbe Sekunde. Dank Strafen für fünf Autos vor ihnen werden Schumacher und Mazepin von 14 und 15 losfahren.


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