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Formel 1

Formel 1, Russell verdrückt Tränen: Es ist mehr als die Punkte

George Russell fährt auf dem Hungaroring seine ersten WM-Punkte für Williams ein. Nach einer harten Aufbauarbeit ist der Brite vom Ergebnis ergriffen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Williams fuhr beim Ungarn GP die ersten WM-Zähler der Formel-1-Saison 2021 und beendete damit eine gut zwei Jahre anhaltende Punktelaute. Das elfte Rennen des Jahres beendeten beide Fahrer in den Top-10. Nicholas Latifi wurde Achter und George Russell lief auf Platz neun ins Ziel an. Falls Sebastian Vettel nach Aston Martins angekündigten Protest von der Wertung ausgeschlossen wird, könnte es für die Williams-Fahrer noch eine Position nach vorne gehen.

Russell war in den Interviews nach den Rennen sichtlich ergriffen. "Es bedeutet mehr als nur die ersten Punkte mit Williams zu sammeln. Es sind drei Jahre harter Arbeit und Hingabe. Es ist bewegend, es ist verrückt. Es ist mehr, als das Ergebnis zeigt", sagte der Brite den Tränen nahe.

Der 23-Jährige bestritt 2019 seine Rookie-Saison für Williams. Seitdem gehört er zum Traditionsrennstall aus Grove. In der Zeit schaffte es lediglich beim chaotischen Deutschland GP 2019 ein Williams-Fahrer in die Punkte, nämlich Robert Kubica als Zehnter.

"Das Ergebnis zeigt, dass es wert ist, niemals aufzugeben. Als wir 2019 immer Letzter waren. Haben wir nie aufgehört, zu kämpfen. Wenn wir damals aufgehört hätten, zu kämpfen, wären wir nicht da, wo wir heute mit einem schnelleren Auto sind. Du musst in jeder Situation alles geben und daraus lernen", sagte er erleichtert. Für Russell ist es die zweite F1-Punktenkunft. Als er im vergangenen Jahr Lewis Hamilton beim Sakhir GP im Mercedes ersetzte, wurde er ebenfalls Neunter.

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Williams profitiert von hinteren Startplätzen

Williams hatte sich vor dem Rennwochenende auf dem Hungaroring gute Chancen ausgerechnet, den Punktefluch zu brechen. Nach dem Qualifying waren die Hoffnungen allerdings getrübt. Russell schaffte es erstmals in diesem Jahr nicht über Q1 hinaus. Er startete von Platz 17, sein Teamkollege lag eine Position dahinter.

Beim Rennstart auf nasser Strecke erwiesen sich die Positionen im hinteren Feld als hilfreich. So entgingen der Startkollision und fanden sich nach der ersten Runde auf den Rängen sechs (Latifi) und acht (Russell) wieder.

Als das gesamte Feld mit Ausnahme des Führenden Hamilton nach dem Restart zum Wechsel auf Trockenreifen in die Boxengasse fuhr, lag Russell zwischenzeitlich auf dem zweiten Platz. Dafür gab es einen kuriosen Grund: Die Schlange der an der Boxenausfahrt wartenden Fahrzeuge war so lang, dass er sich nicht mehr einreihen konnte. Er fuhr an den Konkurrenten vorbei.

Er war erleichtert, dass er in Budapest von der Rennleitung lediglich angewiesen wurde, die gewonnen Plätze wieder abzugeben. "Es war eine einzigartige Situation. Alle haben sich in der Boxengasse aufgereiht und ich dachte 'auf gehts'. Danke an die FIA. Die Stewards hätten mir leicht eine Durchfahrtsstrafe geben können", sagte der Brite.

Latifi liegt zeitweise auf Podestkurs

Teamkollege Latifi lag nach dem Restart einige Runden lang auf dem dritten Platz. Während das Führungsduo enteilte, konnte er seine Verfolger hinter sich halten. "ich wusste, dass wir nicht die Pace hatten, um an den Jungs vorne dranzubleiben. Ich habe mich auf mein Rennen konzentriert und wollte meine Reifen über die Distanz bringen", sagte er.

Der Kanadier verlor nach seinem Boxenstopp Zeit gegen seine Konkurrenten, die auf längere erste Stints setzten. Nachdem alle Fahrer ihre Reifenwechsel absolviert hatten, belegte er den achten Platz.

"Ich war in diesem Jahr noch nicht in der Situation, in der ich hätte Punkte holen können, George schon. Unser Team hat seit dem Saisonstart Fortschritte gemacht und an der Tür der Punkteränge geklopft. Es ist schön, letztendlich Punkte und damit die Belohnung zu erhalten", sagte der 26-Jährige.

Die sechs WM-Zähler, die Williams nach derzeitigem Stand auf dem Konto hat, reichen aus, um sich in der Konstrukteurs-WM vor Alfa Romeo zu platzieren. Der achte Platz ist für das Team das maximal Mögliche. AlphaTauri - neben Red Bull das einzige Team mit Punkten in allen elf Rennen - ist mit 64 Zählern kein Konkurrent.

Laut Dave Robson, Leiter für Fahrzeugperformance bei Williams, könnten die FW43-B von Russell und Latifi in den kommenden Rennen Updates erhalten. Am Freitag testete das Team neue Fahrzeugteile, die im weiteren Verlauf des Ungarn-Wochenendes allerdings nicht genutzt wurden. Gänzlich aussortiert sind sie aber noch nicht.


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