Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Abu-Dhabi-Ergebnis fix, Verstappen bleibt Formel-1-Weltmeister

Verstappen darf seinen Weltmeistertitel behalten. Proteste abgeschmettert, das Ergebnis des Abu Dhabi GP ist offiziell. Mercedes kündigt Einspruch an.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Gleich zwei verschiedene Fälle mussten die Stewards des Abu Dhabi GP nach dem großen Formel-1-Finale verhandeln. Beides Fälle, die den Ausgang der Weltmeisterschaft hätten verändern können. Bis 23:03 Uhr Ortszeit musste Max Verstappen noch um seinen ersten Titel bangen, dann war auch der zweite, deutlich komplexere Fall gelöst und der Protest abgeschmettert. Mercedes kündigte aber bereits an, gegen das Urteil vorgehen zu wollen.

Das erste Urteil händigten die vier Stewards um 22:15 Uhr aus. Mercedes hatte Verstappen vorgeworfen, Lewis Hamilton während der Safety-Car-Phase überholt zu haben. Tatsächlich lag der Niederländer beim Restart kurze Zeit hauchdünn vor dem Briten, doch beim Überfahren der Safety-Car-Linie hatte sich Verstappen wieder zurückfallen lassen.

Die Entscheidung, den Einspruch abzulehnen, fiel den Stewards verhältnismäßig leicht. Der zweite Fall allerdings war komplexer. Zwar sprachen auch hier jeweils Vertreter von Red Bull und Mercedes bei Garry Connelly, Felix Holter, Derek Warwick und Mohamed Al Hashmi vor, eigentlich war es aber ein Problem der FIA.

Restart gleich doppelt illegal?

Denn der Restart erfolgte, dem Sportlichen Reglement zufolge, eine Runde zu früh. In Artikel 48.12 heißt es, dass das Safety Car eine Runde nachdem das letzte überrundete Fahrzeug den Führenden [beim Zurückrunden] überholt hat, an die Box kommen muss.

Beim Abu Dhabi GP allerdings gab Rennleiter Michael Masi das Rennen noch in der gleichen Runde wieder frei. Eine Kleinigkeit mit riesigen Auswirkungen. Denn es war nur noch eine Runde beim Abu Dhabi GP zu fahren. Genau in dieser letzten Runde, die laut Reglement eigentlich hinter dem Safety Car hätte gefahren werden müssen, überholte Verstappen Hamilton und sicherte sich den Titel.

Außerdem ging es darum, dass sich nicht alle überrundeten Piloten zurückrunden durften, sondern nur Lando Norris, Fernando Alonso, Esteban Ocon, Charles Leclerc und Sebastian Vettel. Daniel Ricciardo, Lance Stroll und Mick Schumacher wurde die Erlaubnis nicht erteilt. In Artikel 48.12 heißt es jedoch, dass 'jedes' [any] Auto zurückrunden darf.

Mercedes, neben Teammanager Ron Meadows und Ingenieur Andrew Shovlin noch mit einem hochrangigen britischen Anwalt vertreten, vertrat die Meinung, dass bei korrekter Anwendung der Regeln Lewis Hamilton das Rennen gewonnen hätte. Entsprechend sollte das Ergebnis nach Meinung von Mercedes nachträglich geändert werden.

Red Bull verteidigt FIA-Rennleiter Masi

Red Bull, 'nur' mit Teamchef Christian Horner, Design-Guru Adrian Newey und Teammanager Jonathan Wheatley vertreten, argumentierten für die FIA. Einerseits zweifelte man die Definition des Wortes 'any' an. 'Jedes' [any] überrundete Auto wäre nicht gleichbedeutend mit 'allen' [all] überrundeten Autos.

Außerdem war man der Meinung, dass Artikel 48.13 Artikel 48.12 überschreibt. In 48.13 ist geregelt, dass, sobald die Meldung 'Safety Car in this lap' etscheint, das Safety Car am Ende der Runde in die Boxengasse abbiegt. Außerdem gibt Artikel 15.3 dem Rennleiter eine übergeordnete Befugnis über den Einsatz des Safety Cars.

Und, so Red Bull weiter, hätte es keine Auswirkung auf das Ergebnis gehabt, wenn sich alle acht überrundeten Fahrer zurückgerundet hätten. Dem schloss sich Rennleiter Michael Masi, ebenfalls bei der Anhörung anwesend, gewissermaßen an. Er bezog sich den Geist des Reglements. Das Zurückrunden wurde eingeführt, damit die überrundeten Fahrer den Kampf um Positionen nicht beeinflussen.

Genau die fünf Autos, die sich zurückrunden durften, lagen zwischen Hamilton und Verstappen. Die anderen drei überrundeten Piloten lagen zwar nicht komplett am Ende des Feldes, aber hinter Verstappen. Nach Ermessen des Rennleiters war der Kampf um die restlichen Positionen hinter Verstappen offenbar nicht so wichtig.

Formel-1-Rennleiter Masi: Teams wollen das so

Bei seiner Entscheidung, das Safety Car eine Runde zu früh reinzuholen, bezog sich Rennleiter Masi auf den generellen Wunsch aller Teams, ein Rennen nicht hinter dem Safety Car zu beenden - sofern das irgendwie möglich ist.

Die Stewards erkennen in ihrem Urteil an, dass Artikel 48.12 nicht vollständig angewandt wurde, auch wenn Artikel 15.3 dem Rennleiter die völlige Kontrolle über das Safety Car zugesteht. Artikel 48.13, so die Stewards, würde aber 48.12 überschreiben und deshalb musste das Safety Car am Ende der vorletzten Runde abbiegen.

Das Ergebnis anzupassen würde nach Meinung der Stewards das Rennen nachträglich verkürzen, was das Panel als nicht angemessen empfindet. Demnach wurde der Protest abgelehnt.


Weitere Inhalte: