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Formel 1

Mercedes-Berufung: Wie geht es weiter mit dem Formel-1-Titel?

Die Proteste gegen das Ergebnis in Abu Dhabi sind abgeschmettert, Verstappen ist Weltmeister. Aber Mercedes kündigt weitere Schritte an. So geht es weiter.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Als am Rennsonntag um 23:03 Uhr in Abu Dhabi auch der zweite Protest von den Stewards abgeschmettert wurde, lief der Countdown für Mercedes: Bis 00:03 Uhr am Montag - also genau 60 Minuten - hatte man Zeit, weitere Schritte anzukündigen. Und genau das passierte.

Mercedes kündigt Berufung an

Das Ergebnis ist zwar deshalb erst einmal offiziell final, allerdings könnte sich doch noch etwas ändern. Die Sachlage ist - wie so oft in der Formel 1 - kompliziert. Nach Rennende legte Mercedes zunächst Protest ein.

Mercedes störte sich an zwei Dingen: Einerseits soll Max Verstappen Lewis Hamilton hinter dem Safety Car überholt haben. Der Fall war verhältnismäßig einfach: Verstappen war kurzzeitig um eine Nasenspitze vorne, lies sich aber sofort wieder zurückfallen. Deshalb hatte der Protest keinen Erfolg.

Verstoß gegen das sportliche Reglement

Der zweite Fall war deutlich komplexer. Es ging um Artikel 48.12 des Sportlichen Reglements. Einerseits ließ Rennleiter Michael Masi nicht alle acht überrundeten Fahrzeuge zurückrunden, sondern nur fünf. Andererseits erfolgte der Restart direkt nach dem Zurückrunden, nicht eine Runde danach, wie es der Artikel vorsieht.

Die Stewards sehen Artikel 48.12 tatsächlich verletzt, änderten das Rennergebnis aber trotzdem nicht. Sie waren der Meinung, dass andere Artikel im Sportlichen Reglement den fraglichen Artikel überschreiben. Unter anderem hat der Rennleiter die vollständige Befugnis darüber, wann das Safety Car auf der Strecke zu sein hat.

Aus Mercedes-Sicht ist aber klar: Hätte sich Rennleiter Michael Masi an das Sportliche Reglement gehalten, hätte Lewis Hamilton den Abu Dhabi GP und damit auch die Weltmeisterschaft gewonnen. Das Rennen wäre schließlich hinter dem Safety Car zu Ende gegangen.

Deshalb verkündete Mercedes nach der Urteilsverkündung die Absicht, in Berufung gehen zu wollen. Wichtig: Es handelt sich zunächst einmal nur um die Absicht, das zu tun. Mercedes hatte nur die 60 Minuten Zeit, die Absichtserklärung abzugeben. Diese Frist wollte man auf jeden Fall wahren.

Anschließend hat das Team weitere 96 Stunden, als vier Tage Zeit, die Berufung formal einzulegen. Innerhalb dieser Frist kann sich Mercedes auch noch dazu entschieden, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

So funktioniet das Berufungsgericht

Geht Mercedes den nächsten Schritt, wird es richtig kompliziert. Das ICA (International Court of Appeal), also das Berufungsgericht wird mit der Angelegenheit betraut. Beim Berufungsgericht handelt es sich um ein Gremium der FIA. Die Richter sind - wie auch die Stewards - unabhängig und gehen sonst ihren zivilen Berufen nach. Die Trennung ist nötig, um Abhängigkeiten im System zu vermeiden.

Der Prozess ist in der Regel langwierig. Zwischen 18 und 36 Richter werden vom Motorsportweltrat einberufen. Kommt es zu einem Berufungsverfahren, muss die Angelegenheit von mindestens drei Richtern behandelt werden. Alleine die Zusammenstellung des Richter-Panels dauert im Normalfall Tage bis Wochen.

Anschließend gibt es wieder diverse Zeitfenster, die dem Teilnehmer für Anhördung und Co. zur Verfügung stehen. Das Problem: Bereits diesen Donnerstag, am 16. Dezember, steht die Preisverleihung in Paris an.

Die rechtlichen und disziplinarischen Regeln der FIA erlauben zwar den Fall, unter bestimmten Umständen den Prozess zu beschleunigen, ob es allerdings in wenigen Tagen funktioniert, ist fraglich.


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