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Formel 1

F1, Alpines neue Planwirtschaft: Gipfelsturm in 100 Rennen

Renault verzettelte sich jahrelang mit Zielsetzungen. Alpine schrecken die Verfehlungen nicht ab. CEO Laurent Rossi berechnet Weg zur Formel-1-Weltspitze.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Das Formel-1-Engagement von Renault lief jahrelang den beim Comeback 2016 ausgegebenen Zielen hinterher. Statt Siegen und Weltmeistertiteln gab es Stagnation, die schlussendlich zur großen Umstrukturierung unter dem Banner von Alpine führte. Die Sportwagenmarke von Renault gibt nun seinerseits die Ziele aus - und die erinnern stark an die alte Marschroute der Gelben.

"Wir haben ein langfristiges Projekt. Das Ziel ist, ein Level an Konkurrenzfähigkeit zu erreichen, das uns 2024 so oft wie möglich auf das Podium bringt", sagt Alpine CEO Laurent Rossi gegenüber der offiziellen Formel-1-Website. Als die Franzosen vor fünf Jahren zurückkehrten, wollte der damalige CEO Carlos Ghosn in drei Jahren zurück an die Weltspitze gelangen.

Nach Platz neun im ersten Jahr zeigten die Gelben zunächst einen kontinuierlichen Aufwärtstrend, doch der hielt nicht lange an. Tatsächlich wurde 2018 mit Platz vier in der Konstrukteurswertung zu Renaults bisher erfolgreichstem Jahr. Danach rutschte das Team auf Rang fünf ab, wo es auch in der laufenden Saison anzutreffen ist - und das obwohl Esteban Ocon in Ungarn sensationell den ersten Sieg des Teams in der Hybrid-Ära einfuhr.

Bereits im Vorjahr zeigte das Team mit den ersten Podestplatzierungen durch den Franzosen und Daniel Ricciardo einen starken Trend, doch dieser reichte nicht, um mit der Konkurrenz schrittzuhalten. Die Rückkehr zu Platz vier ist mit 128,5 Punkten Rückstand bei nur noch sechs Rennen im Jahr 2021 kaum zu realisieren.

Alpine soll in vier Jahren WM-Reif sein

Die Rechnung der neuen Konzernführung ist dennoch genauso einfach wie die von Ghosn. "Vom fünften Platz, den wir heute haben, lässt sich leicht ein Fahrplan ausgeben. Wir werden jedes Jahr ein bisschen besser werden. Es ist ein 100-Rennen-Projekt. Vier Jahre, vier Saisons", kündigt Rossi an.

Nachdem 2020 trotz Fortschritten nicht zufriedenstellend war, wurde in Enstone und Viry im großen Stil umstrukturiert. Der langjährige Teamchef Cyril Abiteboul musste im Januar 2021 seinen Hut nehmen und wurde durch einen Hochkaräter aus der MotoGP ersetzt. Suzukis Weltmeisterteamchef Davide Brivio sollte seine Magie in der Königsklasse des Automobilsports anwenden.

Vom Italiener war seit der Präsentation des Autos jedoch wenig zu sehen oder zu hören. Gerüchten zufolge soll er bereits wieder in Verhandlungen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber aus der Motorrad-WM stehen. Dafür steht der 2018 verpflichtete Marcin Budkowski immer stärker im Fokus. Nachdem er bei Renault die Roll des Technikdirektors übernahm, wurde er bei Alpine zum Executive Director.

Start 2022 für Alpines Gipfelsturm entscheidend

Ungeachtet etwaiger personeller Fragezeichen ist Rossis Vision für die Zukunft des Rennstalls klar. "Wir müssen in jedem Rennen Fortschritte machen. Das können Fortschritte sein, die du auf der Rennstrecke siehst, oder Fortschritte in den Details, die du nicht siehst", erklärt er. "Die Idee ist, niemals stehenzubleiben und zu sehen, dass es in die richtige Richtung geht."

Die richtige Richtung hofft die Organisation bereits vor langer Zeit eingeschlagen zu haben. In den Werken von Alpine rückte der Fokus bereits sehr früh auf das für 2022 neue Reglement. Der bevorstehende große Reset überzeugte letztendlich auch Altmeister Fernando Alonso zur Rückkehr. "Das nächste Jahr wird ein Glücksspiel", hoff auch Rossi auf den großen Coup.

Dieser muss nicht zwangsläufig die WM-Fähigkeit des neuen Autos bedeuten, aber zumindest ein entsprechendes Potential: "Wir wollen sicherstellen, dass wir ein zufriedenstellendes Level an Performance haben, wenn es los geht. Es soll in der Nähe der Spitze sein und von da können wir unseren Aufstieg zum Gipfel in Angriff nehmen."

Renault CEO versichert: Alpine der Formel 1 verschrieben

Die langfristige Zukunft von Alpines F1-Projekt dürfte ungeachtet des mittelfristigen Erfolges gesichert sein. Renault CEO Luca de Meo bekannte sich 2020 trotz Krisenjahr klar zur Königsklasse: "Wir sind hier, um zu bleiben. Wir sind hier, um uns jedes Jahr zu verbessern. Wir haben eine Ambition. Alpine ist Teil von einem der größten Hersteller auf der Welt."


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