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Formel 1

Formel 1 in Miami: Stefano Domenicali gräbt altes Projekt aus

Der neue Formel-1-Chef Stefano Domenicali hat ein nicht realisiertes Projekt seines Vorgängers Chase Carey auf der Agenda, das in Vergessenheit geraten ist.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Um das einst geplante Formel-1-Rennen in Miami ist es zuletzt ruhig geworden. Ursprünglich wurde angepeilt, erstmals 2019 einen Grand Prix auf den Straßen der Metropole auszutragen. Daraus wurde nichts. Nach zwischenzeitlichen Protesten der Anlieger gab die Politik zwar grünes Licht. Doch bislang hat es der geplante Stadtkurs rund um das Hard Rock Stadium nicht in die Formel 1 geschafft. Stattdessen beinhaltet der auf 23 Events ausgedehnte Kalender 2021 erstmals ein Rennen in Saudi-Arabien. Der neue Formel-1-CEO Stefano Domenicali unterstrich in einer Medienrunde am Donnerstag, dass ein Rennen in Florida weiterhin auf der Agenda stehe.

"Es finden weiterhin Gespräche statt", sagte der Italiener. "Beide Seiten sind daran interessiert. Unser Plan für die Zukunft ist, mehr als ein Rennen in den USA zu veranstalten. Das Rennen in Austin war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Teil unseres Kalenders. Das wird es auch in der Zukunft sein. Wir arbeiten an einem neuen Vertrag." Als die Formel 1 im vergangenen Herbst die Saison 2021 plante, spielte das Miami-Projekt zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle mehr.

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Liberty Media verfolgt seit dem Kauf der Formel 1 im Jahr 2017 den Plan, die Präsenz auf dem heimischen Markt auszubauen. Unter der Leitung von Chase Carey ist dies aber nicht gelungen. Anfang Januar wurde Carey von Domenicali beerbt. Auch unter der nicht mehr amerikanischen Führung spielt die US-Präsenz eine Rolle. Dabei muss es laut dem 55-Jährigen nicht darauf hinauslaufen, in Miami ein Rennen auszutragen.

"Es gibt auch in anderen Bereichen der USA die Möglichkeit dazu. Aber keine ist bislang auf dem Level von Miami", erklärte Domenicali. Dort waren die Pläne zwischenzeitlich bereits weit vorangeschritten: Weil sich im ursprünglich angepeilten Bereich in Downtown Miami keine Strecke realisieren ließ, planten die Veranstalter einen weiter nördlich gelegenen Kurs. Für den gibt es bereits eine Streckenführung inklusive 3D-Modellen für Tribünen und Gebäuden. Es wurde sogar ein Vorvertrag mit der Formel 1 geschlossen.

Das ist der geplante Streckenverlauf für die Strecke in Miami - Foto: F1 Miami Grand Prix

Einst sagte Bernie Ecclestone: "Amerika bringt uns nur Ärger. Wir haben dort nie Sponsoren bekommen und selbst in Malta haben wir mehr TV-Zuschauer als dort." Dieses Problem wurde dem Rennen in Indianapolis zum Verhängnis. Auf einem Kurs, der Teile des berühmten Ovals beinhaltete, wurde zwischen 2000 und 2007 der USA GP ausgetragen wurde. Domenicali sieht in der fehlenden Präsenz der Königsklasse des Motorsports auch heute noch eine Schwierigkeit. Allerdings hat er auch eine Lösung. "Die Formel 1 muss ein dauerhaftes Thema sein, nicht nur in der Woche vor dem Rennen. Dazu brauchen wir eine Kommunikationsstrategie."

Für Domenicali wird es eine gewaltige Aufgabe sein, den Kalender für die Zukunft zu stricken. Der aktuelle Kalender umfasst bereits 23 Grands Prix. Mehr dürfen es laut dem aktuellen Reglement nicht sein. Miami ist nicht der einzige Kandidat für einen Formel-1-Slot. "Auch Länder in Nord- und Südafrika haben Interesse gezeigt. Dann gibt es noch Strecken in Europa, die wieder berücksichtigt werden wollen. Wir müssen entscheiden, was die richtige Anzahl von Rennen ist und welche Gegenden für Teams, Sponsoren und Medien die wichtigsten sind", sagte er.

Zudem betonte der ehemalige Ferrari-Teamchef, dass auch das Rennen in Vietnam, das in diesem Jahr ebenfalls unberücksichtigt blieb, für die Zukunft weiterhin ein Thema sei: "Es ist immer noch eine Option. Es war eine große Investition. Deswegen ist es Teil der Diskussionen für ein zukünftiges Event."

Weniger Rennen sind das Ziel

Ob ein Rennen in Miami unter diesen Voraussetzungen einen zusätzlichen Platz im Kalender erhalten könne oder ob es sich mit einem anderen Austragungsort abwechseln müsse, müsse in den kommenden Monaten besprochen werden.

Der Formel-1-Boss unterstrich ein weiteres Mal, dass auch eine Verschlankung des Kalenders langfristig geplant sei. "23 Rennen ist das oberste Ende, was wir machen wollen. Wenn wir es schaffen, unseren Wert zu steigern, können wir mit weniger Rennen dasselbe Geschäft machen. Das ist das Ziel, aber es wird nicht in naher Zukunft erreicht."