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Formel 1

Mick Schumacher sauer auf Mazepin: Hat mein Rennen zerstört

Dicke Luft bei Haas: Auch im Rennen der Formel 1 in Zandvoort fliegen bei Mick Schumacher und Nikita Mazepin wieder die Fetzen. Mick: Ich bin sehr sauer!
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Jetzt ist das Tischtuch bei Haas wohl final zerschnitten: Nur einen Tag nach ihrem Zoff im Qualifying zum Niederlande-GP 2021 fliegen zwischen Mick Schumacher und Nikita Mazepin nun auch nach dem Formel-1-Rennen in Zandvoort wieder die Fetzen. Grund dafür ist ein hartes Manöver des Russen nur kurz nach Rennbeginn, mit dem er seine Position gegen den Teamkollegen behaupten wollte. Für Schumacher viel zu viel des Guten - gefährlich und zerstörerisch sogar - wie schon in Baku.

"Ja, heute bin ich auch wieder sehr sauer", tobt Schumacher kurz nach Rennende, als Motorsport-Magazin.com den offensichtlichen Vergleich mit den Szenen von Baku präsentiert. "Aber das hat man heute weniger über den Funk gehört, weil das in Baku keinen Sinn gemacht hat", ergänzt Schumacher. In Aserbaidschan hatte der 22-Jährigen sich unmittelbar nach einer nur knapp verhinderten Kollision mit Mazepin am Boxenfunk ausgelassen. "Will er uns umbringen?!", funkte Schumacher in Baku.

Formel 1 Zandvoort: Mazepin drängt Schumacher ab

Was war passiert? Wie in Baku - nur diesmal zu Rennbeginn nicht Rennende - hatte Schumacher in der Startphase einen Platz an Mazepin verloren. Ausgangs der finalen Steilkurve der Runde setzte der Deutsche daraufhin zum Konter an, zuckte nach rechts aus dem Windschatten Mazepins und wollte auf der Start-Ziel-Geraden vorbeigehen. Doch der Russe parierte - wie in Baku - mit einem eiligen Schlenker nach rechts und drückte Schumacher so weit nach außen, diesmal statt einer Leitplanke in Richtung Einfahrt der Boxengasse und des dort platzierten Pollers.

Die Folge: Mazepin behauptete nicht nur seine Position, noch dazu hatte sich Schumacher seinen Frontflügel beschädigt und musste nach nur vier Runden bereits zum Service an die Box. "Es ist schade. Im Endeffekt hat er mein Rennen kaputt gemacht, weil dann mein Frontflügel kaputt war und wir halt reinkommen mussten", berichtet Schumacher, in der Folge das gesamte Rennen über weit hinter Mazepin zurück - bis zum Ausfall des Russen wegen hydraulischer Probleme in Runde 41.

Schumacher erklärt: Darum chancenlos gegen Mazepin

Das erklärt Schumacher mit seiner durch den frühen Stopp völlig anderen Rennsituation. "Dann hatte ich natürlich diese ganzen blauen Flaggen. Dann hast du natürlich kein Rennen mehr", erklärt Schumacher. Mazepin sieht die Szene völlig anders. "Es war sehr hart uns so sollte es immer sein", sagt der Russe, sich keiner Schuld bewusst. Auch Probleme geben es nicht zwischen ihm und Schumacher. "Nein, aber ich möchte vorne sein", sagt Mazepin.

Schumacher bewertet die Beziehung zu seinem Teamkollegen anders. "Ich glaube, dass Verbesserungspotenzial da ist", sagt der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher. Die Vorgeschichte des Samstags sei zudem keine Erklärung für das Verhalten Mazepins im Rennen. "In Baku gab es keine Vorgeschichte und da hat er das gleiche gemacht", sagt Schumacher. "Von daher ... Ich weiß auch nicht ganz. Ich bin auch ein bisschen sprachlos", ergänzt Schumacher lachend.

Mazepin sieht keine Schuld: Schumacher sprachlos

Im Rahmen des Erlaubten sei Mazepin nicht unterwegs gewesen, widerspricht Schumacher seinem Teamkollegen. Mazepin gab an, sich an alle Regeln gehalten zu haben. "Naja, es kommt drauf an, was die Regeln für ihn sind. Ich glaube, dass meine Regeln wahrscheinlich etwas anders sind", sagt Schumacher. "Wenn man in die Wand oder in diesem Fall in die Boxengasse gedrückt wird und da ein Poller ist, dann will man den sehr ungern mitnehmen. Da müssen wir einfach mit dem Team nochmal drüber reden, weil ich glaube, dass das für uns als Team nicht förderlich ist."

Formel 1-Zoff bei Haas: Mazepin attackiert Schumacher!: (09:34 Min.)

Die Rennleitung jedenfalls schritten nicht ein. Die Stewards ermittelten nicht einmal. Eigentlich, so Schumacher, hätte das passieren müssen. "Das Ding ist aber, dass wir Teamkollegen sind. Da mischen sich die Stewards recht wenig ein", sagt Schumacher. "Aber so wie ich verstanden habe, ist das auch mit anderen Fahrern passiert, was dann in Zukunft vielleiht Konsequenzen nach sich ziehen wird ..."

Mick Schumacher: Dann fliegst du in die Leute!

Der Vorfall sei jedenfalls gefährlich gewesen. "Wenn du da die Boxenmauer mitnimmst, dann schleudert es das Auto entweder in die Luft und du fliegst über die Tribüne in die Leute rein oder weiß der Teufel was passiert. Wir fahren da ungefähr 280 km/h", sagt Schumacher.

Sein Rennen war mit diesem Moment gelaufen. "Es war dann kein Rennen mehr, weil es einfach die ganze Zeit blaue Flaggen gab. Eine nach der anderen. Zum Glück hatten wir noch einen guten Stint auf dem C2, in dem wir mit den Williams und den Alfas gut mitfahren konnten", sagt Schumacher. Überrundet hatten allerdings selbst diese Teams Schumacher bereits. "Aber von der Pace her waren wir dann zumindest dabei. Was uns natürlich die Hoffnung gibt, dass wir da hätten mitfahren können."

Zandvoort: Mazepin liefert solides Rennen

Das bewies bis zu seinem Ausfall zumindest punktuell Teamrivale Mazepin, der zumindest die eine oder andere Szene lieferte. "Ich hatte guten Rennsport", sagt der Russe. "Es hat auf dieser Strecke echt Spaß gemacht, auch für Underdogs wie uns. Selbst mit unserem Auto kannst du dich hier zumindest ein wenig verteidigen, denn die Geraden sind nicht allzu lang."

Umso ärgerlicher sei der Ausfall mit einem Hydraulikdefekt. "Es fühlt sich an, als ob die Arbeit nicht in ein Ergebnis umgemünzt wurde", klagt Mazepin. "Ich bin sauer, denn mein Job ist es, zu fahren. Und ich finde, dass ich die letzten Wochenenden nicht genug fahre. In Ungarn musste ich auch schon abstellen, in Spa sind wir gar nicht erst gefahren, heute das Hydraulikproblem mit dem ich im Rennen auch schon lange die Motorleistung managen musste. Zum Glück bin ich für all das nicht verantwortlich. Ich hatte sogar ein sehr gutes Rennen, eine sehr gute erste Runde und konnte gut managen, was heute mit unserem Auto möglich war. [...] Bis wir dann aus Sicherheitsgründen aufgeben mussten.


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