Formel 1

Formel 1: Warum Bottas sich so lange im Mittelfeld quälte

Für Valtteri Bottas war Kanada ein Formel-1-Rennen zum Vergessen. Fehler im Qualifying, dann kaum Drang nach vorne. Was beim Mercedes-Piloten daneben ging.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas hat in Kanada einem empfindlichen Rückschlag im WM-Kampf gegen seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton eingesteckt. Während der Brite dank der Strafe gegen Sebastian Vettel in Montreal siegte, reichte es für den Finnen nur zum vierten Platz. Damit standen erstmals in der Formel-1-Saison 2019 nicht beide Fahrer der Silberpfeile auf dem Podium.

Zumindest den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde sicherte sich Bottas noch im vorletzten Umlauf. Dennoch büßte er zwölf Zähler auf Hamilton ein. Doch wieso hatte der WM-Zweiter derartige Probleme? Immerhin scheiterte Bottas nicht knapp am Podium, weil Hamilton und der beiden Ferrari nur leicht besser waren.

Bottas legt Grundstein für Misere schon im Qualifying

Vielmehr hinkte der Finne dem Trio meilenweit hinterher, kämpfte lange Zeit gar mit dem vorderen Mittelfeld. "Das war einfach die Rennpace. Die fehlte ihm. Er hatte einen gebrauchten Tag", analysiert Nico Rosberg auf seinem Youtube-Kanal.

Tatsächlich begann das Übel schon sehr viel früher. Mit einem völlig verwachsten Qualifying. In der ersten Runde des Q3 drehte sich Bottas spektakulär, die Zweite Runde war gespickt von Fehlern. Nur Startplatz sechs. Diese Position verlor der Finne dann auch noch gleich am Start an Nico Hülkenberg. Von da an war das Rennen gelaufen.

Bottas erklärt Überholprobleme gegen die Renault

Doch erneut drängt sich die Frage nach dem Warum auf. Hätte Bottas die Renault im Mercedes nicht leicht kassieren müssen? "Ich hatte ziemlich zu kämpfen, um am Anfang den Red Bull und die Renaults zu überholen", schildert Bottas selbst die für ihn frustrierende Rennsituation. Seine Erklärung: "Sobald ich auf das Fahrzeug vor mir aufgeschlossen hatte, waren der Motor und die Bremsen nahe an ihren Temperaturlimits. Deshalb musste ich viel "Lift and Coast" fahren, wodurch es schwierig war, einen Angriff zu starten."

Insbesondere Daniel Ricciardo erwies sich als brutal schwer zu knackende Nuss. Mit allem was er hatte verteidigte sich der zu diesem Zeitpunkt fünftplatzierte Australier gegen Bottas. "Ich dachte, er würde mich locker erwischen, aber dann konnte ich seinen ersten Versuch abwehren", schildert Ricciardo. "Und dann ... er war nicht wirklich unser Gegner, aber zur Hölle damit, ich habe eine Chance, gegen einen Mercedes zu kämpfen! Also habe ich alles aufgeboten!"

Bottas vs. Ricciardo: Am Limit der Regeln, aber guter Kampf

Alles - das waren extrem Verteidigungsmanöver am Ende der langen Gerade. Für manch einen Beobachter zu hart. Zu viele Spurwechsel, Moving under Braking - so einiges wurde da gesehen. Nicht jedoch von den Stewards. Alles im grünen Bereich. Auch für Bottas.

"Manchmal war es am Limit der Regeln, weil er auf meine Entscheidung gewartet hat und mich dann bei hohem Speed so geblockt hat. Aber ich habe mich nicht beschwert, weil ich hartes Racing mag", sagt der Mercedes. "Es war eigentlich ein guter Kampf mit Daniel. Er hat sich gut verteidigt und es mir ganz sicher nicht leicht gemacht. Aber alles okay."

Mercedes jagt den Bonuspunkt: Schadenbegrenzung

Wäre diese Einschätzung anders ausgefallen, hätte Bottas Ricciardo nach sieben Runden schlussendlich nicht doch überlistet? Möglich. Doch nach vorne war für Bottas damit definitiv der Zug angefahren. "Als ich sie endlich überholt hatte, hatte ich zu viel Zeit verloren, um in den Kampf um die Podestplätze einzugreifen", hadert Bottas.

Deshalb änderte Mercedes den Plan und ging auf den Bonuspunkt. Mit Erfolg. Dank frischer Softs fuhr Bottas noch in der vorletzten Runden mit einem neuen Rundenrekord zum Extrazähler. Die Freude über die Schadenbegrenzung fällt allerdings sehr gedämpft aus. "Es ist schön, dafür einen Extrapunkt mitzunehmen, aber letztlich habe ich das Rennen gestern im Qualifying verloren", so Bottas. "Ich habe da einen kostspieligen Fehler gemacht und mir dadurch das Rennen selbst erschwert und kann jetzt natürlich nicht zufrieden sein."

Was ist los mit Bottas? Finne blockt ab

Es sei sehr viel härter gelaufen, als er erwartet habe, so Bottas. Durch eigene Leistung habe er allerdings nicht mehr ausrichten können, lässt Bottas durchblicken. "Valtteri erlebte einen schwierigeren Tag. Er ging von Platz sechs ins Rennen und hatte mit Überhitzungsproblemen zu kämpfen", bestätigt Toto Wolff. Kein Vorwurf also für das Rennen, aber für den Vortag. Wolff: "Das Rennen hat er bereits gestern im Qualifying verloren."

Generell gebe es aber kein Problem, so der Finne auf Nachfragen zur jüngsten Normalisierung der Kräfteverhältnisse bei Mercedes und des Qualifying-Drehers . "Mit Druck hatte das nichts zu tun. Das kann ich nicht bestätigen. [...] Und mehr will ich dazu auch nicht sagen", knirscht Bottas. Für die WM würden ohnehin weiter alle Möglichkeiten bestehen: "Ich habe ein paar Punkte auf Lewis verloren, was natürlich nervt. Alles kann passieren", glaubt Bottas.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video