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Formel 1

Neuer Formel-1-Boss: In Zukunft wieder weniger Rennen?

Wie sieht die Formel-1-Saison 2021 im zweiten Corona-Jahr aus? Kalender mit 23 Rennen zu halten? F1-Boss Stefano Domenicali nimmt Stellung - und überrascht.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 plant weiterhin fest mit 23 Rennen im Kalender der F1-Saison 2021. Vor gut einer Woche veröffentlichte die Königsklasse einen angepassten Entwurf. Durch Restriktionen wegen der Corona-Pandemie präsentierte die Formel 1 einen Kalender mit einem neuen Saisonstart am 28. März in Bahrain.

Das eigentliche Auftaktrennen in Australien kann und soll erst zu einem späteren Termin im November steigen. Noch dazu ersetzt Imola den China GP als nun zweiten Saisonlauf. Vietnam findet nicht statt, soll aber ersetzt werden, wohl durch Portugal. Hinzu kamen kleinere Verschiebungen von Terminen. Wichtigste Botschaft jedoch: weiterhin 23 Grands Prix.

Formel-1-Kalender 2021: Nach Update alles auf Kurs

In direkter Folge machten über die vergangenen Tage hinweg zahlreiche Gerüchte die Runde. Vor allem Stadtrennen wie Monaco, Baku und Montreal würden wackeln, hieß es da. Etwaige Anwärter als Ersatz gingen umher, etwa Nürburg- oder Hockenheimring. Die Formel 1 dementierte. Alles auf Kurs, derzeit keine Notfallpläne.

Nun äußerte sich der neue Formel-1-CEO Stefano Domenicali in seinen ersten Interviews an der Spitze des Sports zu der Thematik. Der Italiener beerbte mit Jahreswechsel den vorherigen F1-Boss Chase Carey und legte in ausführlichen Gesprächen mit den italienischen und englischen Ausgaben von Sky Sports seine Sicht der Dinge dar. Vor allem zum aktuellen Kalender, aber auch zur mittelfristigen Planung und zu seinem Blick auf die Zukunft der Formel 1 insgesamt.

Stefano Domenicali: Formel-1-Kalender auf Kurs

Aktuell ruht das Augenmerk wenig überraschend vor allem darauf, die Saison 2021 wie geplant über die Bühne zu bringen. Entgegen der anhaltenden Spekulationen bestätigte Domenicali zunächst, alle derzeit geplanten Events seien auf Kurs. „Ich spreche täglich persönlich mit allen Veranstaltern“, sagte Domenicali bei Sky Sports UK. „Wir wissen, dass die Pandemie noch da ist, deshalb haben wir im Kalender auch den Platz Australiens geändert.“

Neuer Rennkalender: Formel 1-Saisonstart 2021 verschoben: (12:18 Min.)

Über die jüngsten Anpassungen hinaus würden sich derzeit jedoch keine Änderungen mehr abzeichnen. Domenicali: „Nach den Informationen, die wir haben, wollen alle so an dem Plan festhalten.“ Dass die Formel 1 noch an Ersatzrennen und Notfallplänen arbeiten werde, negierte der ehemalige Ferrari-Teamchef nicht. Im Gegenteil. „Natürlich müssen wir flexibel genug sein, um zu verstehen, dass wir in der ersten Saisonhälfte vielleicht ein paar Events ohne Zuschauer oder mit begrenzten Zuschauerzahlen haben werden.“

Kalender 2021: Formel 1 muss wegen Corona flexibel bleiben

Allen Unterstützern und Fans könne er in jedem Fall versichern, sicherzustellen, dass die Saison steige. „Wir haben da eine Verpflichtung“, sagte Domenicali. „Und wir haben mögliche Alternativen in der Tasche. Aber bislang hat uns keine andere abweichende Informationen zu dem gegeben, was wir bereits geteilt haben“, ergänzte der Italiener zum jüngsten Update. „Das wissen wir heute. Wir wissen aber auch, wie die Pandemie sich entwickelt hat. Deshalb müssen wir bereit für eine flexible Herangehensweise an die Saison sein.“

