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Formel 1, Red Bull bangt nach Crash: Perez-Motor wohl verloren

Red Bull kommt der Startunfall in Ungarn teuer zu stehen. Punkte verloren, wieder Reparaturkosten und Power Unit von Sergio Perez ruiniert. Strafe in Sicht.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kostspieliger Ungarn-GP auf gleich mehreren Ebenen für Red Bull Racing: Der Startunfall beim Formel-1-Rennen auf dem Hungaroring, ausgelöst von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas, führte nicht nur zu einem herben Rückschlag für Max Verstappen (P10) im WM-Kampf gegen Lewis Hamilton (P3), sondern ruft gleichzeitig noch jede Menge Folgekosten und -sorgen auf den Plan. Wieder müssen in Zeiten der Budgetobergrenze zwei Autos repariert werden, noch dazu droht gleich der nächste Verlust einer Power Unit. Eine Strafe im weiteren Saisonverlauf scheint unausweichlich.

"Bottas hat einen großen Fehler gemacht und alle aus dem Rennen genommen. Es ist sehr schade, ein harter Treffer für das Team", schimpfte Sergio Perez nach seinem Ausfall nach wenigen hundert Metern bereits während des Rennens. "Der Schaden hat ziemliche Auswirkungen. Das war ein großer Einschlag. Wir haben dadurch höchstwahrscheinlich den Motor verloren."

Red Bull: Perez-Motor scheint nicht zu retten

Der Mexikaner weiß genau: Ist der Motor nicht zu retten, wird eine Strafe im weiteren Saisonverlauf kaum zu vermeiden sein. Nur noch einen neuen Antriebsstrang kann Red Bull im RB16B des Mexikaners straffrei montieren. "Das ist eine große Strafe. Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll", klagte Perez.

Nach dem Rennen folgte die Bestätigung durch Christian Horner. Sonderlich gut soll es um die Power Unit tatsächlich nicht stehen. "Sie hat sofort ihr gesamtes Wasser verloren. Wir müssen es noch genauer ansehen, aber die ersten Berichte zeigen an, dass sie nicht länger benutzt werden kann", berichtete der Teamchef.

Max Verstappens Silverstone-Motor nun doch lädiert

Erst am selben Vormittag hatten Red Bull und Honda die Power Unit im Auto von Max Verstappen wechseln müssen. Das Aggregat schien den heftigen Einschlag in Silverstone eigentlich überstanden zu haben. Drei Trainings und das Qualifying in Ungarn überstand der Antrieb scheinbar ohne Probleme. Dann fand Honda allerdings doch eine Anomalie, sogar einen Riss. Nun geht die Power Unit erneut in die Fabrik nach Sakura und ist womöglich doch nicht mehr zu retten.

Nun hat es also auch Perez erwischt - wieder unverschuldet und ausgerechnet wegen einer Aktion des großen WM-Rivalen Mercedes. "Wir haben jetzt vielleicht zwei Motoren durch Aktionen anderer Fahrer verloren" klagte Horner. Frustriert fügte der Brite sarkastisch an: "Das ist die Brutalität des Rennsports, oder? Valtteri hat leider einen schlechten Start erwischt, seinen Bremspunkt falsch eingeschätzt und hat einen klasse Job für Mercedes gemacht, indem er unsere beiden Autos rausgenommen hat. "

Horner stichelt gegen Bottas: Top Job für Mercedes

Horner weiter: "Es gab einen bedeutenden Schaden. Es hat Sergio einen weiteren Motor gekostet und Max war dann natürlich gewaltig beeinträchtigt. [...] Mick Schumacher hatte heute mehr Downforce als Max!" Schäden am Unterboden, ein komplett zerstörtes rechtes Bargeboard und ein Lock im Seitenkasten waren schon mit bloßem Auge mehr als gut zu erkennen.

Das und der Schaden am Boliden Perez' sorgen nun auch wieder für enorme Reparatur- und Neufertigungskosten. "Extrem frustrierend und auch wieder brutal unter der Budgetobergrenze", sagte Horner und forderte eine Anpassung der finanziellen Regeln bei Unfallkosten: "Wenn du einen Vorfall hast, der nicht deine Schuld war und du trotzdem einen hohen Preis dafür bezahlst, das muss die FIA vielleicht näher ansehen."

Horner juckt Wolff-Entschuldigung nicht: Zahlt er die Rechnung?

Eine Entschuldigung von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff interessierte Horner dabei weniger. "Wird er die Rechnung zahlen?", antwortete der Brite. Wolff zeigte sich verständnisvoll für diese Stichelei. "Du musst verstehen, dass das frustriert und ärgert. Du hast zwei Autos verloren durch einen Crash. [...] Dass dann drei Autos liegen bleiben, davon zwei Red Bulls, ist völlig unerfreulich für das Team, deswegen muss man jede Reaktion verstehen."

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Mehr als über die Entschuldigung Mercedes' freute sich Horner über deren Strategie für Lewis Hamilton beim Re-Start. Also einziger Fahrer fuhr Hamilton mit Intermediates aus der Startaufstellung los, alle anderen begannen auf Slicks aus der Box. Hamilton musste den Wechsel unter Rennbedingungen eine Runde später nachholen und viel so auf den letzten Platz zurück. Das kostete den Weltmeister einen potenziellen Sieg.

Horner erfreut: Mercedes-Bock und Red-Bull-Fahrer Alonso

"Zum Glück hat Mercedes heute einen strategischen Bock geschossen", sagte Horner. "Und Fernando Alonso schien für Red Bull zu fahren, was den Schaden begrenzt hat", kommentierte der Brite die beherzte Verteidigung des Spaniers gegen Hamilton.

Dennoch überwiegt unter dem Strich der Frust. Von Motorenstrafen im weiteren Saisonverlauf geht Horner nach Silverstone und Ungarn nun regelrecht aus. Die Chancen stünden eher schlecht, so der Brite. "Und das ist unglaublich frustrierend für Honda, denn das liegt nicht an der Zuverlässigkeit, sondern an Unfällen, die wir nicht verursacht haben", sagte Horner.

Das Frust-Fazit: "Heute hat uns ohne jeden Zweifel sehr viel gekostet. Finanziell, in einer Welt mit Kostendeckel, nach Punkten und wegen Honda, die jetzt schauen müssen, ob Checos Motor noch zu retten ist."


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