Formel 1

Formel 1, Leclerc nach Monaco gefrustet: Von Hartley blockiert

Vor seinem Crash kämpfte Sauber-Pilot Charles Leclerc in Monaco um Punkte. Doch Brendon Hartley hielt ihn auf. Leclerc glaubt an Absicht. Was ist passiert?
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Charles Leclerc ist nach seinem ersten Heim-GP in der Formel 1 in Monaco gefrustet. Nicht nur, weil er nach Bremsversagen auf den Toro Rosso von Brendon Hartley auffuhr und damit beide aus dem Monaco-GP rausschoss. Vorher musste er 55 Runden hinter einem sehr langsamen Brendon Hartley nachfahren. So langsam, dass Leclerc danach einen Taktik-Trick von Toro Rosso vermutete.

"Puuuh", stöhnt Leclerc nach dem Rennen. "Das war so frustrierend. Ich glaube, Toro Rosso hat ein bisschen ein Spiel gespielt. Brendon ist ganz klar langsamer geworden", legt er sich fest. "An einem Punkt waren wir 2,8 Sekunden langsamer als bei den Runden am Ende des Rennens, und er hatte keine besonderen Probleme."

Opferte Toro Rosso Hartley für Gasly?

Nach frühem Stopp waren Hartley und Leclerc nämlich dran an Punkten, dann wurde Hartley langsamer. So langsam, dass Gasly nach seinem Boxenstopp vor Hartley wieder rauskam. Leclerc aber steckte weiterhin hinter Hartley fest, und sah seine Punkte davonfahren.

"Wir waren eigentlich in einer guten Position, um Punkte zu machen", ist er sich sicher. "In der Theorie wären Hülkenberg, Gasly und so in die Box gekommen, hinter uns zurückgefallen, und wir wären in den Punkten." Hülkenberg fuhr 50 Runden auf seinem ersten Reifensatz, Gasly 37 Runden.

Besonders die 37 Runden von Gasly waren eigentlich unglaublich. Gasly fuhr nämlich auf dem alten Hypersoft-Reifen, mit dem er schon das Qualifying bestritten hatte. "Ich habe versucht, von Anfang an auf die Reifen aufzupassen. Als ich dann alleine auf der Strecke war, konnte ich Vollgas geben, weil ich mich gut im Auto gefühlt habe", freut sich Gasly nach dem Rennen.

Analyse Monaco: Wieviel Zeit verlor Hartley auf Gasly?

Mittels Analyse der Rundenzeiten aus Monaco beantwortet Motorsport-Magazin.com jetzt die Frage, ob Hartley tatsächlich absichtlich verzögert hat. Die Ausgangslage: Hartley lag nach dem Start hinter Leclerc, holte sich aber dank frühem Wechsel auf Ultrasoft-Reifen in Runde 13 den Platz mit einem Undercut. Leclerc kam später rein, musste sich hinten anstellen. Von da an fuhren die beiden hintereinander.

Mit frischen Reifen und frühem Stopp konnten beide gute Zeiten fahren. In Runde 25 hingen Hartley und Leclerc direkt hinter der Kampfgruppe Hülkenberg-Ocon-Alonso-Verstappen-Sainz. Also fast auf Punkte-Kurs, Hülkenberg und Verstappen sowie Gasly etwas weiter vorne mussten noch an die Box. Dann bekam Toro Rosso schlechte Nachrichten: 5 Strafsekunden für Hartley, er war in der Boxengasse zu schnell gefahren. Damit waren seine Punkte-Chancen wesentlich schlechter als die von Pierre Gasly, falls sich das Feld am Ende noch einmal zusammenschieben sollte. Wie zum Beispiel nach einem Safety Car.

Bei Hartley folgte in Runde 26 dann der Rundenzeiten-Einbruch. Statt 1:18er-Zeiten fuhr er nur mehr 1:19, dann begannen seine Zeiten auch noch stark zu schwanken. Hartley rechtfertigte seinen Einbruch später mit Reifenproblemen, wie alle anderen litt er unter starkem Graining an der Vorderachse: "Ich hatte eine Phase von 10 Runden, wo es schlimmer wurde, dann kam die Balance zurück. Es war schwierig zu pushen, ohne dass das Graining wieder auftrat."

Zusätzlich hatte er sich beim Start den Frontflügel beschädigt: "Ich musste echt auf die Vorderreifen achten, mit wenig Abtrieb vorne war es noch schlimmer." Aber das Team mahnte ihn zur Geduld - andere Fahrer hatten das gleiche Graining-Problem, es sollte wieder besser werden.

Zuerst einmal ging aber eine 27 Sekunden große Lücke zu Pierre Gasly auf. Das reichte locker, um Gasly an die Box zu holen und ihn vor Hartley und Leclerc wieder rauszubringen. Genau das machte Toro Rosso in Runde 37. Dann begannen sich Hartleys Zeiten, wie von der Box angekündigt, langsam zu erholen.

Von da an fuhr Hartley jede Runde etwas schneller, ab Runde 52 wieder unter 1:19, in Runde 59 dann sogar unter 1:18. Neben Gasly waren da jedoch auch schon Hülkenberg und Verstappen an der Box gewesen, und auch sie kamen vor Hartley und Leclerc wieder raus. Letztendlich holte Hartley fast den Reifen-geplagten Carlos Sainz noch ein, dann fand sein Rennen nach dem unglücklichen Crash mit Leclerc ein abruptes Ende.

Anzumerken ist jedoch, dass Gasly nach seinem Stopp mit einem mehr als komfortablen Polster von über 10 Sekunden vor Hartley wieder auf die Strecke kam. Entweder war Toro Rosso bei der Verzögerungs-Taktik übervorsichtig, oder Hartley hatte tatsächlich mit den Reifen zu kämpfen. Außerdem scheint es unwahrscheinlich, dass Toro Rosso nicht zumindest versuchen würde, Hartley vor Hülkenberg und Verstappen zu halten. Schließlich lag Gasly vor seinem Stopp 10 Sekunden vor der Hülkenberg-Gruppe - das wäre eine sehr schlecht bemessene Blockade-Aktion.

Wie in der Tabelle zu sehen ist, war der Abstand von Hartley auf Hülkenberg in Runde 36 - der letzten Runde vor dem Gasly-Stopp - noch gar nicht so schlimm. Gleiches galt für den Rückstand auf Verstappen. Aber auch nach dem Stopp von Gasly verlor Hartley danach weiter Zeit auf diese beiden, und als sie schließlich zum Stopp kamen, waren die Positionen für Hartley verloren.

Fahrer Vorsprung auf Hartley in Runde 36
Gasly - 27,204 Sekunden
Hülkenberg - 15,849 Sekunden
Verstappen - 10,949 Sekunden

Leclerc: Sauber hätte dasselbe gemacht

Charles Leclerc ist jedenfalls überzeugt davon, dass Hartley auf Anweisung von Toro Rosso langsam machte. Übel nimmt er ihnen das nicht: "Ich meine, wenn wir in der Position wären, mit Brendons Strafe, dann hätten wir als Team wahrscheinlich das gleiche gemacht."

"Ich gebe nicht Toro Rosso die Schuld", winkt Leclerc also ab. "Es war sehr frustrierend, hinter ihm zu hängen und nicht überholen zu können. Aber das ist Teil des Rennens, und so ist Monaco, das wissen wir."


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