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Formel 1

Formel 1, Red Bull verpatzt Perez-Stopp: Österreich-Podium weg

Ausgerechnet die Boxenstopp-Meister von Red Bull verbauen Sergio Perez in Österreich den Weg aufs Podium. Zweistopp-Notstrategie geht nicht auf.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Großes Pech für Sergio Perez beim ersten von zwei Formel-1-Rennen in Österreich: Nach der Anfangsphase lag der Red-Bull-Pilot hinter Max Verstappen und Lewis Hamilton auf Kurs, um Platz drei und damit das dritte Podium in Serie einzufahren. Doch ausgerechnet die Boxenstopp-Meister von Red Bull Racing nahmen ihm die Chance.

Denn als Perez in Runde 26 zum Stopp kam, klemmte es links hinten beim Reifenwechsel. Eine Standzeit von 4,85 Sekunden war bei weitem der schlechteste reguläre Boxenstopp im ganzen Rennen - und öffnete die Tür für Valtteri Bottas, der Perez im ersten Stint mit zwei Sekunden Abstand gefolgt war. Bottas stoppte in 2,64 Sekunden, und übernahm so den dritten Platz. Perez' Versuch, den Mercedes mit einer geänderten Strategie noch abzufangen, schlug fehl.

Red Bull patzt bei kritischem Perez-Stopp: Hätte Podium sein sollen

"Er hätte die Position auf der Strecke locker halten sollen", ärgert sich Red Bulls Teamchef Christian Horner über den verpatzten Boxenstopp. "Trotz einer Wahnsinns-Outlap hat er dann die Position verloren."

"Ich glaube, es ging einfach nicht sauber drauf", vermutet Horner. "Passiert eben." Eine echte Seltenheit bei Red Bull, deren Stopps die schnellsten und konstantesten im ganzen Feld sind. Die beiden danach noch folgenden Stopps absolvierten sie in 2,09 (schnellster) und 2,28 (sechstschnellster). Perez sieht es ihnen nach: "Die Jungs waren das ganze Jahr unglaublich, mit den besten Stopps, nur heute war es ein teurer Fehler. Aber wir sind ein Team, wir kommen stärker zurück."

Perez-Strategien gehen in Österreich nicht auf

Aber obwohl er ohne den verkorksten Stopp wohl auf dem Podium gestanden wäre, lief Perez' Rennen von Anfang an nicht gut. Von Platz vier gestartet, kam er hin zu Kurve drei schon am vor ihm qualifizierten McLaren von Lando Norris vorbei, musste dann aber am Kurvenausgang verzögern, um Lewis Hamilton nicht ins Heck zu fahren. Norris nutzte das Stocken, und schnappte sich den Platz hin zu Kurve vier wieder.

Startphase: Verstappen und Hamilton enteilen dem Trio Norris-Perez-Bottas - Foto: LAT Images

Dann steckte Perez zehn Runden hinter einem resilienten McLaren fest. Mit einem Problem: Der Start auf den Soft-Reifen, den Perez am Samstag noch als bessere Strategie auserwählt hatte, stellte sich als falsche Entscheidung heraus: "Wir dachten, der Soft wäre ein viel besserer Reifen. Das hat uns viel Zeit gekostet, als ich hinter Lando gesteckt bin."

Christian Horner glaubt: "Sonst wäre er in der Spitzengruppe mitgefahren." Nachdem er sich von Norris endlich befreit hatte, hatten Perez' Soft nicht mehr viel übrig. Zum Spitzenduo Verstappen und Hamilton konnte er nicht mehr aufschließen.

Perez scheitert mit zweitem Stopp an Bottas: Eine Runde noch

Nach dem Boxenstopp verbrachte Perez dann die nächsten Runden hinter Bottas, konnte aber keine nennenswerten Attacken reiten. Also entschloss sich Red Bull, Max Verstappens Sieg-Strategie von Frankreich wieder auszupacken: In Runde 54 holten sie Perez zum zweiten Stopp. Bottas blieb auf einer Einstopp mit alten Reifen draußen.

Aber 17 kurze Red-Bull-Ring-Runden waren nur wenig Zeit für Perez, um Bottas wieder einzuholen und den Reifenvorteil in ein spätes Überholmanöver umzumünzen. "Wir dachten, da seien viele Überrundete, so könnte ich die Lücke schnell zufahren", erklärt Perez den Gedankengang. "Hat leider nicht so gut funktioniert wie erhofft." Bottas musste sich zwar durch eine große Mittelfeld-Kampfgruppe durcharbeiten, aber das galt auch für Perez. Unter dem Strich rettete der Mercedes P3 mit 0,527 Sekunden Vorsprung auf den Red Bull über die Linie.

"Es war richtig, es zu versuchen", ist sich Perez trotzdem sicher. Ohne Reifenvorteil schien es unmöglich, an Bottas vorbeizukommen. Und Christian Horner ist mit der Leistung seines zweiten Fahrers auch so zufrieden. Die Pace war schließlich im Rennen da: "Eine Runde noch oder so, und er hätte P3 geholt." Perez' dritter Platz in der WM bleibt, hier hat er 22 Punkte Vorsprung auf Bottas.


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