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Formel 1, Lance Stroll trauert Sieg nach: Das war mein Rennen

Lance Stroll wurde in Monza sensationell Dritter. Freude über Podium, Frust wegen Start. Großchance durch Hamilton-Strafe gegen Gasly und Sainz vergeben.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lance Stroll fuhr am Sonntag im spektakulären Grand Prix von Italien 2020 zum zweiten Mal in seiner Formel-1-Karriere auf das Podest. Die Freude über den dritten Platz hinter Sieger Pierre Gasly und Carlos Sainz war groß und dennoch etwas getrübt. Der Kanadier hatte nach der roten Flagge in Folge von Charles Leclercs Unfall in Monza das große Los gezogen, vergab seine Chance auf den Sieg jedoch beim Restart.

"Es ist schon ein Reinfall. Ich denke, das war mein Rennen, nachdem ich als Zweiter gestartet bin. Aber ich hatte einfach keinen Grip am Start. Ich hatte so viel Wheelspin und alle sind an mir vorbeigeflogen", so Stroll über die Szene, die sein Rennen schon in der 28. Runde entschied. Beim stehenden Neustart des Rennens fuhr er durch einen strategischen Glücksgriff als Zweiter hinter Lewis Hamilton los. Chaotische Zustände machten es möglich.

Als Kevin Magnussen mit einem Defekt ausfiel, fingen sich der Weltmeister und Antonio Giovinazzi eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe ein, weil sie trotz geschlossener Boxengasse zum Reifenwechsel kamen. Als die Pitlane noch während der Neutralisierung wieder geöffnet wurde, zog der Rest des Feldes nach - bis auf Stroll. Der 22-Jährige war auf dem Soft-Reifen von der achten Startposition gestartet und hielt diese bis zur Gelbphase.

Wäre das Rennen nach dem ersten Restart in Runde 24 normal weitergelaufen, hätte Stroll bei seinem Boxenstopp später massiv an Boden verloren, da er ihn bei Rennspeed hätte absitzen müssen. Der Unfall von Leclerc wendete das Blatt jedoch zu seinen Gunsten. Stroll lag auf P2, als der Grand Prix für die Reparaturarbeiten an den Reifenstapeln unterbrochen wurde.

Norris meckert über Reglement: Stroll unverdient vorne

Im Reglement ist ein Reifenwechsel während der roten Flagge gestattet und Racing Point nutzte den Freifahrtschein, um Stroll von Soft auf Medium umzusatteln. Dies bescherte ihm für den zweiten Restart den Startplatz gleich hinter Leader Hamilton. "Zu Beginn standen wir mit dem Rücken zur Wand, aber Glück und Timing ist Teil des Spiels. Auf dem Soft-Reifen draußen zu bleiben gab uns die Chance, unter roter Flagge einen neuen Satz aufzuziehen und ein paar Positionen gutzumachen", sagt er.

Bei der direkten Konkurrenz kam dieser Glücksgriff nicht gut an. "Stroll hat von einem kostenlosen Boxenstopp profitiert. Das ist eine dumme Regel, sie haben das nicht verdient. Als Team haben wir heute den besten Job gemacht", klagt Lando Norris, der zusammen mit Teamkollege Carlos Sainz das Geschehen hinter Hamilton in der ersten Phase des Rennens klar im Griff hatte. Nach der Unterbrechung lag das McLaren-Duo mit den Positionen sechs und sieben weit hinter Stroll.

Zum Zeitpunkt des zweiten Restarts war sich Stroll angesichts der über Hamilton schwebenden Strafe längst darüber im Klaren, dass er an diesem Tag Großes erreichen kann. "Es war eine unglaubliche Chance, das Rennen als Zweiter zu starten und zu wissen, dass Lewis eine 10-Sekunden-Strafe hatte. Und ich wusste da noch nicht einmal, dass es eine Stop-and-Go-Strafe ist. Das war unerwartet und brachte viel Spannung in das Rennen", sagt er.

Für ihn war die Spannung offenbar ein wenig zu hoch, denn als die Ampeln an diesem Sonntag das zweite Mal erloschen, wurde er sofort von Gasly, Räikkönen und Giovinazzi aufgeschnupft. Kurz darauf machte auch Sainz auf seinem Weg an die Spitze mit ihm kurzen Prozess. Danach stabilisierte sich sein Rhythmus. Giovinazzi bog für seine Strafe in die Box ab, Räikkönen war im unterlegenen Alfa Romeo für Stroll kein Problem.

Lance Stroll feierte in Monza das zweite Podest seiner Formel-1-Laufbahn - Foto: LAT Images

Stroll versöhnlich: Geiles Rennen, Freude für Gasly

"Wir haben dort draußen hart gekämpft und deshalb freue ich mich, Dritter zu sein. Den Sieg haben wir heute verpasst, aber Platz drei ist toll", gibt sich Stroll versöhnlich. Darüber hinaus konnte auch er nicht anders, als sich für den Rennsieger zu freuen: "Ich freue mich sehr für Pierre. Er hat es wirklich verdient, denn er hatte einen tollen Start und war das ganze Rennen über konstant."

Unter dem Strich war das erste Podest von Racing Point in dieser Saison trotz der vergebenen Großchance ein wichtiger Erfolg, nachdem das Team schon bei der Präsentation große Töne spuckte und Edelmetall dank des brandneuen RP20 in Aussicht stellte. "Wir haben heute alles gegeben und ich freue mich einfach nur für mein Team, dass wir dieses Ergebnis geholt haben. Es war ein geiles Rennen und ich bin froh, zurück auf dem Podest zu sein", so Stroll.


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