Formel 1

Formel 1 2018 - Haas F1 sicher: So gut aufgestellt wie nie

Das Haas F1 Team gilt als Geheimtipp für die Formel-1-Saison 2018. Starke Testresultate ließen selbst Mercedes staunen. Was Grosjean, Magnussen und Co sagen
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Bahnt sich in der Formel 1 2018 eine amerikanische Sensation an? Nein, dieses Mal geht es nicht um die F1-Bosse von Liberty Media, sondern den US-Rennstall Haas F1. Starke Quali-Runs, Longruns und Rennsimulationen von Kevin Magnussen und Romain Grosjean bei den Testfahrten ließen vor dem Saisonstart nicht nur Journalisten und Analysten aufmerken.

Auch die Konkurrenz staunte, selbst der Weltmeister Mercedes war angetan. Toto Wolff und Lewis Hamilton nannten jüngst unisono Haas als jenes Team, das 2018 alle Formel-1-Experten überraschen könne. Damit nicht genug. Auch die Piloten und Haas-Verantwortlichen wie Teamchef Günther Steiner und Teambesitzer Gene Haas, der sein Team 2018 maximal eine halbe Sekunde hinter Partner Ferrari sehen will, zeigten sich in Barcelona angetan vom neuen Haas VF-18.

So regiert Haas auf die Vorschusslorbeeren

Doch seitdem ist schon wieder jede Menge Zeit ins Land gegangen. Wie reagieren Grosjean, Magnussen, Steiner & Co. inzwischen auf all die Vorschusslorbeeren? Realistisch? Druck ohne Ende? Vor dem Saisonstart der Formel 1 beim Australien GP stellte sich das Trio für all diese Fragen der Presse. Motorsport-Magazin.com war in allen drei Medienrunden vor Ort und liefert jetzt die Einschätzungen aus dem Haas-Lager.

Vor allem eine Aussage dominiert das Wording der Amerikaner: "Vorsichtiger Optimismus". Insbesondere Teamchef Günther Steiner bemüht diese Phrase in gefühlt jeder zweiten Antwort. Die Betonung liegt hier allerdings ganz klar auf Optimismus, nicht Vorsicht. Besonders deutlich macht das eine Ansage von Romain Grosjean. "Ja, ich denke schon", antwortet der Franzose auf unsere Frage, ob die Enttäuschung groß wäre, sollte er im Qualifying in Australien das Q3 verpassen.

Romain Grosjean: Top-Team eigene Liga, dahinter kämpfen wir

Gleichzeitig weiß der Haas-Pilot jedoch: "Es gibt aber zwei Ferrari, Mercedes und Red Bull, die ein anderes Rennen fahren. Das sind sechs Autos vorne, sodass dir damit nur noch vier Plätze bleiben, um in Q3 zu kommen. Das ist nicht viel und eine Herausforderung für kleine Teams wie uns."

Formel-1-Autos 2018 im Technik-Check: Haas VF-18: (02:04 Min.)

Doch könne Haas diese Herausforderung meistern. Dazu müsse sein Formel-1-Team 'nur' die Performance der Testfahrten erneut bestätigten. "Wir konzentrieren uns hier einfach darauf, was wir können und es genauso hinzubekommen wie in Barcelona", sagt Grosjean. Dort sei es extrem gut gelaufen. "Ich hatte ein gutes Gefühl, wir haben die Reifen konstant zum Arbeiten bekommen. Wenn wir das hier auch schaffen, dann kämpfen wir um Q3."

Kevin Magnussen warnt vor verfälschtem Test-Eindruck

Was den im Vorjahr - wohlwollend ausgedrückt - oft unglücklich agierenden Franzosen besonders optimistisch stimmt: "Von der ersten Runde an fühlte sich das Auto gut an, war schön zu fahren. Das Gefühl war wirklich gut und es hat auch gut auf alles reagiert, was wir geändert haben. Das ist das Wichtigste - vor allem anderen. Wenn das Gefühl stimmt, kommt die Performance dann meist sowieso", meint Grosjean. "Die Basis sieht sehr gut aus." Einige Probleme gab es für Haas beim Test zwar auch. Die seien aber alle gelöst, versichert Grosjean.

