Formel 1

Formel 1 Brasilien 2018: Die heißesten Fragen vor dem Rennen

Der Weltmeister steht fest. Die Spannung bleibt. In Brasilien geht es zwischen Ferrari und Mercedes noch um alles. Und 2019 ist auch schon im Fokus.
von Jonas Fehling
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Brasilien GP: (06:55 Min.)

Lewis Hamilton steht als Formel-1-Weltmeister 2018 fest. Erneut schnappte sich der Brite die Krone vorzeitig in Mexiko. Für Sebastian Vettel scheint es bei dem am Wochenende anstehenden vorletzten Saisonrennen, dem Brasilien GP in Sao Paulo, also nur noch um einen Achtungserfolg zu gehen.

Tatsächlich ist es aber Einiges mehr: Vor allem Ferrari und Mercedes rittern noch um den prestigeträchtigen WM-Titel in der Teamwertung, dahinter tobt weiter der Kampf um die Mittelfeld-Krone und alle wollen dringend mit Rückenwind in 2019 fahren. Die Brennpunkte zum 20. Saisonrennen 2018.

Brasilien-Brennpunkt #1: Lässt Hamilton nach Titel wieder nach?

Der WM-Titel ist im Sack, Lewis Hamilton kann mal wieder die Füße hochlegen. So schien es schon in der Vergangenheit, allein schon mit Blick auf die Ergebnisse. Zweimal (2015 und 2017) hat Hamilton in seiner Karriere vor 2018 eine WM vorzeitig für sich entschieden. In beiden Fällen folgte in den restlichen drei bzw. zwei Saisonrennen kein weiterer Coup des Briten.

Als Hamilton 2016 gegen Nico Rosberg hingen noch aufholen musste, gewann er die letzten vier Läufe. Auch 2014 lieferte Hamilton einen starken Schlussspurt bis zum entscheidenden letzten Rennen. Lässt beim Briten also grundlegend die Motivation nach sobald der Käs' gegessen ist?

Er selbst meint: Nein. Es gebe ja noch die Konstrukteursweltmeisterschaft, die Mercedes für sich entscheiden wolle. "Und die bedeutet den Jungs in der Fabrik sogar noch mehr", so Hamilton. Er dürfe und werde also nicht nachlassen, versichert Hamilton nach seinem großen Triumph in Mexiko: "Ich muss zurück in die Fabrik, um herauszufinden, wie wir diese nächsten Rennen gewinnen können." Mercedes begrüßt diese Einstellung. "Unser Ziel war in dieser Saison, beide Titel zu gewonnen, nicht nur den einen oder anderen. Also reisen wir mit einem Gefühl eines noch unvollendeten Geschäfts nach Sao Paulo", erinnert Toto Wolff.

"Es ist noch ein großer Kampf und wir haben zuletzt an jedem Wochenende Boden auf Ferrari verloren", mahnt der Teamchef. "Ich weiß, dass sowohl Lewis als auch Valtteri ihre jeweiligen Saisons unbedingt auf einem Hoch beenden wollen." Der berühmte Rückenwind für 2019 lässt grüßen.

Bottas ist es auch, der sich jetzt besondere Hoffnungen machen kann: Endlich darf der Finne wieder gewinnen. Die große Frage nur: Kann er auch? Selbst ein vielleicht nicht mehr mit letzter Akribie arbeitender Hamilton ist noch immer stark - und Ferrari zuletzt nur noch mehr.

Brasilien-Brennpunkt #2: Kann Mercedes die Probleme lösen?

Die jüngste Ferrari-Stärke war jedoch auch eine Mercedes-Schwäche. Sowohl in Austin als auch Mexiko taten sich die Silberpfeile schwerer als zuvor. Mexiko entpuppte sich sogar als regelrechtes Horror-Rennen für Mercedes. Das Team bekam die Reifen nicht zum Arbeiten - und rätselte später über die Gründe. Spielte ein als Vorsichtsmaßnahme doch nicht eingesetztes Felgen-Design eine Rolle? Und viel wichtiger: Geht es in Sao Paulo so weiter?

Zumindest auf die Schliche gekommen sein will Mercedes den Problemen nun im Ansatz. "Wir können mit unserer Performance in Mexiko nicht zufrieden sein. Wir haben danach sofort begonnen, diese Probleme zu analysieren und haben Fortschritte erzielt, die Herausforderungen, denen wir uns ausgesetzt sahen, zu verstehen", berichtet Wolff. "Jetzt ist es wichtig, dass wir all das anwenden, um sicherzustellen, dass wir in Brasilien stark zurückkommen."

Brasilien-Brennpunkt #3: Gelingt Vettel noch ein Sieg?

Seit sechs Rennen ist Sebastian Vettel ohne Sieg. In Mexiko kehrte er zum ersten Mal seit Russland zumindest auf das Podium zurück. Kann er in Brasilien vielleicht sogar wieder siegen? Dafür spricht einiges. Erstens ist jetzt der Druck abgefallen. Vettel muss nichts mehr erzwingen. Genau das hatte zuletzt erst zu der regelrechten Fehlerserie geführt.

