Formel 1

Formel 1: Ersetzen Kamera & Bildschirm die Rückspiegel?

Die Formel 1 denkt aktuell einmal mehr über eine technische Neuerung nach. Werden die Probleme mit der Sicht nach hinten bald radikaler angegangen?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 könnte in Zukunft um eine technische Neuerung reicher werden und die Rückspiegel der Boliden durch eine Kombination aus Kamera und Bildschirm ersetzen. Hintergrund: Nachdem seit der Revolution im Reglement zur Saison 2017 die Heckflügel wieder breiter und tiefer wurden, häuften sich unter den Fahrern zuletzt zunehmend Klagen über die Sicht nach hinten.

Einige Teams, darunter Ferrari, experimentierten zu Saisonbeginn 2018 sogar damit, die Rückspiegel auf dem Halo zu installieren. Dies ist unter strengen Vorgaben zur Platzierung und sicherer, sprich stabiler Anbringung gestattet, sorgte jedoch schnell für die in der Formel 1 üblichen Diskussionen.

Halo-Spiegel verschwinden, Klagen über Sicht bleiben

Gerade bei einem Top-Team wie Ferrari stand schnell der Verdacht im Raum, die Art des Anbaus geschehe schlicht aus für die Performance relevanten Gründen, nicht für eine bessere Sicht. Kurioserweise lobte Sebastian Vettel bei einem Einsatz sogar die Halo-Montage für den so besseren Blick. Dennoch verschwand der Aufbau wieder. Genauso bei allen anderen Teams, die damit experimentiert hatten.

Was blieb war der Ärger über die schlechte Sicht. Erst jüngst in Japan beim Unfall von Kevin Magnussen und Charles Leclerc war das Thema unterschwellig wieder aufgekommen. Für 2019 hat die FIA im Reglement als Reaktion auf die anhaltenden Beschwerden bereits leichte Adaptionen zur Positionierung der Rückspiegel vorgenommen. "Das wird schon etwas helfen", meint Magnussen selbst.

Generell jedoch brauche es eine drastischere Lösung. "Du kannst den Kerl hinter dir nicht sehen bis er sich bewegt, erst dann siehst du ihn. Denn da ist der Heckflügel, sodass du ihn nicht siehst, wenn er direkt hinter dir ist. Direkt hinter dir bist du blind", klagt Magnussen. "Dieses Problem müssen wir zusammen beheben", fordert der Däne.

Unfall Magnussen/Leclerc bringt Spiegel-Thema zurück

Der neueste Vorfall von Magnussen/Leclerc ruft deshalb nun die entsprechend deutlich weitergehende Idee der Kamera/Bildschirm-Lösung, bekannt als Rückfahrkamera aus der Automobilbranche und manch kleinerer Rennserie, etwa im GT-Sport, auf den Plan. "Die Technologie gibt es ja da draußen. Sie ist bereits verfügbar. Wir könnten es also umsetzen und ich denke, dass die FIA da gerade drüber nachdenkt. Charlie Whiting schaut sich das an", berichtet Haas-Teamchef Günther Steiner.

"Sofern das ein besserer Weg ist, nach hinten und zur Seite zu schauen, damit wir die Sauber kommen sehen und nicht in sie reinfahren, dann ist das gut", scherzt der Tiroler über den Vorfall seines Piloten in Japan. Auch die Gegenseite steigt mit ein: "Natürlich ist es möglich. Ich hätte gehofft, dass es das nicht ist, denn sie werden TV schauen wollen wenn das Rennen langweilig ist!", witzelt Sauber-Teamchef Frederic Vasseur.

Teams & Fahrer: Technologie ist da, nutzen wir sie

Doch wieder ernst fügt der Franzose an: "Aber ja, mit einer Kamera kannst du eine viel bessere Sicht nach hinten haben." Force Indias Otmar Szafnauer hält es ebenfalls für möglich, Bildschirme zu installieren. "Die Technologie ist auf jeden Fall da, das geht", sagt der Teamchef. "Aber vielleicht wäre es ein Nachteil für jene Fahrer, die bereits über ein gutes Peripheres Sehen verfügen", ergänzt Szafnauer jedoch einen möglicherweise negativen Aspekt. Das dürfe jedoch nur am Rande interessieren, äußerst marginal ausfallen.

Viel größere Bedenken bestehen da schon hinsichtlich der Helligkeitswerte der Screens unter allen Witterungsbedingungen und Lichtverhältnissen oder der Tatsache, dass räumliches Sehen auf einem Bildschirm ohne 3D-Effekt nicht möglich ist. Doch auch hier herrscht Zuversicht. "Die Technologie ist soweit und es ist möglich, alles auszuräumen und es so zu lösen. Deshalb: Warum nicht? Das ist gut", meint etwa Toro Rossos Franz Tost.

Die Fahrerseite ist der Idee alles andere als abgeneigt, setzt sich sogar dafür ein. "Ich sehe keinen Grund, warum es nicht funktionieren sollte", meint etwa Valtteri Bottas. "Ich denke, dass es viele Straßenautos und auch andere Rennautos gibt, die mit ihren Spiegeln jede Menge clevere Dinge anstellen - mit einem Bildschirm und kleinen Kameras", sagt Bottas. Noch ein Argument: "Die Technologie ist verfügbar und das hier sollte sowieso der führende Sport für die Technologie sein. Deshalb wäre es auch schön zu sehen."


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