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Formel 1: So wird Max Verstappen in Saudi-Arabien Weltmeister

Max Verstappen führt die Formel 1 WM-Wertung weiter vor Lewis Hamilton an. Beim nächsten Rennen in Saudi-Arabien kann es zum Titel reichen. Vier Szenarien.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Als 47. Fahrer der Formel-1-Geschichte hat sich Max Verstappen trotz seiner Niederlage gegen Lewis Hamilton am vergangenen Wochenende in Katar in eine Position gebracht, den WM-Titel gewinnen zu können. Erstmals ist das beim kommenden Rennen in Saudi-Arabien am 5. Dezember rein rechnerisch möglich. Motorsport-Magazin.com nennt alle Szenarien, die den Red-Bull-Fahrer vorzeitig zum 34. Formel-1-Weltmeister krönen würden.

Erster Matchball oder nicht - darüber lässt sich vor der F1-Premiere auf dem Straßenkurs von Jeddah streiten. Immerhin kann Verstappen den WM-Titel zwar vorzeitig fixieren, das allerdings nicht aus eigener Kraft. Dafür braucht es kräftige Schützenhilfe aus dem Mercedes-Lager. Egal wie gut Verstappen in Saudi-Arabien abschneidet, benötigt der Niederländer immer ein extrem schlechtes Ergebnis für die Verhältnisse Hamiltons.

Lewis Hamilton muss in Saudi-Arabien mindestens Fünfter werden

Wird der amtierende Weltmeister in Saudi-Arabien mindestens Fünfter (zehn Punkte), ist die Entscheidung in jedem Fall bis zum Finale in Abu Dhabi vertagt. Dann reicht Verstappen auch die Maximalausbeute von 26 Punkten für den Sieg samt schnellster Rennrunde nicht. Verstappen würde seinen aktuellen Vorsprung von acht Punkten um 16 Zähler auf 24 ausbauen - zwei zu wenig. Mindestens 26 Punkte Vorsprung muss Verstappen nach dem Rennen in Jeddah aufweisen, also 18 Zähler mehr erzielen als Hamilton.

Weil das automatisch keinen Sieg Hamiltons (aktuell sieben Saisonsiege) in Saudi-Arabien einschließen würde, könnte Hamilton in Abu Dhabi nur noch nach Punkten gleichziehen, aber nicht nach Siegen. Verstappen steht bereits bei neun GP-Erfolgen.

4 Szenarien: Verstappen wird in Saudi-Arabien Weltmeister, wenn ...

  • ... er mit schnellster Rennrunde gewinnt und Hamilton maximal Sechster wird.
  • ... er ohne schnellste Rennrunde gewinnt und Hamilton maximal Siebter wird.
  • ... er mit schnellster Rennrunde Zweiter wird und Hamilton maximal Zehnter wird.
  • ... er ohne schnellste Rennrunde Zweiter wird und Hamilton leer ausgeht.

Max Verstappen braucht 26 Punkte Vorsprung auf Hamilton

Das bedeutet im Umkehrschluss: Mindestens Zweiter muss Verstappen in Saudi-Arabien zwingend werden. Ein dritter Platz mit schnellster Rennrunde (16 Punkte) reicht auch bei einer Nullnummer Hamiltons nicht. Sonderlich wahrscheinlich ist ein vorzeitiger Titelgewinn also nicht. Scheidet Hamilton nicht aus, ist die Gefahr auf ein zu schlechtes Ergebnis angesichts des starken Mercedes gering. Aber: Mit Monaco (P7) und Aserbaidschan (P15) erzielte Hamilton 2021 ohne Fremdverschulden bereits zwei Resultate, die Verstappen in Saudi-Arabien im Fall eines Sieges (P7 für Hamilton) oder zweiten Platzes (P11 oder schlechter für Hamilton) ausreichen würden.

Rechenspiele hin oder her: Hamilton in Jeddah ohnehin Favorit

Noch dazu handelt es sich bei dem Jeddah Street Circuit wie in Baku und Monte Carlo um einen Straßenkurs. Eine Schwäche für Hamilton und Mercedes? Eher nicht: Das Streckenlayout unterscheidet sich massiv von anderen Straßenkursen, Jeddah ist eine Highspeed-Strecke, auf der Motorleistung ungewöhnlich viel zählt. Mercedes gilt dank des erst in Brasilien neu eingeführten Motors daher sogar als Favorit. Noch dazu erwies sich Hamilton selbst zuletzt als ausgewiesener Experte für Premierenrennen, gewann 2020 in Portimao und Mugello, 2021 in Losail.

Übrigens: Sollte es am Saisonende nach Punkten unentschieden stehen, wäre aufgrund der größeren Anzahl von Saisonsiegen in jedem Fall Verstappen Weltmeister. Aktuell hält der Niederländer bei neun Siegen, Hamilton bei sieben. Der Brite könnte in Saudi-Arabien und Abu Dhabi also noch gleichziehen, wäre dann allerdings ohnehin schon aus eigener Kraft nach Punkten Weltmeister.

Formel 1: Hamiltons längster WM-Kampf seit Rosberg-Duell

Seit seinem am Ende verlorenen WM-Duell mit Nico Rosberg 2016 musste Hamilton nicht mehr im vorletzten Saisonlauf um den WM-Titel kämpfen. Damals lag der Brite allerdings 19 Zähler zurück, 2021 sind es acht. Wie eng der Kampf um den Fahrertitel in der Formel 1 2021 tatsächlich ist, zeigt zudem, dass es mit dem aktuellen Punkteschlüssel zwei Rennen vor Saisonende noch nie derart eng zuging. 2012 lag Fernando Alonso vor den beiden Schlussläufen zehn Punkte hinter Sebastian Vettel. 2010 klassierte Mark Webber elf Zähler hinter dem Spanier, ehe letztlich sogar noch Vettel mit 25 Punkten Rückstand zum Titel fuhr.

Enger als acht Punkte ging es zu diesem Zeitpunkt zuletzt 2008 zu, noch mit dem alte Punktesystem. Damals lag Hamilton vor den beiden Finalrennen fünf Punkte vor dem am Ende knapp unterlegenen Felipe Massa im Ferrari. Den absoluten Rekord hält in dieser Statistik allerdings die Saison 2006: Nach seinem letzten Karriere-Sieg in China führte Michael Schumacher die WM-Wertung vor den beiden letzten Läufen punktgleich mit Fernando Alonso, aber wegen bis dahin 7:6 Saisonsiegen vor dem Spanier an.

Formel 1: Die letzten WM-Stände zwei Rennen vor Saisonende

Jahr WM-Führender Erster Verfolger Rückstand WM offen? Weltmeister
2021 Verstappen Hamilton 8 Ja ?
2020 Hamilton Bottas 131 Nein Hamilton
2019 Hamilton Bottas 67 Nein Hamilton
2018 Hamilton Vettel 64 Nein Hamilton
2017 Hamilton Vettel 56 Nein Hamilton
2016 Rosberg Hamilton 19 Ja Rosberg
2015 Hamilton Rosberg 73 Nein Hamilton
2014 Hamilton Rosberg 24 Ja Hamilton
2013 Vettel Alonso 130 Nein Vettel
2012 Vettel Alonso 10 Ja Vettel
2011 Vettel Button 134 Nein Vettel
2010 Alonso Webber 11 Ja Vettel
2009 Button Barrichello 14 Ja Button
2008 Hamilton Massa 5 Ja Hamilton
2007 Hamilton Alonso 12 Ja Räikkönen
2006 Schumacher Alonso 0 Ja Alonso

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