Zweitens das Vorjahr. Auch 2017 verlor Vettel den Titel final in Mexiko - um dann zwei Wochen später in Brasilien zu gewinnen. Drittens der Trend. Ferrari ist seit dem Rückbau auf ein älteres Chassis wieder zurück. In den USA ergatterte Kimi Räikönen damit auch gleich wieder einen Sieg. "Hoffentlich bleiben wir im Kampf und holen weiter auf. Noch zwei Rennen, wir geben unser Bestes", sagt der Finne über eine Attacke auf Mercedes in der Teamwertung.

Vettel schätzt die Chancen nach den jüngsten Eindrücken ebenfalls gut ein. "Wir brauchen noch ein paar mehr Punkte, aber ich denke, dass das letzte Wochenende schon gut für uns war, dieses Wochenende aus - also können wir hoffentlich so weitermachen", so der Deutsche in Mexiko. Damit zielt Vettel vor allem auf Achtungserfolge. Denn bei 55 Punkten Rückstand auf Mercedes ist für Ferrari realistisch kaum noch ein Angriff drin.

Brasilien-Brennpunkt #4: Bleibt Red Bull siegfähig?

Doch in Mexiko war ein Team noch stärker: Red Bull. In der Höhenluft zeigte sich das PS-Defizit der Renault-Motoren weit weniger stark, sofort lieferten die Bullen ab. Einzig im Rennen war die Ferrari-Pace zumindest im Ansatz konkurrenzfähig. Generell spricht der Trend für RBR: Schon zuvor hatte das Team in Russland und Japan - teils wider Erwarten - stark performt.

Gelingt in Sao Paulo also gleich der fünfte Streich nach Saisonsieg vier in Mexiko? Etwas helfen dürfte einmal mehr die Höhe. Auch in Interlagos ein Faktor, wenngleich nicht so extrem. Noch dazu gibt es ein enges Infield. Der steile Weg bergauf im letzten Sektor könnte den Bullen in Brasilien gegen Mercedes und Ferrari jedoch den Genickschuss versetzen.

Das weiß auch Max Verstappen. "Interlagos liegt unserem Auto generell nicht so gut", sagt der Youngster. "Aber nachdem ich 2016 dort auf dem Podium war und letzte Woche in Mexiko gewonnen habe, kann im Rennen alles passieren." Immerhin: Daniel Ricciardo ist noch dabei. In Mexiko hatte der Australier voller Frust über einen neuerlichen Defekt-Ausfall erklärt, keinen Sinn mehr zu sehen, anzutreten. Das hat Ricciardo inzwischen jedoch klargestellt.

Brasilien-Brennpunkt #5: Wer setzt sich im Mittelfeld durch?

Nicht nur zwischen Ferrari und Mercedes geht es in Sao Paulo um viel, auch im Mittelfeld lebt der Battle um den Best of the Rest noch immer - wenngleich die vergangenen Events eine kleine Vorentscheidung zugunsten Renaults und Nico Hülkenbergs brachten. 30 Punkte beträgt der Vorsprung der Franzosen jetzt auf das zuletzt zweimal punktlose Haas, das noch dazu die Monza-Zähler nicht zurückerhalten wird. Die Berufung gegen die Disqualifikation wurde am Donnerstag nach Mexiko zurückgewiesen.

"Wir haben etwas an Boden verloren. Das ist schade, aber wir geben 100 Prozent um das wieder gutzumachen", sagt Romain Grosjean. "Und Interlagos sollte ein guter Grand Prix für uns sein", meint der Franzose. "Wir sollten eine gute Chance haben", bestätigt Teamkollege Kevin Magnussen. "Im Vergleich zu den vorherigen beiden Rennen, könnte Interlagos unserem Paket weniger liegen", warnt mit Renaults Marcin Budkowski passend dazu die Gegenseite.

Konkurrenzfähig sieht man sich in Brasilien dennoch. Auch Nico Hülkenberg, für den es mit zwölf Punkten Vorsprung in der Fahrerwertung auf Sergio Perez auch noch deutlich enger zugeht. "Ich hole auf diesem Kurs generell einfach gute Ergebnisse", sagt der sensationelle Polesetter von Brasilien 2010. "Daran will ich dieses Jahr anknüpfen, um meinen siebten Platz und den vierten des Teams weiter abzusichern."

Doch Haas hat noch nicht aufgegeben. "Der Kampf im Mittelfeld ist noch intensiv, auch wenn die Lücke auf Renault größer geworden ist", sagt Magnussen kämpferisch. "Wir werden alles geben. Wir wissen, dass die Dinge sich schnell drehen können." Überhaupt auf diesem Niveau mit einem Werksteam kämpfen zu können erfüllt den Dänen mit Stolz. "Wir sollten in der Formel 1 eigentlich nicht mit Renault kämpfen können, denn die haben einfach viel mehr Ressourcen", erklärt er. "Wir nutzen das, was uns gegeben ist, einfach viel besser als sie und waren im Schnitt sogar schnell. Klar ist es dann auch enttäuschend, hinter ihnen zu liegen."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter