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Formel 1, Villeneuve tadelt Vettel: Schwerer Fehler, unnötig

Sebastian Vettel wird der Unfall auf dem Hockenheimring wohl noch lange nachhängen. Experte Jacques Villeneuve ging hart mit dem Ferrari-Star ins Gericht.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Was für ein Drama, dieses Rennen mit Vettel. Kannst du verstehen, weshalb er in dieser Situation so hart gepusht hat?
Jacques Villeneuve: Nein. Ehrlich gesagt ist es ein Fehler der sehr einfach passieren kann. Vor allem wenn du der erste Fahrer bist, der an einen Abschnitt kommt der plötzlich nasser ist. Es passiert dann schnell. Aber es ist unnötig. Vor allem, wenn der Zweite dein Teamkollege ist.

Aber Lewis hat von hinten auf dem frischen Ultrasoft ziemlich hart gepusht...
Jacques Villeneuve: Das ist egal. Kimi war Zweiter, also war noch Zeit. Deshalb war es ein schwerer Fehler. Der Fehler ist schnell passiert, und er ist jedem schon passiert. Wäre Lewis in dem Moment in Führung gewesen, vielleicht hätte er den Fehler gemacht. Wer weiß? Aber es ist sehr schade, denn das Team hatte Kimi gerade erst gebeten ihn vorbeizulassen.

Kannst du diese Entscheidung nachvollziehen?
Jacques Villeneuve: Ja und nein. Aber Vettel hinterher sowieso nicht schnell genug. Er hätte eine Sekunde pro Runde schneller sein müssen, wie er zuvor behauptet hatte. Aber das war er nicht. Das war übel, und führte auch dazu, dass Kimi von Bottas erwischt wurde. Kimi hat bei der Aktion zwei Sekunden verloren, dann hing er hinter Magnussen, der ihn abgedrängt hat. Das hat das ganze Rennen geändert, also war es sehr kostspielig.

Hätten sie die Position einfach früher tauschen sollen? Denn Sebastian hat viel Zeit verloren und dadurch wurde unnötig Druck aufgebaut...
Jacques Villeneuve: Wenn du die Positionen sowieso tauschst, solltest du es früher machen. Aber es gab keinen Druck, er hatte eine komfortable Führung. Aber es war auch keine einfache Entscheidung, denn Kimi hatte eine gute Pace und er kämpft auch um die Weltmeisterschaft.

Auf der anderen Seite haben wir Lewis‘ Sieg von Startplatz 14...
Jacques Villeneuve: Nein, das ist nichts Besonderes. Ferrari und Mercedes kommen immer innerhalb von fünf Runden zurück in die Top-6, mit DRS. Und die anderen Fahrer lassen sie auch einfach vorbei. Platz 14 sollte man wie Platz 6 werten, denn da begann für ihn das richtige Rennen. Es ist nicht wie früher, als es noch richtig schwer war vom letzten Startplatz durchs Feld zu kommen. Jetzt ist es super einfach an zehn Autos vorbeizugehen. Sie sind langsamer, du hast DRS und sie lassen dich sowieso vorbei. Du hast niemanden gesehen, der ihn geblockt hat. So ist es mittlerweile. Wir wussten, dass er im Rennen vorne dabei sein würde. Und wenn du einmal dran bist, kann alles passieren.

Hockenheim 2018: Wie teuer kommt Vettel sein Fehler zu stehen?: (06:52 Min.)

Glaubst du, dass dieses Rennen Konsequenzen für die Weltmeisterschaft haben könnte? Gerade was die mentale Seite von Sebastian angeht, der das Rennen anführte...
Jacques Villeneuve: Ich denke, es wird mehr für Lewis einen Unterschied machen. Lewis war niedergeschlagen, komplett am Boden, haderte warum das Leben gegen ihn ist. Und das hier wird ihm wieder Auftrieb geben. So wie letztes Jahr in Singapur. Davor war Lewis auch niedergeschlagen. Nach Sebs Fehler in Singapur hatte Lewis auf einmal wieder das Gefühl: Wow, ich bin wieder großartig! Und das hier kann denselben Effekt haben. Andererseits haben wir noch zehn Rennen, also sollte man sich darüber jetzt noch nicht so viele Sorgen machen.

Auf der anderen Seite war es nur ein kleiner Fehler, der Sebastian das Rennen gekostet hat. So sollte Formel 1 doch sein, mit solchen Rennstrecken mit wenig Auslaufzone, oder?
Jacques Villeneuve: Ja. Es ist schrecklich für Vettel, aber so sollte es sein. So sollte Racing sein.

Den Deutschland GP sehen wir aber für eine Weile wahrscheinlich nicht wieder...
Jacques Villeneuve: Ich denke es war dieses Mal ein Erfolg. Viele Zuschauer, ein gutes Rennen. Das ist wirklich schade. Frankreich, England, Italien, Deutschland. Diese vier Länder sollten immer ein Rennen haben.

Kannst du verstehen, dass das Land für den Grand Prix der Formel 1 nicht aufkommen will?
Jacques Villeneuve: Nein, ich finde es lächerlich. Es bringt so viel Geld, es ist ein internationales Geschäft. Es ist lächerlich, dass sich das Land nicht engagiert, so wie es beinahe überall ist. Selbst in Montreal ist das Land involviert. Das ist normal, es kann nicht als privates Event betrieben werden. Denn es ist größer als privat. Es ist nicht die Fußball Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele, aber die sind auch nur alle vier Jahre. Als einzelnes Event ist es das größte auf der Welt und hat einen großen Einfluss auf die Menschen. Also sollte das Land involviert sein, das ist für mich nur logisch.


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