Exklusiv
Formel 1

Vandoorne: Gescheitert an Killer Alonso? Ich bereue nichts!

Stoffel Vandoorne wechselt 2019 von der Formel 1 in die Formel E. Der Belgier im Exklusivinterview über Alonso-Pleiten, McLaren und eine mögliche Rückkehr.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Stoffel Vandoorne hat am vergangenen Formel-1-Wochenende mit Platz acht in Mexiko ein seltenes Glanzlicht seiner kurzen F1-Karriere gesetzt. Kurz, nicht jung. Denn nach nur zwei Jahren wechselt der Belgier nach 2018 aus der Königsklasse in die Formel E, HWA statt McLaren. Weil Vandoorne trotz riesiger Vorschusslorbeeren und Erfolgen im Unterbau in der Formel 1 nie final zu überzeugen wusste.

Erst setzte ihn McLaren vor die Tür, dann gingen ihm für 2019 die F1-Optionen aus, Gegen Fernando Alonso steht es im teaminternen Qualifying-Duell der Saison 2018 aktuell noch immer zu null - 19:0. Warum? Ist Alonso einfach zu sehr Tier? Motorsport-Magazin.com traf Vandoorne in Mexiko zum großen Abschiedsinterview und fragte nach. Außerdem: Wie Vandoorne seine kurze F1-Zeit einschätzt, ob alles am schwachen McLaren lag, wie der Formel-E-Deal zustande kam – und wie die Aktien für eine Rückkehr stehen.

Motorsport-Magazin.com: Schauen wir auf deine Karriere. Du machst nächstes Jahr einen ziemlich großen Schritt, indem du in die Formel E gehst und die Formel 1 verlässt. Bedeutet dieser Formel-E-Vertrag, dass deine Formel-1-Karriere final vorbei ist?
Stoffel Vandoorne: Das ist schwierig zu sagen und etwas, das ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich zu 100 Prozent beantworten kann. Die eine Sache, die ich weiß, ist, dass ich mit vollem Einsatz in diese Formel-E-Saison gehen werde, sobald ich das letzte Rennen in Abu Dhabi und meine Verpflichtungen mit McLaren beendet habe. Dann werde ich mich zu 100 Prozent darauf fokussieren, etwas Gutes in der Formel E zu erreichen. Es ist auch eine ziemlich einzigartige Möglichkeit die ich dort habe, bei einem der größten Teams zu sein.

Und es wird eine komplett neue Herausforderung. Ich weiß im Moment noch nicht wirklich, was mich dort erwartet. Die Testfahrten in Valencia sind so schwer zu lesen, was das Kräfteverhältnis angeht. Die Bedingungen waren nicht sehr repräsentativ, was das Streckenlayout angeht und wie gearbeitet wurde. Es ist gerade alles noch etwas Unbekannt. Aber ich bin optimistisch und freue mich darauf, es zu entdecken.

Was die Formel 1 in Zukunft bringen wird, weiß ich nicht. Es ist sehr schwierig zu sagen. Was dieses Jahr auf dem Fahrermarkt passiert ist, war ziemlich unvorhersehbar, würde ich sagen. Ich denke nicht, dass das irgendjemand so erwartet hätte, was da jetzt passiert ist. Also: Wer weiß, was in der Zukunft passiert? Wir werden sehen, was dabei herumkommt.

Vandoorne: Sofort von Formel E mit HWA überzeugt

Wie kam denn die Zusammenarbeit mit HWA zustande? Wann hast du in Erwägung gezogen, in die Formel E zu gehen, wann bist du mit ihnen in Kontakt getreten? Toto hat immer gesagt, dass er ein großer Fan von dir ist ...
Stoffel Vandoorne: Mein erster Kontakt war tatsächlich über Toto. Es war um Monza herum. An einem der Wochenenden rief er mich an und erklärte mir das ganze Programm, das sie mit HWA machen, und natürlich auch, was für das Team in Zukunft geplant ist. Und nachdem ich den ersten Kontakt mit Toto hatte gab es für mich nicht wirklich einen Zweifel, dass das für mich eine wirklich gute Möglichkeit sein könnte. Obwohl ich zu dieser Zeit noch nicht zu 100 Prozent wusste, wie meine Zukunft mit McLaren aussieht, aber das wurde bald darauf klar. Aber vom ersten Kontakt mit Toto an war ich mehr oder weniger bereit, es zu machen.

