Formel 1

Formel 1, Funk-Ärger bei Haas: Steiner erklärt Magnussen-Ansage

Kevin Magnussen motzte in Kanada gewaltig am Funk. Teamchef Günther Steiner sah sich dazu angehalten einzugreifen. Im Nachhinein war alles nicht so wild.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Haas sorgte beim Formel-1-Rennen in Kanada einmal mehr im Boxenfunk statt auf der Rennstrecke für Aufsehen. Nachdem das Wochenende für die US-Amerikaner mit Kevin Magnussens Qualifying-Crash eine bittere Wendung nahm, verlief auch der Sonntag enttäuschend. Magnussen brachte seine Frustration noch während des Rennens sehr deutlich zum Ausdruck - bis ihm Teamchef Günther Steiner in gewohnter Boss-Manier über den Mund fuhr.

"Das ist das schlimmste Erlebnis, das ich jemals in einem Rennauto hatte. Jemals", schimpfte ein überaus mies gelaunter Magnussen im Teamradio über die Balance seines VF-19. Sein Renningenieur versuchte ihn zu beschwichtigen: "Keiner von uns ist über diese Pace glücklich, aber die Jungs haben die ganze Nacht gearbeitet um das Auto zu reparieren."

Magnussen begann zunächst Widerworte zu geben, doch dann schaltete sich Günther Steiner am Funk dazwischen. "Das bedeutet, dass es für uns auch kein schönes Erlebnis ist. Aber es reicht jetzt. Das ist es, was es heißt. Genug ist genug!", setzte der Tiroler dem ewigen Gezeter mit einem Machtwort ein Ende.

Steiner wollte Team vor Magnussen-Kritik in Schutz nehmen

Die Gemüter beruhigten sich mit dem Fallen der Zielflagge schnell wieder, wie der Teamchef hinterher mitteilte: "Er hat sich nach dem Rennen noch am Funk bei allen entschuldigt. Das war gut so. Alle sind frustriert, die Jungs haben bis drei Uhr morgens gearbeitet. Da ist das nichts, was dich motiviert und du brauchst nicht noch mehr Diskussionen darüber, wie schlecht es ist."

Seine Intervention während des Rennens schien ihm angesichts der Vorgeschichte mit Magnussens Unfall im Qualifying unumgänglich. "Ich wollte vermeiden, dass die Jungs noch niedergeschlagener sind als sie es sowieso schon waren", sagt Steiner, der Magnussens Kommentare in diesem Moment aber auch in den falschen Hals bekam.

"Er wollte nicht kritisch sein. Er hat nur versucht die Situation zu erklären und dass es eine schlechte Situation war, ohne dabei jemanden zu beschuldigen. Aber wenn du auf der anderen Seite vom Funk sitzt weißt du das nicht. Vielleicht hätte ich es verstehen können, aber die Jungs nicht, denn sie kennen nicht die ganze Geschichte."

Magnussen erklärt Verhalten am Funk: Emotionen nicht unter Kontrolle

Magnussen stellte sein Verhalten nach dem Rennen richtig. "Nichts von dem im Boxenfunk war gegen das Team gemeint. Sie haben dieses Wochenende einen unglaublichen Job gemacht. Ich habe im Zeittraining einen Fehler gemacht und sie haben es geschafft, mir für das Rennen ein komplett neues Auto hinzustellen", lobt der 26-Jährige seine Crew.

Angesichts der anhaltenden Probleme mit der Rennperformance überkam ihn am Sonntag in Montreal aber einfach der über Wochen aufgestaute Frust. "Wir haben diese Reifen, die im Rennen bei uns einfach nicht funktionieren. Da ist es schwer, die Emotionen in Situationen wie diesen unter Kontrolle zu haben. Es ist schwer, nicht enttäuscht zu sein. Ich weiß, das gesamte Team ist es. Sie verdienen etwas viel Besseres."

Haas-Teamchef gesteht Setup-Fehler bei Magnussens Auto

Dass Magnussen das Rennen mit zwei Runden Rückstand nur als 17. beendete, sprach Bände. Die schwache Performance des Dänen hatte einen guten Grund. "Als wir Kevins Auto neu aufgebaut haben, haben wir ein leicht anderes Setup probiert", erklärt Steiner, dass das Team sich dazu entschied das durch den Chassiswechsel aufgehobene Parc Ferme zu nutzen.

Magnussens Feedback sowie das Ergebnis lieferten jedoch den Beleg dafür, dass dieses Wagnis nicht den erhofften Coup brachte. "Offenbar hat es nicht funktioniert. Das wissen wir jetzt. Zumindest das haben wir daraus gelernt", räumt Steiner ein, dessen zweiter Pilot Romain Grosjean mit Platz 14 auch ohne Hauruck-Setupänderung ebenfalls leer ausging.

Grosjeans Rennen schon nach Kurve eins im Eimer

"Am Start ging schon alles bergab", so der Franzose, der in eine Kollision zwischen Albon, Perez und Giovinazzi verwickelt wurde. Die Wrackteile von Albons Frontflügel erwischten den Haas von Grosjean. Ein Teil musste er sogar mit der Hand wieder vom Halo entfernen, wo es sich verfangen hatte.

"Die Jungs gehen viel Risiko. Ich hab einfach die ganzen Teile abbekommen und musste geradeaus fahren. Danach war ich Letzter. Weder an diesem Punkt noch danach hatten wir viel Pace. Ein paar Runden waren okay, andere sehr schwierig", erklärt Grosjean ein weiteres fruchtloses Rennen.

Haas sucht weiter nach seiner Rennpace

Trotz starker Qualifyings kommt das Haas-Duo 2019 am Sonntag einfach auf keinen grünen Zweig. "Wir haben so ein gutes Auto. Das Qualifying ist brillant, wir können gegen jeden im Mittelfeld kämpfen. Wir waren dieses Jahr oft auf der Pole des Best of the Rest", sagt Magnussen.

Mit 16 Zählern liegt Haas in der Konstrukteurs-WM nach 7 von 21 Rennen auf dem achten Rang. Wenn die US-Amerikaner ihren fünften Platz aus dem Vorjahr wiederholen wollen, muss bald etwas passieren. "Wir müssen alles analysieren und sicherstellen, dass wir verstehen wie wir im Rennen schnell sein können", fordert Grosjean.


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