Mit dem anstehenden Double-Header der Formel E in Berlin trägt die Elektroweltmeisterschaft an diesem Wochenende ihr vorletztes Saisonevent 2025 aus. Neben den noch ausstehenden Entscheidungen im Meisterschaftskampf in allen drei Wertungen nimmt auch der Fahrermarkt für die Saison 2026 immer weiter an Fahrt auf.

Im Fokus steht dabei beim eigenen Heimrennen vor allem der deutsche Autobauer Porsche. Aktuellsten Gerüchten zufolge sollen die Zuffenhausener die Fühler nach Dan Ticktum ausgestreckt haben, der sich bei Porsche-Kundenteam Cupra-Kiro zuletzt mit einigen starken Resultaten profilieren und in Jakarta gar sein erstes Formel-E-Rennen gewinnen konnte, mit dem er sich auf den fünften Platz der Fahrer-WM vorarbeitete. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com finden jedoch derzeit keine Gespräche zwischen Porsche und Ticktum statt, eine Verpflichtung zumindest für 2026 kommt demnach wohl nicht in Frage.

Dan Ticktum bei der Formel E in Jakarta
Ticktum konnte in Jakarta seinen ersten Formel-E-Sieg feiern, Foto: IMAGO / PsnewZ

Porsche-Teamchef: Ticktum muss hart an sich arbeiten

Ohne direkt auf die Ticktum-Gerüchte einzugehen, ließ sich aus den Aussagen von Porsche-Teamchef Florian Modlinger im exklusiven Gespräch mit Motorsport-Magazin.com auch zumindest keine uneingeschränkte Überzeugung von Ticktum heraushören. „Er hat in den letzten Rennen mit unserem Paket einige Punkte geholt und sich vom Saisonbeginn bis jetzt gesteigert“, setzte Modlinger an. „Und die Zukunft wird zeigen, wie beständig er ist. Ich traue ihm zu, dass er konstant fahren kann, aber ich denke auch, dass er hart an sich arbeiten muss.“

Ticktum gilt trotz seines unbestreitbaren Speeds im Fahrerlager als nicht einfacher Charakter, der immer wieder mit Ausbrüchen am Funk auffällt und in der Vergangenheit auch das eigene Team teilweise scharf öffentlich kritisierte. Auch Ticktum selbst ist sich diesem Umstand bewusst. „Ich bin ein ziemlicher Charakter, ich bin nicht die am einfachsten mit zu arbeitende Person“, so der Brite bei einem gemeinsamen Event von Kiro-Titelsponsor Cupra und Sports Illustrated Deutschland im Vorfeld des ePrix, bei dem auch Motorsport-Magazin.com anwesend war.

Lob von Cupra-Kiro: Unglaublich einfach mit Ticktum zu arbeiten

Dieser Selbsteinschätzung Ticktums widersprach allerdings nur wenig später Cupra-Kiros Chefrenningenieur Mike Henderson, der ein überaus positives Bild von Ticktum zeichnete. „Trotz dieser kleinen Ausschnitte am Funk, die veröffentlicht werden, empfinde ich es als gerade besonders einfach mit Dan zu arbeiten“, so Henderson. „Man sieht diese Ausschnitte am Funk, aber das ist nicht der echte Dan, mit dem man arbeitet, da ist er tatsächlich unglaublich simpel.“

Er könne eine Menge komplizierter Informationen sehr schnell verarbeiten, fuhr Henderson fort. „Du musst also nicht am Abend Stunden mit ihm verbringen, wie du es mit anderen Fahrern tun musst.“ Auch sportlich zeigte er sich voll des Lobes für den 26-Jährigen. „Er hat eine fantastische Begabung, das Rennen zu lesen“, meinte der Brite. „Und weil es ein Energie-Spiel ist, ist es so wichtig, dass du das kannst, vorauszuschauen, ein Problem einzuschätzen. Denn dann kannst du automatisch Energie sparen und keine Rundenzeit verlieren.“

Porsche-Fahrerpaarung 2026: Trennung von Antonio Felix da Costa durch WEC?

Die aktuell nicht vorhandenen Gespräche mit Ticktum bedeuten indes nicht, dass es bei der aktuellen Porsche-Fahrerpaarung aus dem amtierenden Weltmeister Pascal Wehrlein und Antonio Felix da Costa bleibt. Während Wehrlein über einen längerfristigen Vertrag verfügt, gibt es gerade bei Felix da Costa wie im Vorjahr ein Fragezeichen – und das, obwohl der Portugiese in der WM mit nur fünf Punkten weniger als Wehrlein an dritter Stelle steht. Grund ist der vielfach bekundete Wunsch des Formel-E-Champions von 2020 nach einem Comeback in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC.

Antonio Felix da Costa bei der Formel E in Monaco
Die Wege von Antonio Felix da Costa und Porsche könnten sich trennen, Foto: IMAGO / Andreas Beil

Beim Porsche-Werksteam wurde eine derartige Doppelbelastung aus Formel E und WEC, wie ihn andere Hersteller wie etwa Nissan und Mahindra ihren Fahrern zugestehen, aufgrund der zusätzlichen zeitlichen, aber auch physischen Strapazen von jeher kritisch gesehen. So blieb Felix da Costa auch 2025 in der WEC außen vor. Wehrlein durfte zwar bei den 24-Stunden-Rennen in Daytona und Le Mans im Porsche-Hypercar starten, intern wurde dies jedoch vor allem als Belohnung für seinen Weltmeistertitel im Vorjahr angesehen und nach Informationen von MSM weil die zeitlichen Abläufe es zuließen. Ein Dauerengagement im Langstreckensport für Wehrlein parallel zur Formel E ist ebenfalls nicht vorgesehen.

Porsche schreibt Fahrer-WM vor Berlin-Heimspiel ab: Denken wir gar nicht dran

Sollte sich Felix da Costa von dem Wunsch auf ein WEC-Engagement 2026 nicht abbringen lassen, so wäre die Trennung wohl unausweichlich. Eine Entscheidung darüber liegt jedoch noch nicht vor. Im Hier und Jetzt konzentriert sich Porsche stattdessen vollends auf den Titelkampf in der Team- und Markenwertung. Während Wehrlein als Zweitplatzierter mit 69 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Oliver Rowland (Nissan) nur noch theoretische Titelchancen hat, liegt Porsche in der Teamwertung knapp vor dem Nissan-Werksteam und hat mit nur vier Zählern Rückstand auf die Japaner in der Hersteller-Wertung auch noch alles in der eigenen Hand.

“Wenn man sich den Punkteschlüssel anschaut, muss da schon etwas sehr Außergewöhnliches passieren und darauf spekulieren wir nicht“, wollte sich Modlinger auch nicht der möglichen Resthoffnung auf die Verteidigung des Fahrertitels hingeben, den Wehrlein bereits früh für mehr oder minder abgeschrieben erklärte. „Wir bleiben realistisch. Teammeisterschaft, Herstellermeisterschaft: Um die kämpfen wir. An die Fahrermeisterschaft denken wir gar nicht. Falls sich da nochmal eine Chance bieten sollte, werden wir weiter Druck machen. Das ist aber unrealistisch.“