Die MotoGP will 2025 nach mehr als drei Jahrzehnten Pause nach Ungarn zurückkehren. Als Austragungsort wurde der 2023 eröffnete Balaton Park Circuit gewählt. Vor dem MotoGP-Wochenende von 22. bis 24. August gastiert von 25. bis 27. Juli bereits die Superbike-Weltmeisterschaft in Ungarn. Vergangene Woche testeten Fahrer beider Lager die neue Strecke. Die Piloten der Superbike-WM und einige Moto2-Fahrer waren am Mittwoch im Einsatz, die Testfahrer der MotoGP-Hersteller am Donnerstag.
MotoGP in Ungarn: Sicherheit wird zum Thema
Stimmen gab es nach dem Test kaum. Lediglich das Superbike-Team von Honda meldete sich mit einer offiziellen Pressemitteilung zu Wort. Und das Urteil über die neue Strecke fiel vernichtend aus. "Was die Sicherheit angeht, könnte es durchaus sein, dass noch ein paar Verbesserungen notwendig sind", wird Team-Manager Jose Escamez zitiert.

Die Fahrer störten sich in der Presseaussendung vor allem am Layout. "Die Strecke könnte besser sein", ist von Xavi Vierge zu lesen. Iker Lecuona: "In den vergangenen zwei Wochen bin ich drei Versionen der CBR gefahren - mein Rennmotorrad, die Suzuka-8-Hour-Version und die Straßenvariante. Das hat Spaß gemacht! Leider kann ich das nicht über den Balaton Park Circuit sagen. Ich mag diese Strecke einfach nicht."
Fahrer schimpfen über Layout des Balaton Park Circuit
Durchaus harte Worte in einer offiziellen Presseaussendung, wo Zitate im Normalfall bereits durch die PR-Abteilungen glattgeschliffen und kontroverse Äußerungen entfernt werden. Motorsport-Magazin.com erfuhr von einigen Moto2-Fahrern ungefiltert, wie sie die Strecke wahrgenommen haben. "Sie ist beschissen", sagte einer. "Es fühlt sich an, als hätten sie zuerst die Mauern gebaut und dann eine Rennstrecke herum", meinte ein anderer.
Die Strecke wurde nach ihrer Inbetriebnahme ja als nicht sicher genug für die MotoGP eingestuft und deshalb in den vergangenen Monaten massiv umgebaut. Die schnellsten Streckenabschnitte wurden mit neuen Kurven und Schikanen versehen, um das Tempo zu reduzieren und Auslaufzonen zu erweitern. "Die Strecke ist extrem langsam und hat überhaupt keinen Fluss", klagt Honda-Testfahrer Stefan Bradl gegenüber 'GPOne'. "Du fährst hier vier Kurven im ersten Gang, in den sechsten Gang kommst du überhaupt nicht." Die schnellsten Runden im MotoGP-Test wurden mit einem Schnitt von 148 km/h gefahren, womit der Balaton Park Circuit 18 km/h unter der bislang langsamsten Grand-Prix-Strecke, dem Sachsenring, liegt.
MotoGP-Bikes fressen ungarischen Asphalt
Diese Zahlen mögen sportlich bedauerlich sein, stellen insgesamt aber noch kein echtes Problem dar. Ganz im Gegensatz zu weiteren Informationen, die vom MotoGP-Test nach außen drangen. Der neu verlegte Asphalt löste sich unter der Last der Motorräder, ganze Brocken brachen aus der Streckenoberfläche. Dorna und FIM sollen Gerüchten zufolge nun eine Neuasphaltierung zur Bedingung für ein Rennwochenende gemacht haben. "Uns wurde versprochen, dass alles rechtzeitig behoben wird. Der Ball liegt jetzt bei ihnen", verriet Ducati-Testfahrer Michele Pirro.
Ob das tatsächlich so sein wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Das wirtschaftliche Geflecht rund um den Ungarn-Grand-Prix ist jedenfalls komplex. Der Balaton Park Circuit gehört einer Investorengruppe rund um den Ex-Rennfahrer Chanoch Nissany. Das Event wird vom ungarischen Motorsportverband HUMDA vorangetrieben, der massive Unterstützung durch die Regierung von Viktor Orban genießt. Wer nun für erneute Arbeiten an der Strecke aufkommen soll, ist nicht bekannt. Im MotoGP-Fahrerlager machten am Assen-Wochenende sogar Gerüchte um eine Absage die Runde. Eine solche wird aber mit jedem verstrichenen Tag unwahrscheinlicher. Die MotoGP selbst hält sich in dieser Angelegenheit aktuell bedeckt. "Kein Kommentar", war die Antwort auf mediale Anfragen.



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