Deshalb und wegen des bisherigen Feedbacks der Organisatoren sei er 'optimistisch, was den Kalender mit 23 Rennen angeht’, so der 55-Jährige bei Sky Sport 24 aus Italien. „Das ist eine Priorität“, sagte Domenicali. „Die Priorität ist, die Meisterschaft zu starten. Dann ist es die wichtigste Angelegenheit, sie zu beenden - da wir diese Instabilität haben“, ergänzte Domenicali. Seine Zuversicht begründete der Italiener auch mit einem Vergleich zu 2020. „Vergangenes Jahr hatten wir 17 Rennen und keiner dachte, wir könnten das umsetzten. Deshalb herrscht ein vorsichtiger Optimismus für diesen Kalender mit 23 Rennen“, sagte Domenicali.

Formel-1-Kalender: In Zukunft wieder weniger Rennen?

Gelingt es der Formel 1 tatsächlich, ihren Plan in die Tat umzusetzen, wäre mit einem Jahr Verspätung doch noch ein neuer Kalender-Rekord geschafft. 23 Rennen in einer Saison hatte es nie zuvor gegeben. Mittelfristig plant die F1 noch mehr. Zuletzt war von Seiten des kommerziellen Rechteinhabers immer wieder die Rede von bis zu 25 Events. Domenicali schlägt nun zumindest im Ansatz andere Töne an.

„23 Rennen sind ohne Zweifel eine sehr wichtige Zahl von Rennen. In Sachen Quantität, in Sachen Aufmerksamkeit, in Sachen Hingabe der Leute“, sagte Domenicali im Interview mit Sky Sports F1. „Es kann in der Hinsicht zwei Positionen geben. Man kann sagen, es sind zu viele, andere sagen, das sei kein Problem.“

Formel 1 denkt weiter an Rotationsprinzip

Für Domenicali könne sich diese Gleichung womöglich von selbst lösen. „Wenn wir in der Lage sind, ein unglaubliches Produkt zu liefern, dann könnten wir in eine Situation gelangen, in der wir vielleicht zu einer geringeren Anzahl von Rennen zurückgehen können und dann vielleicht die Möglichkeit für eine Rotation gewisser Grands Prix bestehen wird“, schilderte der neue Formel-1-Boss.

Diese Idee stellte Ende vergangenen Jahres bereits sein damals scheidender Vorgänger Carey in den Raum. Domenicali hält nun an diesen Gedanken fest. Darüber werde man allerdings erst im Lauf des Jahres nachdenken. „Um uns dafür bereit zu machen, wenn die Welt wieder normal ist.“

Domenicali: Formel-1-Fahrer müssen im Fokus stehen

Das bezieht Domenicali nicht nur auf den Kalender, sondern auch andere Gebiete, welche die Attraktivität der kommenden Ära der Formel 1 und die öffentliche Wahrnehmung des Sports steigern sollen. So ein starker Fokus auf Diversität weiter eine klare Priorität, noch dazu will Domenicali die wichtigsten Aushängeschilder des Sports ganz klar in den Fokus rücken - die Fahrer, aber auch mit Emotionen aufgeladene Hersteller.

So sei die Rückkehr des Namen Aston Martin bereits eine tolle Neuigkeit, genauso Mercedes‘ Commitment und die erhoffte Rückkehr seines ehemaligen Teams Ferrari in den Kampf an der Spitze. Wichtiger noch seien allerdings die Fahrer. „Sie werden im Zentrum der Formel-1-Zukunft stehen. Sie stellen die wahre Seele unseres Sports dar. Ihre Gesichter, ihre Fähigkeiten. Ich würde sie nicht nur als Fahrer sehen, sondern als Botschafter unseres Sports. Das wird in Zukunft entscheidend sein“, sagte Domenicali.

Der derzeitige Grid liefert für den Italiener dafür genau die richtige Mischung. Domenicali: „Im vergangenen Jahrzehnt hatten wir nicht so viele gute Fahrer wie jetzt. Wir haben unglaublich junge Fahrer, Lewis kann einen unglaublichen Rekord erreichen, auch für die anderen - die Challenge ist also groß!"