Nur ein Podest aus den letzten fünf Grands Prix nach zuvor neun Podien aus acht Rennwochenenden: So liest sich die Bilanz von Ferrari im Jahr 2024. Dass die Scuderia an diesem Wochenende beim Belgien-GP zum ersten Mal seit dem Rennen in Spielberg wieder eine Trophäe wird mitnehmen können, erscheint im Hinblick auf die pure Performance am Trainings-Freitag in Spa eher unwahrscheinlich.

Den Positionen sechs und neun im ersten Freien Training ließen Charles Leclerc und Carlos Sainz im FP2 die Ränge vier und fünf folgen. Damit waren die beiden Ferrari-Piloten zwar schneller als beide Mercedes-Boliden, auf Max Verstappen auf Position drei fehlten Leclerc als schnellerem der beiden Fahrer im FP2 aber mehr als dreieinhalb Zehntelsekunden. Auf die Bestzeit von Lando Norris hatte Leclerc sogar mehr als eine halbe Sekunde Rückstand.

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Leclerc rätselt nach Trainings-Freitag: Kräfteverhältnis schwierig zu verstehen

Leclerc zeigte sich nach dem Auftakt in das Rennwochenende vor allem ratlos. "Es ist um ehrlich zu sein ein sehr schwierig zu verstehender Tag", so der Monegasse. "Es gab große Unterschiede bei der Pace in verschiedenen Bedingungen und auf verschiedenen Reifen." Zwar sei das Kräfteverhältnis an Freitagen in der Ground-Effect-Ära üblicherweise schwer nachzuvollziehen, fuhr Leclerc fort, aber: "Heute ist es sogar noch schwieriger."

Was jedoch auch für Leclerc eindeutig erscheint: Um die McLarens und Max Verstappen an diesem Wochenende zu gefährden, werden wohl auch deutliche Verbesserungen im weiteren Verlauf des Belgien-GP nicht reichen. "Leider straucheln wir einfach, vor allem im Vergleich zu McLaren, es ist ein bisschen überall", meinte der sechsfache GP-Sieger. "Wir haben also keine magische Lösung für morgen."

Ferrari-Fahrer Charles Leclerc
Charles Leclerc war am Freitag in Belgien weit von Bestzeiten entfernt, Foto: LAT Images

Erhöhter Reifenverschleiß durch neuen Asphalt in Belgien?

Zusätzlich erschwert wird die Setup-Arbeit bei der Formel 1 in Belgien durch den teilweise neuen Asphalt auf dem Circuit de Spa-Francorchamps. Dieser wurde im Vergleich zum Vorjahr zwischen dem Ausgang von Kurve 17 und dem Eingang von Kurve 2, dem Ausgang von Kurve 4 und dem Eingang von Kurve 8, sowie dem Ausgang von Kurve 14 und dem Eingang von Kurve 15 erneuert. "Es ist ein sehr anderes Spa, als wir es gewohnt sind", meinte Sainz nach seinen ersten Erfahrungswerten mit der neuen Fahrbahn.

Laut Aussagen diverser Fahrer bietet der Asphalt deutlich mehr Grip als zuvor - was sich auch auf das Rennen auswirken könnte. "Es gibt deutlich mehr Reifenverschleiß, was den Verschleiß kniffliger und weniger leicht zu kontrollieren macht", berichtete Sainz. "Das wird uns, den Formel-1-Teams und Fahrern, heute Nacht einige Kopfschmerzen bereiten."

Hinzu kommt die Herausforderung des traditionell unbeständigen Wetters in Spa. Während im Qualifying morgen eine nasse Strecke erwartet wird, soll es am Sonntag trocken bleiben, was den Setup-Kompromiss weiter erschwert. "Es sieht so aus, als ob es ein nasses Qualifying geben wird, aber gleichzeitig wurde gesagt, dass es heute den ganzen Tag regnen würde, und das hat es nicht", zeigte sich Sainz bezüglich der Vorhersage allerdings skeptisch. "Wir gehen also offen in den Tag morgen. Das Wetter ist hier immer unvorhersehbar und wir werden uns einfach daran anpassen müssen, was auch immer kommen mag."

Ferrari-Fahrer Carlos Sainz Jr. gibt den Medien Interviews
Carlos Sainz geht in Spa von einem erhöhten Reifenverschleiß aus, Foto: LAT Images

Während Ferrari nach wie vor im Entwicklungsrennen den Anschluss sucht, wird der Sieg in Belgien wohl wieder zwischen McLaren und Red Bull ausgefochten werden. Besonders erstere zeigten sich am Trainingsfreitag wieder stark aufgelegt. Ist das Traditionsteam aus Woking wie in Ungarn unantastbar, zumal Verstappen von außerhalb der Top-10 starten wird? Einen ersten Vorgeschmack für den weiteren Wochenendverlauf liefert unsere Trainings-Analyse: