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Formel 1

Ferrari-Nachwuchs: Schumacher-Kollegen ohne Formel-1-Chance?

Die meisten Verträge für die Formel 1 2022 sind bereits fix. Viele Junioren könnten auf der Strecke bleiben. Vor allem Ferrari und Alpine sind betroffen.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Das Formel-1-Team von Alpine setzt langfristig auf Esteban Ocon und Ferrari hat mit Mick Schumacher und Antonio Giovinazzi bereits zwei Nachwuchspiloten in der Königsklasse positioniert. Bleibt die nächste Generation von Nachwuchspiloten auf der Strecke? Alpine-CEO Laurent Rossi, Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies und Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur nehmen Stellung.

Ferrari: Callum Ilott auf Ersatzbank

Die Ferrari Academy konnte in den letzten Jahren dem Red-Bull-Nachwuchsprogramm den Rang ablaufen und überzeugte mit zahlreichen Titeln und starken Meisterschaftsplatzierungen in den Nachwuchskategorien. Antonio Giovinazzi und die beiden Formel-2-Champions Charles Leclerc und Mick Schumacher, der immer noch Teil der Ferrrari Academy ist, sind die letzten drei Piloten, die es mithilfe des Nachwuchskaders der Scuderia in die Formel 1 geschafft haben.

Derzeit plagt die Jugendarbeit von Ferrari ein Luxusproblem. Bereits nach seinem Vize-Titel in der Formel 2 konnte man keinen Platz für Callum Ilott in der Königsklasse finden. Ein mögliches Cockpit bei Alfa Romeo kam nicht zustande. Stattdessen hielt das Team an Antonio Giovinazzi fest.

Beim Gorßen Preis von Portugal 2021 absolvierte Callum Ilott für Alfa Romeo das erste Training. - Foto: LAT Images

Ilott kommt in diesem Jahr bei Ferrari und Alfa Romeo als Reserve- und Testpilot zum Einsatz. Für die Schweizer Mannschaft bestritt er in Portugal das FP1, weitere Trainingseinsätze sollen folgen. "Wir werden ihn außerdem mit ein paar älteren Wagen auf die Strecke lassen und ihn anhand der Daten [mit den anderen Fahrern] vergleichen", kündigte Ferrari-Sportchef Laurent Mekies an.

Ende 2021 laufen die Verträge von Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi bei Alfa aus. Damit wäre für Ilott, falls etwa der Iceman seine Karriere beendet, ein Platz bei dem Ferrari-Kundenteam frei. Wie es mit Giovinazzi weitergeht, ist ebenso unklar. Im bisherigen Saisonverlauf konnte er Räikkönen zwar auf eine Runde regelmäßig besiegen, doch im Rennen hatte er bei fünf von acht GPs noch das Nachsehen gegen den Altmeister.

Robert Shwartzman: Titelkandidat in der Formel 2

Doch Ilott ist nicht der einzige Pilot, der auf ein Cockpit beim Ferrari-Kundenteam schielt. Der Russe Robert Shwartzman war 2020 als Rookie in der Formel 2 lange Zeit ein Titelkandidat. Auch in dieser Saison zählt er in der höchsten Nachwuchsmeisterschaft im Moment zu den Favoriten. Im Moment belegt er Rang 3. Mit Marcus Armstrong hat Ferrari neben Shwartzman noch einen weiteren Fahrer in der F2 geparkt. Doch trotz vielversprechender F3-Leistungen konnte der Neuseeländer in eineinhalb Jahren Formel 2 noch nicht überzeugen.

"Es ist ein gutes Problem, denn diese Fahrer könnten Potenzial haben", zeigte sich Mekies in Bezug auf die Shwartzman und Armstrong überzeugt. "aber wir haben die schwierige Aufgabe für sie auch Cockpits zu finden".

Theo Pourchaire: Was wird aus dem französischen Wunderkind?

Doch Alfa Romeo könnte 2021 ein Cockpit auch mit einem eigenen Nachwuchspiloten besetzen. Seit 2019 existiert die Sauber Academy und mit dem Franzosen Theo Pourchaire verfügt die Akademie erstmals über einen Fahrer, der realistische F1-Chancen hat. Beim F2-Hauptrennen in Monaco krönte sich Pourchaire im Alter von 17 Jahren zum jüngsten Formel-2-Sieger überhaupt. Zuvor verpasste er 2020 als Rookie den Formel-3-Titel nur knapp nachdem er 2019 die deutsche Formel-4-Meisterschaft für sich entschieden hatte.

Monaco-Sieger Theo Pourchaire: Als Sauber-Junior in die Formel 1? - Foto: LAT Images

Alfa-Teamchef Frederic Vasseur will aber aufgrund des jungen Alters von Pourchaire geduldig die Entwicklung des F2-Piloten abwarten: "Es ist noch zu früh an nächstes Jahr zu denken. Bisher hat er nur drei Rennwochenenden in der F2 bestritten", mahnte er Sauber-CEO.

Vasseur sagte: "Wir müssen uns ins Gedächtnis rufen, dass Theo erst 17 ist. Wenn wir das mit anderen Talenten in der Formel 1 vergleichen, wie Hamilton, Hulkenberg, Rosberg oder Charles, die waren alle viel älter und hatten mehr Erfahrung. Ich denke, es wäre ein Fehler in zu früh zu pushen. Er muss erst seinen Job in er Formel 2 erledigen, wir werden später Zeit haben das auszudiskutieren".

Alpine: Ocon-Vertrag verhindert Aufstiegschancen

Doch nicht nur bei Ferrari und seinem Kundenteam plagt die Nachwuchspiloten ein Luxusproblem. Alpine ist in einer ähnlichen Lage: Nach dem Engagement von Fernando Alonso und der Vertragsverlängerung von Esteban Ocon bis 2024 sind für nächstes Jahr alle Plätze fix besetzt. In Ermangelung eines Nachwuchs- oder Kundenteams haben die Nachwuchspiloten des britisch-französischen Teams kaum Aufstiegschancen in die Königsklasse.

Alpine-CEO Laurent Rossi erklärte die Lage der Nachwuchspiloten seines Teams folgendermaßen: "Unsere Fahreraufstellung ist sehr voll. Fernando hat einen Zwei-Jahres-Vertrag. Je nach seiner Leistung könnte es nachher Optionen geben. Wenn sie bei uns weitermachen wollen, gibt es in einem Team Möglichkeiten als Reservefahrer. Ansonsten gibt es Optionen in anderen Teams."

Mit Guanyu Zhou und dem Formel-3-Titelträger Oscar Piastri führen gleich zwei Alpine-Junioren nach neun von 21 Rennen die Formel-2-Meisterschaft an. Dazu kommt noch Christian Lundgaard, der in der letzten F2-Saison Siege feiern konnte. In diesem Jahr konnte der Däne allerdings - auch aufgrund einiger unglücklicher Situationen - noch nicht an diese Ergebnisse anknüpfen.


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