Formel 1

Formel 1 Rennanalyse Monaco 2018: Die verrückte Langeweile

Der Monaco GP 2018 wirkte für viele wie ein Schlafmittel. Doch tatsächlich hatte es das Formel-1-Rennen im Fürstentum in sich. Was wirklich los war.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Wie sagt man so schön bei schlechten Fußballspielen: Ein Spiel für Liebhaber. So könnte man den Monaco GP 2018 auch treffend beschreiben. Ein Formel-1-Rennen für diejenigen, die nicht immer Karbonschrott benötigen, sondern die schon allein die Anmut der schnellsten Rennautos auf diesem Planeten ergötzt.

Daniel Ricciardo führte nicht nur jede einzelne Runde des Rennens, sondern fuhr dabei auch noch furchtbar langsam. Und trotzdem konnte Sebastian Vettel nicht überholen, noch nicht einmal zum Überholversuch ansetzen. Auch dahinter war zwischen Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas nicht besonders viel los.

Bis Esteban Ocon auf Platz sechs kamen alle Piloten auf der Position ins Ziel, auf der sie losgefahren waren. Wäre Fernando Alonso nicht wegen eines technischen Defekts ausgefallen, würde diese Statistik um eine Position erweitert. Irgendwie der normale Monaco-Wahnsinn könnte man meinen.

Aber der Monaco GP 2018 war irgendwie anders, irgendwie komisch. Bei allem Monte-Carlo-Verdruss bekamen einige von den gravierenden Problemen Daniel Ricciardos gar nichts mit. Der Red-Bull-Pilot hätte das Rennen fast aufgeben müssen, weil die MGU-K an seinem Auto den Dienst quittierte.

Nicht nur, dass Ricciardo 163 PS fehlten, auch Bremsen und Reifen wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Das Rennen war nach seinem Stopp in Runde 17 auf Messers Schneide. Und das hatte nicht nur Auswirkungen auf den Kampf Ricciardo vs. Vettel.

Die Top Fünf schoben sich dadurch enger zusammen. Allerdings kam es zu eigenartigen Effekten. Lewis Hamilton konnte auf das Führungsduo nämlich zunächst kein bisschen aufholen. Stattdessen bekam der Weltmeister Druck von hinten: Räikkönen verkleinerte den Rückstand auf Hamilton, Bottas stürmte von ganz weit hinten auf den Supersoft-Reifen heran.

In Runde 19 lag Bottas noch 18 Sekunden hinter seinem Teamkollegen, in Runde 31 waren es nur noch gut zwei Sekunden. Als einziger Pilot in den Top Fünf ging Bottas nicht auf Ultrasoft, sondern auf Supersoft. Zudem musste Hamilton im Gegensatz zur Konkurrenz auf gebrauchten Ultrasofts ran, was ihm wohl vor allem zu Beginn des Stints Probleme bereitete.

Erst ab Runde 31 etwa konnte Hamilton seinerseits den Rückstand auf Ricciardo verkleinern. In zehn Runden verkleinerte er den Rückstand von rund elf auf nur noch drei Sekunden. Räikkönen und Bottas konnten mitziehen, so dass die ersten Fünf in Runde 55 innerhalb von gut fünf Sekunden lagen.

Für Bottas eigentlich die perfekte Ausgangslage, um auf eine Zweistopp-Strategie zu wechseln. Durch einen Stopp zu diesem Zeitpunkt hätte er keine Position verloren, hätte dann die Aufholjagd noch mit deutlich frischeren Reifen anpacken können. Oder Ferrari hätte mir Räikkönen nachgezogen, wodurch Mercedes die Chance auf einen Undercut gehabt hätte.

Aber Mercedes holte Bottas nicht rein. Zum einen, weil das Fenster klein war. Ein kleiner Fehler und Bottas wäre hinter Ocon wieder rausgekommen. Ein um nur eine Runde falsch getimter Stopp und Bottas wäre ebenfalls hinter Ocon rausgekommen. Der Force-India-Pilot holte auf das Spitzen-Quintett auf.

Außerdem traute sich Mercedes nicht, denn einen weiteren Satz Supersofts hatte Bottas nicht mehr. Die Ultrasofts waren wie die von Hamilton gebraucht und die Performance des Weltmeisters darauf schreckte eher ab. Bei den Hypersoft war sich Mercedes nicht sicher, ob sie bis zum Ende halten würden. "Und selbst wenn du fünf Sekunden schneller warst, konntest du nicht überholen, außer etwas komisches ist passiert", erklärt Mercedes Motorsportchef Toto Wolff.

Doch damit noch nicht genug des eigenartigen Rennverlaufs. Ab Runde 55 wurde Ricciardo plötzlich wieder schneller. Eine Erklärung hat Red Bull hierfür nicht. Überrundungen gab es auch zuvor nicht. Während Vettel das Tempo locker mitgehen konnte, musste Hamilton wieder abreißen lassen. Und hinter Hamilton erging es Räikkönen ähnlich.

Wie langsam dabei das Tempo an der Spitze von Ricciardo war, zeigte Esteban Ocon. Er verkleinerte seinen Rückstand von 45 Sekunden in Runde 24 konstant auf 17 Sekunden in Runde 70. Der Force-India-Pilot beendete das Rennen nur etwas mehr als sechs Sekunden hinter dem Drittplatzierten Lewis Hamilton.

Dass Ricciardo Vettel am Ende nach der VSC-Phase noch einmal davonziehen konnte, hat vermutlich zwei Gründe: Weil der überrundete Stoffel Vandoorne auf frischen Reifen direkt hinter Ricciardo lag, musste der Red-Bull-Pilot etwas pushen, um nicht wieder entrundet zu werden. Ricciardo mied es, für Vandoorne Platz zu machen. Währenddessen ging Vettel beim Restart auf Nummer Sicher. Dazu brauchte er noch deutlich länger als Ricciardo, um die Reifen wieder ins Temperaturfenster zu bekommen. So konnte Ricciardo mit seinem defekten Auto am Ende allen noch ein paar Sekunden aufbrummen. Ein verrücktes Rennen - aber eben nur für Liebhaber...


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