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Formel 1

Formel 1, Sainz ändert Ferrari-Strategie selbst: Team gibt nach

Carlos Sainz und Ferrari in Ungarn trotz starkem Ergebnis unglücklich: Pech mit Stopp, dann muss Sainz selbst Strategie retten. Am Ende Pech gegen Hamilton.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Carlos Sainz hätte, dem Ergebnis des Ungarn-GPs der Formel 1 nach, eigentlich allen Grund zur Freude. Der Ferrari-Pilot war nach einem Crash im Qualifying nur von P15 gestartet, beendete das Chaos-Rennen am Sonntag dann aber auf einem vierten Platz, der, sofern Sebastian Vettels Disqualifikation in den nächsten Tagen offiziell werden sollte, sogar zu einem Podium werden könnte.

Trotzdem kann sich Sainz nicht freuen, denn auch sein Rennsonntag war eine Ansammlung kleinerer Probleme und Fehler. "Es hat heute nicht sollen sein", ärgert er sich, und glaubt: Anstatt ganz am Schluss von Lewis Hamilton überholt zu werden und sich gegen Fernando Alonso zu verteidigen, hätte er eigentlich mit Esteban Ocon und Sebastian Vettel um den Sieg kämpfen müssen.

Sainz mit Sensations-Start - und dann Boxen-Pech

Der erste Start von Sainz war noch sensationell. Er kam gut weg, und konnte dann den Massencrash in der ersten Kurve vermeiden. Dieser riss sieben Autos ins Verderben und machte den Weg für Sainz frei, um aus der ersten Runde auf dem vierten Platz zurückzukehren.

Die Ernüchterung folgte schnell, als das Rennen nach einer roten Flagge neu gestartet wurde. Sainz kam wie fast das ganze Feld sofort an die Box, um von Intermediates auf Medium-Reifen zu wechseln. Im dichten Verkehr hielt Ferrari ihn für eine zusätzliche Sekunde, um einen Unsafe Release zu vermeiden - und plötzlich waren der AlphaTauri von Yuki Tsunoda und der Williams von Nicholas Latifi vorbei. Hinter denen steckte Sainz 15 Runden lang fest, und verlor über zehn Sekunden auf das Führungsduo Ocon und Vettel.

Sainz überstimmt Ferrari-Strategen und verhindert Schlimmeres

Weiter hinten trat an dem Punkt Lewis Hamilton mit einem frühen Boxenstopp eine erste Welle los. Der sich Latifi, Tsunoda, und auch Ferrari anschließen wollten. Nicht aber Sainz, der die Anweisung am Funk abwimmelte. "Mir lag sehr daran, ihnen mit einer zusätzlichen Runde mitzuteilen, dass ich in freier Luft sehr schnell war", erklärt er. "Mit dieser zusätzlichen Runde haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Das Team hat mir zugestimmt."

Erst mit eigener Strategie kam Sainz in Ungarn an Tsunoda vorbei - Foto: LAT Images

Sainz fuhr befreit gleich einmal zwei Sekunden schneller, verlängerte daraufhin den Medium-Stint um zehn Runden, und als er schließlich auf den Hard-Reifen wechselte, kam er auf dem dritten Platz wieder heraus.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Ferrari-Pilot eine Strategie-Entscheidung des Teams aus dem Cockpit überstimmte. "Ich glaube nicht, dass es eine Fehleinschätzung war", verteidigt Teamchef Mattia Binotto aber das Prozedere. "Die Entscheidung wurde nämlich von den Strategen getroffen. Der Fahrer hatte seinen Eindruck geschildert, wir haben unsere Simulationen analysiert und festgestellt, dass es die richtige Wahl war. "

Sainz gehen gegen Hamilton Reifen und Benzin aus

Wie schon öfters war der Ferrari aber auch in Ungarn auf dem Hard-Reifen nicht mehr so stark. Sainz wurde bald von Hamilton eingeholt, der sofort Druck machte. Das verschlimmerte die Situation noch: "Ich wusste, er würde diesen Trick ausspielen. Er hat mich gezwungen, meine Reifen früh aufzubrauchen, also war ich am Ende des Stints verwundbar."

Hamilton kam zwar nicht vorbei, stattdessen jedoch zum zweiten Stopp. Und holte in Riesenschritten wieder zu Sainz auf, der jetzt zwei weitere Probleme hatte: zum einen Fernando Alonso direkt hinter sich, und zum anderen wurde langsam der Tank leer. In den letzten zehn Runden musste er vor allem in die ersten Kurve hinein massives Lift-and-Coast betreiben, um es ins Ziel zu schaffen.

Sainz muss sich mit Ungarn abfinden: Sieg-Chance verpasst?

Daher wagte Sainz es auch nicht, Alonso ins DRS-Fenster kommen zu lassen, um dem gegen den heranstürmenden Hamilton Schützenhilfe zu leisten. "Ich war auch ziemlich schwach in der letzten Kurve, weil ich mit den Reifen Probleme hatte", erklärt er. "Mein Gefühl war an dem Punkt, auf Nummer sicher zu gehen, von Fernando wegzufahren, dann Benzin zu sparen, und dass Lewis dann länger brauchen würde, um mich einzufangen." Der Plan ging nicht auf, Hamilton kassierte innerhalb weniger Runden sowohl Alonso als auch Sainz.

Hamilton kassierte Sainz beim Überrunden von Daniel Ricciardo - Foto: LAT Images

"Das überrundete Auto von Daniel [Ricciardo] hat nicht geholfen", meint Sainz nur zum Manöver, bei dem er noch zu kontern versucht hatte, gegen den übermächtigen Mercedes aber Chancenlos. "Aber so läuft es manchmal. Hättest du mir gestern gesagt, dass ich auf Platz vier ums Podium kämpfen würde, hätte ich das genommen, aber wenn ich Esteban und Seb vorn mir sehe, habe ich das Gefühl, dass wir im Kampf um den Sieg dabei sein hätten können."


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