Also gab es keine anderen Aktivitäten? Du hast gesagt, es war eine ziemliche Silly Season und du konntest nie wissen, ob für dich etwas frei wird. Hast du dich da noch in der Formel 1 nach Möglichkeiten umgeschaut oder warst du schon voll auf die Formel-E-Chance konzentriert?
Stoffel Vandoorne: Ich war voll darauf fokussiert, in das Formel-E-Programm einzusteigen. Denn wir hatten den Fahrermarkt untersucht und ich wusste zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger, wo ich stand, auch was die anderen Teams anging. Ich habe also überhaupt nicht gezögert.

Stoffel Vandoorne: Nur Topfahrer in der Formel E

Die Formel E ist eine ziemlich interessante Sache, nicht nur aus Sicht eines Rennfahrers, sondern auch was das Business angeht. Manch einer sagt, dass du dort mehr Geld als in der Formel verdienen kannst. Trifft das auf dich auch zu?
Stoffel Vandoorne [lacht]: Ich denke, das Geschäftsmodell der Formel E funktioniert sehr gut. Es ist definitiv eine Rennserie, in der nur professionelle Rennfahrer sind. Ich denke, jeder dort wird gut bezahlt und ist ein Top-Rennfahrer. So viele Hersteller sind involviert und sie wollen gute Fahrer in ihren Autos, es sind einige der besten. Ich denke, es wächst stark und mit dem was in den vergangenen vier Jahren passiert ist, hat sich die Serie sehr entwickelt. Jetzt mit der neuen Auto-Generation, mit Mercedes und Porsche die übernächste Saison auch einsteigen, wird sie wahrscheinlich einen weiteren Schritt nach vorne machen. Wir müssen abwarten und schauen, aber die Zukunft schaut sehr gut dort aus.

Demnach ist es auch für einen Fahrer ein gutes Geschäftsmodell?
Stoffel Vandoorne: Ja, warum nicht? Ich meine, Formel 1 war definitiv auch nicht schlecht. Ich beschwere mich nicht. [lacht]

Faire Chance in Formel 1? Vandoorne: McLaren nicht die beste Timing

Schauen wir auf den Formel-1-Karriere bis jetzt. Denkst du, dass du eine faire Chance hattest?
Stoffel Vandoorne: Das ist schwierig zu sagen. Alles was ich sagen kann, ist, dass meine Zeit bei McLaren definitiv nicht die beste Zeit war. McLaren hat mir sehr viele Chancen eingeräumt in all der Zeit, die ich bei ihnen war. Ich bin 2013 als Young Driver zu ihnen gekommen und sie haben mich in all den Nachwuchsserien unterstützt und mir letztendlich ein Renncockpit gegeben. Aber ich denke, das Timing war vielleicht nicht das richtige. Die Performances, die wir über die vergangenen zwei Jahre hinweg hatten, waren fast die zwei schlechtesten Saisons ihrer Geschichte.

Ich hätte es sehr bevorzugt, eine richtige Chance gehabt zu haben und an der Spitze zu kämpfen. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel das Gefühl, dass ich wirklich, wirklich gute Rennen gefahren bin. Besser als einige Rennen letztes Jahr, aber sie wurden einfach nicht auf die gleiche Weise belohnt. Und es ist schwierig für die Leute, das zu erkennen, wenn du ein wirklich gutes Rennen gefahren bist und du wirst 13. oder 14. Für dich persönlich war es eigentlich ein gutes Gefühl, aber es wurde nicht mit Punkten belohnt und niemand hat es so wirklich mitbekommen, wie gut es war. Aber so ist es einfach gelaufen.

