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Formel 1

Yuki Tsunoda der japanische Verstappen? Rookie setzt auf Sieg

Formel-1-Rookie Yuki Tsunoda debütiert 2021 mit AlphaTauri. Der Japaner hat ein Ziel: Geschichte schreiben wie Max Verstappen. Red Bull & Honda pushen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mit AlphaTauris Formel-1-Rookie Yuki Tsunoda geht 2021 erstmals seit sieben Jahren wieder ein Japaner in der Königsklasse an den Start. Honda nutzte damit die letzte Chance, einen Fahrer aus dem Honda Formula Dream Project in die F1 zu bringen. Red Bull macht mit diesem Youngster wie einst bei Max Verstappen Nägel mit Köpfen. Tsunoda steigt nach nur einer Saison Formel 2 auf. An der Seite von Grand-Prix-Sieger Pierre Gasly trauen ihm seine Förderer Großes zu. Die Ambitionen des 20-Jährigen stehen dieser Erwartungshaltung in nichts nach.

"Ich will die anderen Fahrer schlagen und der erste japanische Pilot sein, der ein Rennen in der Formel 1 gewinnt", kündigt Tsunoda im Rahmen der Präsentation des AlphaTauri AT02 vollmundig an. Damit träumt er von einem Meilenstein, wie ihn Max Verstappen einst erreichte. Mit seinem Triumph im ersten Rennen für Red Bull machte er sich 2016 in Barcelona nicht nur zum jüngsten GP-Sieger der Geschichte. Er war auch der erste Niederländer, der für sein Land einen Grand Prix gewann.

Eine Parallele mit Red Bulls Supertalent gibt es bereits. Wie Verstappen vor sechs Jahren, wird Tsunoda in seiner Debütsaison der jüngste Fahrer im Feld sein. "Ich mache mir nicht viel aus dem Alter. Max Verstappen war 17, als er angefangen hat. Aber ich empfinde es als eine Ehre, der erste Fahrer im Grid zu sein, der im Jahr 2000 geboren wurde," sagt die Nachwuchshoffnung aus Fernost.

Red Bull glaubt an Senkrechtstarter Tsunoda

Red Bull ist vom Talent seines Schützlings auch ohne viel Anlauf in den Nachwuchsserien vollends überzeugt. "In seinen Rennen in der Formel 2 letztes Jahr, hat er einen fantastischen Job gemacht. Er hat Rennen gewonnen und einige beeindruckende Überholmanöver gezeigt", so AlphaTauri-Teamchef Franz Tost.

Tsunoda fuhr in seiner ersten Saison im Unterhaus der Königsklasse drei Siege ein und beendete die Meisterschaft auf Platz drei hinter den deutlich erfahreneren Ferrari-Junioren Mick Schumacher und Callum Ilott. Bei seinen Tests mit AlphaTauri in Imola und Abu Dhabi überzeugte er Tost: "Yuki hat ein paar Tests mit unserem F1-Auto absolviert. Ich bin überzeugt, dass er mit seinem natürlichen Speed und seinem Talent einen erfolgreichen Start in seine F1-Karriere haben wird.

Yuki Tsunoda in den Fußstapfen von Japans Motorsport-Ikone Takuma Sato

"Du musst nicht nur Resultate liefern, du brauchst auch etwas Glück, und das kannst du nicht immer kontrollieren. Ich wusste immer, dass ich zu jeder Zeit alles geben muss. Es lag in meiner Hand, meine Chefs zu beeindrucken, die mir diesen Traum verwirklichen können", so Tsunoda über seinen rasanten Weg in die Formel 1, der 2016 in Honda's Suzuka Circuit Racing School begann.

Dort trat er in die Fußstapfen der japanischen Motorsport-Ikone Takuma Sato, die sich 1999 ebenfalls bei einer Sichtung der Rennfahrerschule von Suzuka die Förderung von Honda verdiente. Der zweifache Indy-500-Sieger inspirierte Tsunoda außerdem bei seiner Wahl der Startnummer 22, mit der dieser 2006 und 2007 für Super Aguri in der F1 fuhr.

"Im Kartsport hatte ich immer die Nummer elf, aber die hat Sergio Perez in der F1 schon. Also habe ich einfach verdoppelt und es wurde die 22. Die gefällt mir auch, denn Jenson Button, den ich sehr respektiere, wurde 2009 damit Formel-1-Weltmeister. Und es ist auch eine Startnummer, die Takuma Sato gefahren ist", erklärt Tsunoda.

Yuki Tsunoda als Hondas letzte Chance und Japans große Hoffnung

Für die Motorsportnation Japan ist sein Debüt ein wichtiger Meilenstein, der im allerletzten Moment erreicht wird. Honda zieht sich Ende 2021 als Motorenlieferant aus der Formel 1 zurück und überlässt seine Technologien Red Bull. Mit Tsunoda hat es der Automobilkonzern geschafft, gerade noch rechtzeitig einen Fahrer aus dem eigenen Förderprogramm ans Ziel zu bringen.

"Wir sind sehr froh, dass ein seit langer Zeit von Honda unterstützter Fahrer sein Debüt mit AlphaTauri gibt", so Honda-Motorsportchef Toyoharu Tanabe. Sein Schützling wird der erste japanische F1-Fahrer seit Kamui Kobayashi sein, welcher 2009 mit der Hilfe von Rivale Toyota seinen Weg in die Königsklasse bestritt. "Er wird viel im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, besonders in Japan. Das kann extra Druck bedeuten, aber ich hoffe, er wird auch in der F1 weiter angreifen."

Tsunoda hat vor dem Ausstieg seiner Förderer nur eine Chance, diese stolz zu machen. "Honda hat mich seit der Formel 4 unterstützt und in meiner Karriere eine unglaublich wichtige Rolle gespielt. Ich werde versuchen, meine Dankbarkeit durch mein Fahren zu zeigen, und dadurch, in dieser Saison die bestmöglichen Resultate einzufahren", kündigt er an.

AlphaTauri-Cockpit nicht nur wegen Honda-Deal

Ob sein Heimspiel in Suzuka stattfinden wird, ist angesichts der Coronavirus-Situation fraglich. Bisher steht der Termin für den Großen Preis von Japan 2021 am 10. Oktober. "Ich freue mich besonders auf Suzuka und dort vor den japanischen Fans zu fahren. Das letzte Mal, dass ich dort gefahren bin, war in der Formel 4. Es wird also sehr anders sein. Ich freue mich über die Chance, mein Land in der F1 repräsentieren zu können", sagt Tsunoda.

Zuweilen wird vermutet, dass der Japaner nur wegen seiner Verbindungen zu Honda den F1-Einstieg im Schnellverfahren vollzieht. Der Tausch gegen den 2020 zuweilen enttäuschenden Kvyat ist für Tost allerdings ein logischer Schritt: "Die Scuderia AlphaTauri verfolgt immer noch die Philosophie, jungen talentierten Fahrern aus dem Red-Bull-Juniorprogramm die Möglichkeit zu geben, in die Formel 1 aufzusteigen und sie auszubilden. Deshalb bekommt Yuki jetzt seine Chance."


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