Formel 1

Formel 1, China-Gamechanger Toro-Rosso-Unfall: Missverständnis

Der Unfall von Brendon Hartley und Pierre Gasly in Shanghai stellte das ganze F1-Rennen in China auf den Kopf. Was war da denn los bei Toro Rosso?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Es war die rennentscheidende Szene der 2018er Ausgabe des China GP der Formel 1. Nein, nicht der perfekte Undercut Mercedes' gegen Sebastian Vettel. Nein, nicht die Kollision des Ferrari-Piloten mit Max Verstappen. Nein, nicht die gefühlt unendlichen Überholmanöver seines Red-Bull-Kollegen Daniel Ricciardo. Sondern der Unfall beim Juniorteam der Bullen.

In Runde 29 kollidierten Brendon Hartley und Pierre Gasly - wie später Verstappen und Vettel an exakt derselben Stelle - in der Haarnadel nach der mehr als einen Kilometer langen Gegengeraden des Shanghai International Circuits. Die Trümmer des Crashs führten zu der berüchtigten Safety-Car-Phase, die das Rennen an der Spitze komplett auf den Kopf stellen sollte. Doch wie war es überhaupt zu dem teaminternen Krach bei Toro Rosso gekommen?

Unfall Gasly / Hartley in China: Das ist passiert

Die Szene: Gasly, auf frischeren Reifen unterwegs, saugte sich an Hartley heran, und wollte sich innen am Neuseeländer vorbeizwängen. Doch Hartley warf die Tür zu, sodass der Franzose dem Kiwi ins Heck krachte. Hartley drehte sich weg, beschädigte sich das Getriebe seines STR13 und musste kurz vor Rennende aufgeben. Gasly schleppte sich als Vorletzter in einem ebenfalls, vor allem am Frontflügel, lädierten Toro Rosso, ins Ziel.

Im TV-Bild sah es auch nach der x-ten Ansicht von Wiederholung und Zeitlupen nach einem klaren Fall aus: Gasly schien sich schlicht verbremst oder verschätzt zu haben. Gasly regte sich zunächst jedoch am Funk auf, machte Hartley verantwortlich. Später jedoch revidierte er seine Meinung. "Ich entschuldige mich bei Brendon für unsere Kollision", so Gasly.

Toro Rossos China-Crash: Das war der Grund für den Knall

Doch warum der plötzliche Sinneswandel? Ganz einfach: Wogen glätten, keinen teaminternen Stress hervorbeschwören. Zumal die Szene laut allen Beteiligten samt des Teams letztlich einen ganz anderen Grund als Verschätzen seitens Gasly oder Übersehens seitens Hartley hatte. Es habe schlicht ein Missverständnis vorgelegen.

"Die Kollision zwischen den beiden Fahrer ist durch ein Missverständnis bei der Kommunikation entstanden", berichtet Teamchef Franz Tost. "Das Team hat mir gesagt, dass wir unsere Positionen tauschen würden. Deshalb bin ich nach am Ende der Geraden nach innen gezogen und dachte, er würde mir Platz lassen. Ich denke, dass er mich nicht gesehen hat, ich war innen und dann gab es schon nichts mehr, das ich tun konnte", schildert Gasly.

Gasly: Klar sehe ich im TV schlecht aus, aber …

"Klar sehe ich im TV da sicher schlecht aus, aber wie wir es besprochen hatten war eigentlich recht klar, dass wir den Tausch dort machen würden. Ich habe nie erwartet, dass es so einlenken würde. So haben wir viel Zeit verloren und danach war auch noch das Auto schwierig zu fahren, sodass ich nichts mehr ausrichten konnte", ergänzt Gasly mit Blick auf die Beschädigung seines Boliden. "Wenn wir im Zweikampf gewesen wären hätte ich so etwas natürlich nie versucht", wehrt sich Gasly gegen den naheliegenden Vergleich mit dem Verstappen-Manöver gegen Vettel – zumal Gasly mit zehn Sekunden Zeitstrafe und zwei Strafpunkten auch die idente Strafe kassierte.

"Ich denke, dass der Unfall mit Pierre durch eine Fehlkommunikation entstanden ist", bestätigt Hartley. Der Neuseeländer erklärt auch die Details: "Schon am Start des Rennens hat uns das Team gebeten, die Positionen zu tauschen, da wir auf völlig anderen Strategien waren und mit dem Ultrasoft zu kämpfen hatten. Also habe ich ihn am Ausgang von Kurve 14 [die Haarnadel, Anm. der Red.] vorbeigelassen. Als wir dann zum zweiten Mal [in Runde 32, Anm. d. Red.]die Positionen tauschen sollten, habe ich dasselbe geplant, aber am Scheitelpunkt wurde ich dann von hinten getroffen. Er muss gedacht haben, dass ich die Tür schon am Eingang aufmache, was nicht der Fall war."

Toro Rosso in China wieder weit weg von Wunder

Auch ohne den Zwischenfall war der China GP für Toro Rosso, in Bahrain noch die gefeierten Helden, eine Vollkatastrophe. Das Team kam einfach nicht in Fahrt, kämpfte mit dem Setup, haderte mit dem Streckenlayout, mit Wind und Reifen. "Es war insgesamt ein echt schwieriges Wochenende. Wir haben seit Samstagmorgen nie Pace gefunden", klagt Gasly.

"Toro Rosso hat leider nicht gut performt. Dieses Wochenende haben wir von Anfang an gekämpft, waren fast ganz hinten in der Startaufstellung und während des Rennens konnten wir auch nicht die nötige Pace finden", resümiert Teamchef Tost hart wie aufrichtig.


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