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Formel 1 2018, Sebastian Vettels Hockenheim-Fluch: wieder nix

Sebastian Vettel knüpft mit seinem Hockenheim-Unfall 2018 an eine Horrorstory bei seinem Heimrennen an. Nico Rosberg spricht von einem Fluch. Ein Rückblick.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nur 30 Autominuten entfernt vom Hockenheimring, direkt hinter der Landesgrenze, wuchs Sebastian Vettel in der hessischen Kleinstadt Heppenheim auf. Das wahre Heimrennen des vierfachen Formel-1-Weltmeisters befindet sich also nicht auf dem Nürburgring, den Vettel 2013 bereits bezwang, mit Red Bull seinen einzigen F1-Karrieresieg beim Deutschland GP feierte, sondern in Hockenheim.

Doch ausgerechnet dort, für die Reiseverhältnisse in der Formel 1 direkt vor der Haustür Vettels, läuft es für den Deutschen einfach nicht. Noch nie vermochte Vettel seinen echten Heim Grand Prix zu gewinnen. In nun insgesamt sechs Anläufen sprang nicht einmal mehr als ein einziges Podium heraus. "Natürlich wäre es etwas ganz Besonderes, hier zu gewinnen, es würde mir mehr bedeuten als die 25 Punkte", sagte Vettel vor dem Rennwochenende 2018.

Vettel-Unfall: Erster Hockenheim-Sieg endet im Kiesbett

Spätestens nach den ersten Eindrücken am Freitag witterte er dann seine Chance. "Ich fühle mich dieses Jahr eigentlich ganz wohl hier. Die letzten Male war hier irgendwie immer aus irgendeinem Grund der Wurm drin. Bis jetzt läuft es aber ganz gut", sagte Vettel mit großer Hoffnung für jenes Rennen, mit dem auch als Fan aus Jugendjahren so viele Erinnerungen, erste Formel-1-Erlebnisse verbindet. Und es sollte sogar noch besser werden.

Hockenheim 2018: Wie teuer kommt Vettel sein Fehler zu stehen?: (06:52 Min.)

Nach dem Qualifying und Start am Sonntag sah es so gut aus wie nie zuvor. Vettel fuhr auf Pole, führte im Rennen souverän. Doch als der Himmel über Hockenheim seine Schleusen öffnete, ging alles schief. Unfall! Vettel patzte im Motordrom, krachte direkt vor den Augen der meisten der 72.000 Fans an der erstmals seit Ewigkeiten wieder ausverkauften Strecke in die Wand. Das Aus aller Träume.

Nico Rosberg: Auf Vettel liegt echt ein Hockenheim-Fluch

Doch keine Erlösung von einem regelrechten Hockenheim-Fluch. Den zumindest attestiert Deutschlands bis dato letzter F1-Weltmeister Nico Rosberg seinem potentiellen Nachfolger in dieser Rolle. "Der hat echt einen Hockenheim-Fluch auf sich liegen, der hat hier noch nie gewonnen. Echt heftig. Mal sehen wie er sich von der Enttäuschung wieder hochrappelt", so YouTuber Rosberg.

Dabei habe Vettel doch alle Asse in Händen gehalten. "Sebastian, Mann! Der hat alles perfekt gemacht, hatte alles in der Hand und hat es dann komplett weggeworfen. Ganz alleine", so Rosberg. Schuld sei nur Vettel selbst. Mitschuldige oder gar Entschuldigungen sieht Rosberg nicht.

Vettels Hockenheim-Fluch im Rückblick

"Natürlich war es schwierig, es hat ein bisschen geregnet. Aber er hatte auch den Platz nach hinten, hätte ein bisschen mehr rausnehmen können - und dann haut er das Ding raus in die Wand. Ganz alleine. Das mit die dunkelsten Momente überhaupt, auch in seiner Karriere", befindet Rosberg.

Speziell mit Blick auf die bisherigen gescheiterten Siegversuche Vettels in Hockenheim sicherlich richtig. Doch hatten dort schon einige vorherige Anläufe es ziemlich in sich. Motorsport-Magazin.com mit einem Rückblick auf die sechs sieglosen Heimrennen Sebastian Vettels in Hockenheim:

Hockenheim 2008: Vettel holt WM-Punkt mit Toro Rosso

Der erste Formel-1-Auftritt Sebastian Vettels in Hockenheim war auf dem Papier der bis zu seinem Ausfall 2018 schlechteste. Doch im Hinblick auf die Erwartungen war es dennoch fast der größte Erfolg: Damals noch 'nur' Toro Rosso erzielte Vettel nach Startplatz neun im Rennen einen WM-Punkt für Platz acht. Es war die dritte Punktankunft in Vettels erster voller F1-Saison. Später im Jahr sollte sein berüchtigter Wundersieg im Regen von Monza glücken.

Hockenheim 2010: Einziges Vettel-Podium, nach Pole aber nur P3

Bei seinem zweiten Aufgalopp mit der Formel 1 auf dem Hockenheimring war - wie acht Jahre später mit Ferrari - eigentlich alles angerichtet für die große Vettel-Party am Sonntag. Im Qualifying hatte sich der spätere Weltmeister in einem Tausendstelkrimi gegen Fernando Alonso durchgesetzt. Pole mit zwei Millisekunden Vorsprung.