Mit all dem Optimismus steht der Franzose nicht alleine da. Haas-Kollege Kevin Magnussen klingt für seine Verhältnisse ebenfalls hellauf begeistert. "Wir sind zufrieden mit dem Auto", sagt der Däne. "Es ist aber schwer einzuschätzen, wie viel vom Auto und wie viel von der Strecke kam", so Magnussen über den neuen Asphalt beim Barcelona-Test. "Aber insgesamt ist das Gefühl besser, auf keinen Fall schlechter. Wir haben das Auto verbessert."

Haas-Teamchef verrät Schlüsselpunkte des Fortschritts

Das gelang Haas vor allem, weil der Rennstall 2017 extrem früh den Fokus fast vollständig auf 2018 lenkte. Doch wo hat sich das ausgezahlt? In welchem Bereich ist der VF-18 jetzt ein klarer Sprung nach vorne? "Überall", frohlockt Magnussen. "Besonders aber beim Abtrieb am Heck. Aber es ist wirklich insgesamt zu sehen - eine richtig schöne Verbesserung."

Teamchef Günther Steiner nennt einen weiteren Schlüsselpunkt: Stabilität. "Damit es ein aerodynamisch stabileres Auto wird und du die Reifen besser zum Arbeiten bekommst", so Steiner, habe man derart früh den Fokus auf das diesjährige Auto gelegt, um hier fundamental Hand anzulegen. "Daran hat unser Aero-Personal ganz besonders gearbeitet", sagt Steiner. Besonders in den Kurven habe man einen stabileren Downforce generieren wollen.

Was offenbar gelungen ist. Grosjean jedenfalls sieht es so. "Wir hatten im vergangenen Jahr mitten in den Kurven immer sehr viel Untersteuern, was ich absolut hasse. Ich brauche ein schnelles Auto mit Übersteuern", sagt der Franzose. "Auch am Heck hatten wir Probleme, das war sehr snappy, ging sehr schnell weg. Jetzt haben wir all das gelöst und auch die Reifen zum Arbeiten bekommen, was ebenfalls ein Problem war. Also ist alles vielversprechend, ein Schritt nach vorne. Jetzt müssen wir das weiterentwickeln und bei allen Rennen mehr Performance ans Auto bringen."

Formel 1 2018, Australien: Die Brennpunkte zum F1-Saisonstart: (05:10 Min.)

Das sei im Vorjahr ebenfalls nicht die Stärke Haas' gewesen. Von einer Schwäche will Grosjean hier allerdings auch wieder nicht sprechen - immerhin habe das Team schließlich früh mehr an 2018 gearbeitet. Eine klare Schwäche waren 2017 noch dagegen die Bremsen. Für 2018 hat sich Haas nun klar zu Carbon Industries bekannt, vorbei das Wechselspiel mit Brembo.

Romain Grosjean hofft: Endlich wieder mein Bestes zeigen

Offenbar genau die richtige Entscheidung. Beim Test waren keine Probleme mehr zu beobachten, auch nicht bei 'Bremsenmann' Grosjean. Sein neues Auto halte jetzt an, wenn er es wolle, so der Franzose. Auch sein Teamchef gibt sich erleichtert: Endlich keine Fragen mehr zu den Bremsen! "Das macht mir das Leben viel leichter", sagt Steiner mit Augenzwinkern zu Motorsport-Magazin.com.

All diese Zutaten zusammen genommen lassen Haas um Grosjean, Magnussen & Co. optimistisch ins erste Rennen in Australien gehen. Vor allem Grosjean hofft, jetzt endlich wieder seine wahren Qualitäten zeigen zu können. "Du versuchst immer, dein Bestes zu zeigen, aber manchmal kannst du es nicht. Das ist der frustrierende Teil der Formel 1. Du kannst nur einen gewissen Unterschied im Auto machen und mein Teamkollege ist ja auch keine ohne jeden Background und keiner, der aus dem Nichts kommt. Er ist ein sehr guter Fahrer", schildert Grosjean seine Situation.

