Formel 1

Formel 1, Roy Nissany nach Test selbstbewusst: Habe die Pace

Roy Nissany ist von seinem F1-Einstand mit Williams in Abu Dhabi begeistert. Der Sohn von Ex-Minardi-Tester Chanoch Nissany träumt von der großen Karriere.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Williams ließ beim letzten Formel-1-Test der Saison 2019 mit Roy Nissany erneut einen Youngster im Cockpit des FW42 Platz nehmen. Der Israeli trat in Abu Dhabi in die Fußstapfen seines Vaters Chanoch Nissany, der vor über zehn Jahren ein kurzes Intermezzo mit der Königsklasse hatte. Der Newcomer zeigte sich nach den beiden Testtagen zufrieden. Er hofft auf eine längere Karriere als die seines Vaters.

Sein Einstand kam aber zumindest genauso überraschend wie der seines Vaters zustande, der 2005 für Minardi am 1. Freien Training für den Ungarn GP teilnahm. Bis wenige Tage vor dem Finale in Abu Dhabi war von der Verbindung zwischen Roy Nissany und Williams offiziell noch nichts bekannt. "Die Möglichkeit eröffnete sich Anfang des Jahres, nachdem ich eine Verletzung hatte, durch die ich 2019 nicht in der Formel 2 starten konnte", erklärt er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com.

Im Zuge der Bekanntgabe von Nicholas Latifi als Stammfahrer für 2020, wurde auch Roy Nissany von Williams für die Testfahrten auf dem Yas Marina Circuit bestätigt. "Mein Management hat für uns die richtige Unterstützung und den Kontakt zu Williams hergestellt, die mir diese großartige Chance gegeben haben", sagt der 25-Jährige, der vor fünf Jahren in Valencia mit einem Sauber des Jahrgangs 2012 schon einmal F1-Luft geschnuppert hatte.

Roy Nissany trotz großem Rückstand zufrieden

Sein Einsatz für Williams war für ihn dennoch die erste offizielle Ausfahrt in einem Formel-1-Auto. Insgesamt absolvierte Nissany 79 Runden, wobei er am Ende des Tages jeweils mit großem Rückstand den letzten Platz belegte. Sein Gefühl war allerdings deutlich besser, als der Blick auf den Zeitenmonitor vermuten lässt.

"Ich habe gestern vier oder fünf Runden gebraucht, um das Vertrauen zu finden und zu pushen und die richtigen Bremspunkte zu finden und den richtigen Speed für die Vollgas-Kurven und die schnellen Kurven", so Nissany, der nicht mit einer derart schnellen Eingewöhnung gerechnet hatte: "Überraschenderweise kam das alles sehr, sehr früh. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir schon angekommen sind und den richtigen Speed und die richtige Pace haben."

Nissany absolvierte für den Test ein ausgiebiges Programm, nachdem er dieses Jahr keine Rennen gefahren war und die Formel 2 2018 mit einem Punkt auf dem 22. Gesamtrang beendet hatte. "Es liefen viele Vorbereitungen in Form von Simulationen und Technik-Schulungen", erklärt er. Den technisch ausgefeilten F1-Boliden auf Anhieb zu verstehen, war ihm besonders wichtig.

"Es gibt viel Hightech zu verstehen. Ich mag es, die Logik hinter jedem einzelnen Knopf des Autos zu verstehen, und auch hinter jeder mechanischen oder aerodynamischen Änderung, die wir vornehmen. So erweitere ich mein Wissen und ich muss mich nicht immer an jeden Ablauf erinnern", sagt er. "Dadurch wird alles einfacher."

Nissany holt sich trotz Minardi-Flopp 2005 Ratschläge von Vater Chanoch

Nachdem Williams den zuletzt als Entwicklungsfahrer eingesetzten Latifi beförderte, hofft er darauf, den Platz des Kanadiers in der Saison 2020 übernehmen zu können. "Das ist mein Ziel und mein Management-Team arbeitet hart daran. Jetzt hängt es davon ab, ob meine Performance für das Team gut genug war und ich die Erwartungen erfüllt habe. Ich hoffe, dass das der Fall ist."

Zweifelsohne dürfte der britische Traditionsrennstall vor allem an der finanziellen Mitgift Nissanys interessiert sein. Schon sein Vater, seinerseits ein erfolgreicher Geschäftsmann, bahnte sich den Weg in den Dunstkreis der Königsklasse als Paydriver. Chanoch Nissany absolvierte 2003 und 2005 insgesamt zwölf Testtage für Jordan und Minardi. Sein Auftritt als Freitagsfahrer in Budapest endete nach nur acht Runden im Kiesbett. Auf seiner schnellsten Runde fehlten 12,9 Sekunden auf die Bestzeit.

"2005 waren die Technologien ganz andere. Heute ist es nicht mehr dasselbe", greift der Sohn 14 Jahre später nicht mehr auf die rund 1.000 Kilometer F1-Erfahrung seines Vaters zurück. "Aber ich bekomme viele Ratschläge von ihm, was den mentalen Ansatz angeht. Das ist gut. Ich habe allerdings auch meinen eigenen Weg, der sich auch von anderen Fahrern unterscheidet."

Nissany fühlt sich bereit für Formel-1-Job

Für die Formel 1 fühlt er sich nach seinen ersten Erfahrungen bereit: "Ich kenne meine Ziele und meine Herangehensweise, und wie ich mich auf all die Technologien und die Aufgaben eines Formel-1-Fahrers konzentrieren muss. Ich denke, es lief auch gut. Besonders was die Abläufe im Auto anging. Ich bin mit jedem Aspekt meiner Performance zufrieden. Es war eine tolle Erfahrung und ich hoffe, dass sie mir die Tür in die Formel-1-Welt öffnen wird."

So ambitioniert seine Pläne in der Formel 1 sind, für 2020 will er sich nicht nur auf einen möglichen Job bei Williams konzentrieren. Nach einem Jahr Auszeit will er wieder in der Formel 2 angreifen. Vom 5. bis 7. Dezember stehen für ihn in Abu Dhabi damit im Unterhaus der Formel 1 die nächsten Testfahrten auf dem Plan.


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