Doch im Rennen war für Vettel im Red Bull gegen gleich beide Ferrari kein Kraut mehr gewachsen. Schon am Start kassierten die Roten den Bullen. Immerhin über sein bis heute noch immer einziges Podium in Hockenheim konnte sich Vettel mit P3 nach dem viel zitierten Teamorder-Skandal um Massa und Alonso freuen.

Formel 1 2018: Wie sieht Sebastian Vettels F1-Zukunft aus?: (26:30 Min.)

Hockenheim 2012: Vettel verliert P2 am grünen Tisch

Zwei Jahre später kam Vettel mit ähnlich guten Voraussetzungen zum dritten Mal mit der Formel 1 nach Hockenheim. Wieder war der Red Bull ein absolut siegfähiges Auto, wenngleich 2012 wie schon 2010, aber anders als 2011 und 2013, nicht unfassbar überlegen war, mindestens mit Ferrari auf Augenhöhe kämpfte. Im Qualifying war es so auch ein Ferrari, der Vettel als einziger bezwang. Alonso startete somit vor Vettel von Pole und erzielte am Sonntag auch einen recht ungefährdeten Sieg. Doch für Vettel sollte es nicht einmal zu P2 reichen.

Michael Schumachers Mercedes wehrte er am Start noch ab, doch in der zweiten Boxenstopp-Phase verlor Vettel P2 an den McLaren von Jenson Button, der einen neuen Rekord-Reifenservice erhalten hatte. Das wollte Vettel nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Runden vor Schluss attackierte er Button in der Haarnadel - dabei unterlief ihm der fatale Fehler.

Vettel hatte beim Überholen die Strecke mit allen vier Rädern verlassen, kassierte dafür 20 Sekunden Zeitstrafe. Das warf ihn im Rennergebnis zurück auf P5. Immerhin vor 59.000 Fans auf dem Podium feiern konnte Vettel noch - die Strafe erfolgte erst nachträglich.

Hockenheim 2014: Vierter Maximum im Seuchenjahr

Die Formel-1-Saison 2014 war die bis dato größte Seuchensaison für Sebastian Vettel. Im ersten Jahr der Hybrid-Ära war Red Bull plötzlich heillos unterlegen, Vettel verlor seinen Drive, musste sich so über das hinweg recht deutlich und überraschend seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo beugen. Auch in Hockenheim ging es wieder so los. Vettel qualifizierte sich nur als Sechster, drei Zehntel hinter Ricciardo. Den rang er immer Rennen zwar nieder, doch reichte es mit unterlegenem Material schlicht nicht zu mehr als P4.

Hockenheim 2016: Keine Chance mit Ferrari, Vettel schenkt ab

Zwei Jahre später kam Vettel erstmals als Ferrari-Pilot nach Hockenheim. Doch anders als im Vorjahr, seinem ersten bei Ferrari, lief es 2016 generell nicht mehr so prickelnd für Vettel bei den Roten. Ein Stück weit wurde das Jahr eine Kopie der Saison 2014 bei Red Bull. So verlor Vettel auch das Qualifying-Duell gegen Kimi Räikkönen. Hockenheim war dabei keine Ausnahme.

Auch der Deutschland GP wurde eine sehr durchwachsene Nummer. Von P6 gestartet reichte es im Rennen einzig dazu, Teamkollege Räikkönen zu knacken. Mercedes und Red Bull waren zu stark. Doch selbst Platz fünf sollte Vettel fast noch verlieren, weil er das Rennen eine Runde zu früh für beendet hielt, schon vom Gas ging, beinahe wieder vom Iceman kassiert wurde. Sinnbildlicher ging es kaum. Vettel hatte in diesem Jahr schon so gut wie abgeschenkt.

Hockenheim 2018: Lange Führung, dann Crash im Regen

Mit dem diesjährigen Rennen in Hockenheim erlebte Vettel jedoch den größten Tiefpunkt beim seinem Heimrennen, vielleicht sogar seiner gesamten Karriere überhaupt. Anders als bei dem vor allem durch technische Defekte verlorenen WM-Titel 2017, war der Deutsche diesmal nämlich in erster Linie selbst verantwortlich für eine ganz bittere Stunde vor ausverkaufter Hütter in Hockenheim.

Klar auf Siegkurs bremste Vettel bei einsetzendem Regen in der Sachskurve des Motodroms - also direkt vor Augen des Großteils der 72.000 Zuschauer an der Strecke - zu spät, fuhr ins Kiesbett und die Streckenbegrenzung. Das Ende aller Träume. Zwar trieb Hamilton Vettel ein Stück weit in den Fehler, auch Ferrari half mit einem viel zu spät angeordneten Positionswechsel mit Kimi Räikkönen zuvor auch nicht mit, doch am Ende war es Vettels eigener Patzer. So klein er auch gewesen sein mag.


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