781, so viele Formel-1-Fahrer gab es seit dem ersten Grand Prix im Jahr 1950. 518 davon konnten sich auch WM-Punkte holen. Zu diesem Club gehört seit dem Großen Preis von Österreich auch Gabriel Bortoleto, der mit einem achten Platz das erste Mal in seiner noch jungen Karriere in die Punkteränge fuhr. Es war der krönende Abschluss für sein hervorragendes Spielberg-Wochenende.

"Wir haben alles getan, was wir konnten", sagte der Sauber-Junior nach dem Rennen mit einem Lächeln und lobte sein Team für die gut exekutierte Zwei-Stopp-Strategie. Ganz zufrieden kann Bortoleto aber nicht sein, denn ihm ist der siebte Platz nur haarscharf durch die Finger geglitten. Ausgerechnet sein Manager und Mentor, Fernando Alonso, verwehrte ihm P7 und damit zusätzliche zwei Zähler.

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Der Aston-Martin-Pilot qualifizierte sich am Samstag zwar hinter seinem Schützling, absolvierte aber nur einen Reifenwechsel. Damit war der Spanier in der Schlussphase des Österreich Grand Prix vor Bortoleto. Eine Runde vor Rennende kam es zum Schlagabtausch zwischen Mentor und Schüler.

In Anfahrt zu Kurve 3 ging Bortoleto am Aston Martin innen vorbei, doch so einfach sollte es nicht sein. Schließlich ist Alonso der erfahrenste Formel-1-Pilot auf der Strecke und bekannt für seine Defensive. Die Außenlinie ermöglichte ihm einen besseren Kurvenausgang und er setzte sich wieder vor den C45. Auf der darauffolgenden Geraden hatte der 32-fache GP-Sieger auch noch DRS. Der Feststellungspunkt dafür befindet sich nämlich vor der dritten Kurve. Genau dort, wo Alonso den Rookie vorbeiließ.

"Ich habe mich gefühlt wie ein kleiner Junge auf der Jagd nach seinen ersten Punkten und der Typ [Alonso] hat ganz entspannt verteidigt. Er hat genau gewusst, was er macht. Seine Reifen waren schlechter und trotzdem hat er mich hinter sich gehalten. Er hatte das Rennen unter Kontrolle", rühmte der 20-Jährige die Fahrleistung seines Managers.

Lando Norris als Hindernis in Alonso-Bortoleto-Duell

Bortoleto setzte noch mehrmals zum Überholmanöver an, doch der Routinier platzierte seinen AMR25 immer in der idealen Position, um seinen Verfolger auszubremsen. Und dann kam auch noch Lando Norris. Der Renn-Anführer befand sich selbst in einem Zweikampf mit Oscar Piastri und brauchte Bortoleto, um Abstand zu seinem Teamkollegen zu gewinnen.

Die Überrundung war unumgänglich, obwohl Sauber-Teamchef Jonathan Wheatley alle Register zog. "Ich habe Zak [Brown] geschrieben und gesagt: Bitte überrundet uns nicht! Aber das haben sie getan. Das wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen gewesen, dann wäre das Resultat vielleicht anders", betrauerte der ehemalige Red-Bull-Sportchef.

Brenzlich wurde es für Alonso, als er den McLaren ziehen ließ. Bortoleto klebte sofort am Heck des Spaniers, der zweifache Weltmeister musste Gas geben, um ihn hinter sich zu halten. Dabei überholte er sogar fast Norris. "Ich wollte nicht an Lando vorbeigehen, aber ich konnte auch nicht hinten bleiben, sonst hätte mich Gabriel überholt. Ich habe verschiedene Manöver probiert, um Gabi zu verwirren", erklärte Alonso seine Vorgehensweise.

Die Taktik war erfolgreich, Bortoleto fuhr eine halbe Sekunde hinter dem Spanier ins Ziel. Alonso gratulierte seinem Schützling, noch bevor der aus seinem Boliden ausstieg. "Das war der intensivste Zweikampf, den ich in meiner Formel-1-Karriere hatte. Es war verrückt, ein tolles Duell. Hart, aber ich hatte Spaß", erzählte der Rookie. "Zum Glück sind wir nicht gecrasht, dann wäre ich nicht nach Hause gekommen", fügte Bortoleto lachend hinzu, der öfter zusammen mit seinem Manager zu Rennen anreist.

Bortoleto: Punkte sind der Anfang, nicht das Ziel

Gabriel Bortoleto und sein Manager Fernando Alonso nach dem Formel-3-Rennen in Bahrain.
Fernando Alonso stand bereits vor der Formel 3 an Bortoletos Seite, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Auch der Routinier fand lobende Worte für seinen Schüler: "Gabriel hat schon das ganze Jahr über Großes geleistet. Dieses Wochenende war unglaublich. [Nico] Hülkenberg hat bisher an Sonntagen gepunktet und Gabriel fand das wahrscheinlich oft nicht fair. Deshalb ist es gut, dass er jetzt gepunktet hat", mutmaßte der Aston-Martin-Pilot.

Die ersten WM-Punkte seien immer etwas Besonderes für einen Formel-1-Fahrer, betont Alonso. Sein erstes Punkteergebnis ist schon etwas länger her: Er fuhr beim Großen Preis von Australien im Jahr 2003 auf den siebten Platz. Für Bortoleto sind sie nur der Anfang von dem, was er erreichen will: "Für das Team ist es super, sie verdienen dieses Ergebnis. Aber ich gebe mich nicht mit ein paar Punkten zufrieden. Ich bin hier, um zu gewinnen. Ich möchte um Weltmeisterschaften kämpfen."

Wie fandet ihr das Formel-1-Rennen in Österreich? Wer war der beste Fahrer? Und noch viel wichtiger: Wer war der schlechteste? Unsere Redakteure Florian, Christian und Markus haben im Fahrer-Ranking ihren Senf dazu abgegeben.