Formel 1

Formel-1-Regeln 2019, Teams zweifeln: Wirklich mehr Überholen?

Die Formel 1 hat das Reglement für 2019 angepasst. Vereinfachte Aerodynamik soll mehr Überholaction liefern. Doch die Teams zweifeln: Entwicklung zu gut?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mit vereinfachten Frontflügeln, simpleren Bremsbelüftungen und anderen Dimensionen für die Heckflügel hat die Formel 1 für die Saison 2019 einige Anpassungen am Technischen Reglement vorgenommen. Diese aerodynamischen Änderungen zielen vor allem auf einen Punkt: Mehr Überholmanöver oder wenigstens engeres Racing durch weniger Luftverwirbelungen der gegenwärtigen Downforce-Bestien zu kreieren.

Das führt zwangsläufig zu einem Zurückrüsten auch in Sachen Performance, absolutem Speed. "Wir gehen rund ein Drittel des Weges von 2016 auf 2017 wieder zurück", sagte FIA-Technikchef Nikolas Tombazis schon im Mai kurz nach der ersten Veröffentlichung der Basis der neuen Regeln zu Motorsport-Magazin.com. Heißt: 1,5 Sekunden.

FIA: Downforce-Verlust von 30 auf 10 Prozent drücken

Der Schritt sei nötig gewesen, weil die Dirty Air infolge der Weiterentwicklungen der Teams immer schlimmer werde. "Je mehr die Teams entwickeln, desto schlimmer wird der Effekt", so Tombazis. Inzwischen sind die Regeln offiziell auch mit allen Details publiziert, den Teams liegen sie ohnehin vor. Pünktlich dazu äußerte sich Tombazis nun wieder mit einem Update in der offiziellen FIA-Publikation 'Auto'.

"Wir gehen davon aus, dass die kritische Position bei 15 bis 20 Metern zwischen den Autos liegt", so der Grieche. "Das ist die Distanz, von der wir ausgehen, wenn die Autos innerhalb einer halben Sekunde in eine mittelschnelle Kurve fahren. Und dann verliert das verfolgende Auto gegenwärtig rund 30 Prozent Downforce. Das hoffen wir auf zehn zu reduzieren", so Tombazis über die jüngsten Prognoseberechnungen.

Teams zweifeln an Regeln 2019: Entwicklung holt das auf

Doch die Teams bleiben skeptisch. "Wir haben noch ein paar Zweifel, was die Reifen und das Aero-Paket angeht", sagt Sauber-Teamchef Frederic Vasseur. "Was die Aerodynamik-Regeln angeht, dann ist es ein großer Schritt zurück. Ich denke, dass alles sehr darauf fokussiert sind, das zurückzuholen. Ich weiß nicht, wann wir das schaffen werden und ob wir sogar in der Lage sind, darüber hinaus zu schießen. Aber knifflig wird es ganz sicher", so der Franzose.

Was mitklingt: Ausgeschlossen scheint keinesfalls, dass der gegenwärtige Downforce-Level durch fleißige Entwicklung an einem gewissen Punkt wieder erreicht werden kann. Vielleicht sogar schon beim Saisonstart? "Die Arbeit ist jetzt in vollem Gang, aber sich auf eine genaue Hausnummer festzulegen, was den Vergleich mit diesem Jahr anbelangt, ist schwierig. Denn noch liegt immer noch jede Menge Arbeit vor uns bis das Auto launcht. Aber ich denke, dass wir in Melbourne nah dran am Launch-Auto des vorherigen Jahres sein können", meint etwa Haas-Teamchef Günther Steiner.

Toro Rosso: Schon in Melbourne auf gegenwärtigem Level

Damit wäre die Formel 1 zumindest noch immer hinter der ganzen Weiterentwicklung über die Saison 2018 zurück. "Es war ein deutlicher Schritt zurück. Wir haben aggressive Ziele im Blick, ich weiß aber nicht, ob wir sie treffen werden", kommentiert deshalb zumindest Force Indias Otmar Szafnauer etwas vorsichtiger einen ersten Test eines groben Frontflügel-Entwurfs für 2019 in Ungarn.

Besonders skeptisch dagegen ist Toro Rosso. "Ich habe mit dem Personal im Windtunnel gesprochen und es sieht so aus, als würden sie nicht glauben, dass Überholen damit viel leichter wird. Ich bin also nicht sicher, ob diese Änderung am Reglement bringt, was wir erwartet hatten - dass Überholen viel leichter wird. Ich denke, dass die Teams zum Saisonstart schon wieder einen ähnlichen Downforce-Level erreicht haben werden wie gegenwärtig", meint Teamchef Franz Tost sogar.

FIA verteidigt: Änderungen trotzdem richtig

Doch selbst wenn: Der Schritt sei dennoch richtig gewesen, entgegnet Tombazis solchen Kritiken. "Wenn wir nicht eingeschritten wären, dann wäre 2019 schlimmer als '18 geworden und '20 würde schlimmer werden als '19", erklärt der Grieche.

Es geht also zumindest um das, was mit keinem völlig extremen Eingriff möglich schien. Wunder habe man sich ohnehin nicht versprochen. Tombazis: "Wir glauben, dass 2019 besser sein wird 2018, aber keiner erwartet, dass F1-Auto kämpfen wir Tourenwagen." Erst 2021 dürfte sich mit einem dann wirklich revolutionären Umbruch grundlegend etwas ändern.


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