Vandoorne erklärt: Deshalb sieht Fernando Alonso so viel besser aus

Du sagst, deine guten Rennen wurden nicht belohnt. Für uns ist es so, dass der Teamkollege immer der erste Gradmesser ist. Die Zahlen kann man natürlich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, aber was das Qualifying und die anderen Statistiken angeht, sahst du in den letzten zwei Jahren nicht sehr gut aus. Was ist deine Erklärung dafür? Ist es einfach so, dass Fernando im Auto ein Killer ist?
Stoffel Vandoorne: Ich denke, Fernando ist natürlich sehr gut und ich glaube, ich muss seine Qualitäten nicht erklären. Das spricht alles für sich selbst. Aber ich denke, vergangenes Jahr war ich im Qualifying wahrscheinlich fast konkurrenzfähiger als dieses Jahr. Ein paar Probleme, die wir mit unserem Auto hatten was das Handling angeht, machten es schwierig, einen kleinen Performance-Schritt zu machen. Ich glaube, das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb ich im Qualifying dieses Jahr nicht so konkurrenzfähig aussah. Aber es gibt natürlich auch andere Dinge, die passiert sind, weshalb es für mich nicht so gut aussah. Aber im Rennen waren wir immer extrem nah beieinander.

Du warst in den Nachwuchsserien immer daran gewöhnt, ein Auto zu haben, mit dem du Rennen gewinnen kannst. Jeder Fahrer der so in die Formel 1 kommt, bekommt da ein bisschen ein Problem. Hattest du Probleme mit deiner mentalen Einstellung, dass selbst wenn du den besten Job in der Welt machst, du nichts gewinnen kannst?
Stoffel Vandoorne: Ich würde nicht sagen, dass ich ein Problem mit der mentalen Einstellung hatte. Aber es ist ein anderer Ansatz, wie du das Wochenende aufbaust. Vielleicht gibt es Dinge, die du anders machst, wenn du nicht um einen Sieg oder eine Meisterschaft kämpft. Dein Fokus liegt auf anderen Dingen, wenn es darum geht dein Wochenende vorzubereiten. Es ist definitiv eine andere Einstellung.

Die Formel 1 nur ein Traum geblieben?

Jeder junge Fahrer träumt von der Formel 1, du hast auch davon geträumt. War es ein Traum?
Stoffel Vandoorne: Nun, ich habe gemischte Gefühle, würde ich sagen. Natürlich wird die Formel 1 immer die Formel 1 sein, die schnellsten Autos, die du fahren kannst. Und ich bin sehr stolz, meinen Weg bis hierhin gemacht zu haben. Aber auf der anderen Seite gibt es so viel politisches Zeug, um das es geht, und du kannst dich nicht immer selbst managen. Das ist vielleicht der Teil, den ich nicht so sehr vermissen werde.

Was nimmst du von der Formel-1-Karriere mit? Was waren die Highlights und die Tiefpunkte?
Stoffel Vandoorne: Sehr viel Erfahrung, was das Arbeiten in diesem Umfeld angeht. Mit dem Team zu arbeiten, das Wochenende vorzubereiten. Ich denke, ich habe unglaublich viel in den zwei Jahren gelernt, die ich hier war. Es sind auch zwei Jahre Lebenserfahrung und da ist viel dabei, was ich davon mitnehmen und in mein nächstes Abenteuer einfließen lassen kann.

Vandoorne: Generelle Performance der Tiefpunkt

Und die Tiefpunkte?
Stoffel Vandoorne: Es ist schwierig zu sagen. Wahrscheinlich die Performance generell, die war nicht die beste. Nicht in der Lage zu sein um gute Ergebnisse zu kämpfen ist wahrscheinlich der Tiefpunkt. Aber ich denke, viele von euch werden zustimmen, dass nicht viel davon in meiner Hand lag. Und das war in der Formel 1 immer schon der Fall.

Gibt es etwas aus diesen zwei Jahren, das du bereust?
Stoffel Vandoorne: Nicht wirklich, nein. Ich denke, es gibt immer Dinge die du hättest anders machen können. Aber egal wie gut ein Rennen oder etwas das du gemacht hast war, du hast danach immer diese Gedanken: Okay, dieses oder jenes hätte etwas anders machen können. Aber ich habe bereue nicht, wie ich die Dinge angegangen bin.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter