Exklusiv
Formel 1

Formel 1, Villeneuve: Hamilton provozierte Vettel-Strafe

Jacques Villeneuve zieht zur Strafe nach Duell Sebastian Vettel vs. Lewis Hamilton im Interview schonungslos Bilanz. Hamilton mitschuld, Formel 1 peinlich.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Strafe gegen Sebastian Vettel beim Kanada GP 2019 beschäftigt die ganze Formel 1. War die Entscheidung der Stewards zu fünf Sekunden Zeitstrafe nach seinem Ausritt im Duell mit Lewis Hamilton richtig? Dazu hat jeder eine Meinung. Eine besonders starke vertritt mal wieder Jacques Villeneuve im Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Villeneuve: Hamilton wollte es für Stewards offensichtlich machen

Motorsport-Magazin.com: Jacques, was hältst du von der Strafe gegen Sebastian Vettel?
Jacques Villeneuve: Peinlich. Sehr, sehr peinlich. Wenn du so etwas siehst, dann denke ich an Monaco 2016 als Lewis Ricciardo in der Schikane weggedrückt hat. Da hat es keine Strafe gegeben und das war mit Absicht. Aber das hier war ein Fehler. Er [Vettel] kam quer auf die Strecke zurück, rutschend.

Und Lewis wusste, dass er dort landen würde. Er wusste es voll und ganz und hätte schon früher vom Gas gehen können. Aber er wollte es für die Stewards offensichtlich machen, damit die Strafe auch gegeben wird. Peinlich ist es auch, weil Ricciardo für seine Aktion da auf der Geraden gegen Bottas etwas früher eine noch größere Strafe verdient hätte.

Villeneuve: Peinlich für die Formel 1!

Also ehrlich ... diese Regel, dass du Platz lassen musst … Ja! Wenn du es kannst! Aber das geht nicht wenn du rutschst. Das war peinlich für die Formel 1.

Aber denkst du nicht, dass er das Auto unter Kontrolle hatte, als er wieder auf der Strecke war und dabei am Ende einfach etwas zu schnell war?
Jacques Villeneuve: Nein! Du hast einen Ausritt und dann gehst du zurück aufs Gas. Lewis war 30 Meter hinten!

Villeneuve: Vettel fuhr normal, nicht dreckig

Aber das ist ja der Punkt. Wenn du von der Strecke abkommst und zurück auf's Gas gehst ...
Jacques Villeneuve: Ja, aber er war quer. Du denkst, er guckt dann in den Spiegel? Nein. Du schaust nach vorne. Und wenn da alles okay ist, dann fährst du einfach. Die anderen müssen dir dann ausweichen. Du kannst nicht immer einen auf 'oh, bitte, fahr' halt' machen. Das war kein Stück dreckiges Fahren. Das ist normal. Besonders in dieser Kurve.

Also Fazit?
Jacques Villeneuve: Peinlich für die Formel 1. Das ist alles.

Formel-1-Regeln für Villeneuve schlecht geschrieben

Und wenn man die Regeln ansieht - war die Entscheidung dann richtig?
Jacques Villeneuve: Die Regeln sind schlecht geschrieben. Es ist also sehr schwer ... Und am Ende war da auch gerade so eben noch genug Platz für Lewis, dass er nicht einmal hätte lupfen müssen. Es hätte keinen Unfall gegeben.

Denkst du, dass Lewis hätte erwarten sollen, dass Seb da so ankommt?
Jacques Villeneuve: Klar, er wusste das. Jeder Fahrer weiß das.

Schumacher vs. Hill in Adelaide 1994 für JV völlig anders

Einige Leute fühlten sich an Adelaide 1994 erinnert, als Michael neben der Strecke war und zurückkam ...
Jacques Villeneuve: Nein, denn das war absichtlich und am Scheitelpunkt. Das hier ist Rutschen nach Außen der Kurve. Das ist völlig anders. Und nochmal: Lewis 2016 gegen Ricciardo in der Schikane. Da hat er in die Spiegel geschaut. Das war Absicht. Das ist etwas ganz anderes.

Hätte Seb denn gar nichts anders machen können?
Jacques Villeneuve: Wenn er weiter links geblieben wäre, wäre er vielleicht quergekommen und hätte sich vielleicht gedreht. Oder er hätte in der Wiese einfach auf die Bremse steigen können und ihn fahren lassen. Aber nein. Du bist da noch immer am Rennfahren! Du kommst ins Gras, gehst aufs Gas, kommst auf die Strecke zurück und hoffst, dass niemand dich überholt.

Dann denkst du, 'okay, keiner neben mir, ich nehme meine Linie'. Lewis war noch immer weit genug dahinter, dass er schon vorher vom Gas hätte gehen können. Bevor er gleich neben ihm war. Er wusste, wo Vettel hinfahren würde. Das war offensichtlich. Und es war gerade noch genug Platz!

Wenn du es anschaust - Lewis hatte sein Rad hinter der weißen Linie. Also neben der Strecke. Vielleicht wird das herangezogen als Teil der Regeln. Aber wenn du siehst, dass keine Strafen für dreckiges Fahren ausgesprochen werden, dann ist das hier extrem. Denn es war ein Fehler, kein dreckiges Fahren. Das ist nicht dasselbe.

Villeneuve: Fahrer früher nicht so dreckig

Gehen wir mal etwas davon weg. Unter dem Strich hat er einen Fehler gemacht und bekam die Strafe dafür dann eben von den Stewards und nicht direkt …
Jacques Villeneuve: Yeah … ich weiß, ich weiß. Der Fehler. Er hat einen Fehler gemacht. Das ist aber ein anderes Thema. Das hat nichts damit zu tun. Nur, weil du einen Fehler machst verdienst du keine Strafe.

Wo befindet sich denn die feine Linie für dich, dass die Rennleitung sagt, dieses ist eine Untersuchung wert und jenes nicht und einfach Racing?
Jacques Villeneuve: Wenn es dreckiges Racing ist. Wenn es absichtlich gemacht wird, jemanden in Schwierigkeiten zu bringen. Das ist die feine Linie, die du nicht kreuzen darfst. Die Fahrer haben das mal nicht getan, denn sie konnten sich umbringen. Das ist alles. Jetzt machen sie es alle. Denn wenn sie nicht bestraft werden, ist es in Ordnung. Es ist ihnen egal. Sie fühlen sich nicht schlecht dabei. Das hat sich geändert.

Die feine Linie ziehe ich also bei Absicht und nicht Absicht sowie dreckigem Fahren. Fehler? Passieren. Aber wenn das nicht so gesehen wird, dann wird keiner mehr versuchen, zu überholen und einfach bleiben, wo er ist. Weil er Angst vor einer Strafe hat. Sie müssen aufpassen, da nicht zu weit zu gehen. Sie müssen die Situationen lesen, wozu sie offensichtlich nicht imstande sind.

Wenn du nur die Regel nimmst. Lewis wurde von der Strecke gedrückt, aber wenn du es misst, dann war da noch immer genug Platz. Wir spielen ja nicht Monopoly oder irgendein Langweiler-Spiel.


Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video