Dann gehe es eben schon mal hoch und runter wie 2018. "Unsere Performance-Swings waren aber teilweise viel zu groß. Jetzt hoffe ich aber, dass wir dieses Auto richtig liegt und ich wieder am Maximum fahren kann." Das sei 2017 nämlich nicht mehr der Fall gewesen. "Wenn du ein gutes Auto hast, hast du auch Selbstvertrauen. Wenn du ein - sagen wir es positiv - nicht so gutes hast, das Auto Dinge macht, die du nicht erwartest, dann kannst du kein Vertrauen haben", erklärt Grosjean Motorsport-Magazin.com die Gründe. "Dann findest du nur deine 90 Prozent statt die 100."

Etwas vorsichtiger gibt sich noch Kevin Magnussen. "Es gibt keine Garantie, dass sich das auch auf anderen Strecken zeigen wird. Die Strecke dort [Barcelona] war einzigartig mit dem komischen Asphalt", so der Däne insbesondere über die bessere Stabilität des Haas VF-18.

Wo rangiert Haas in Australien?

Dennoch sei er zuversichtlich, dass der Neue schneller sei als der Alte. "Ich hoffe, dass wir ein gutes Paket haben. Aber wir sehen erst diese Woche, wo wir stehen", sagt der Däne. Wo das sein wird? Genau Positionen traut sich auch bei Haas keine zu nennen. Viel zu eng schätzen auch die Amerikaner das Kräfteverhältnis im Mittelfeld ein. Besser vorbereitet als andere sei man jedenfalls sicher nicht, meint etwa Magnussen. Eher schlechter - aber noch immer vorbereitet, schiebt er schnell hinter her. "Ich denke einfach, dass es ein sehr enger Fight wird mit McLaren, Renault, Force India und Toro Rosso. Williams ist vielleicht auch noch dabei.

Formel-1-Saisonstart 2018: Die F1-Teams im schonungslosen Check: (31:57 Min.)

Fast ident sehen das Steiner und Grosjean. Letzterer nimmt jedoch auch noch Sauber in die Rechnung auf, sieht dafür eher Williams kritisch. "Aber die könnten auch zurückkommen. Testfahrten sind das eine, Rennenfahren ist das andere", so der Franzose. Toll sei in jedem Fall, dass man jetzt gegen große Teams kämpfe. Genau das freut auch Günther Steiner ganz besonders.

Steiner: Druck? Kampf mit McLaren und Renault wäre doch großartig

"Ich hoffe eher, dass sie unsere Konkurrenten sein werden!", sagt der Tiroler über einen möglichen Ressourcen-Nachteil im Entwicklungsrennen gegen McLaren und Haas. "Denn dann wären wir in einer tollen Position." Man habe selbst aber einen guten Plan und werde 2018 deutlich mehr Updates bringen als 2017. Das helfen dann auch für 2019 wenn sich die Autos noch mehr gleichen würden als von 17 auf 18.

Doch Geld allein müsse hier ohnehin nicht den Unterschied machen, es gehe mehr darum die verfügbaren Ressourcen ideal zu verteilen. Hier sei Haas gereift. "20 Millionen in ein Update zu investieren heißt nicht, dass du für jede Million fünf Punkte Aero-Effizienz bekommst. Wir haben auf jeden Fall unseren Plan, mehr und bessere Updates zu bringen", sagt Steiner. Das gehe bereits in Australien los. Womit genau will der Teamchef aber nicht verraten.

Lauter gute Anzeichen also bei Haas F1. Steigt damit im dritten Jahr nun der Druck ganz rapide? Nein, meint Steiner. "Wir können mit dem Druck leben. Wir setzen uns nicht unter Druck. Wir sind vorsichtig optimistisch", sagt Steiner einmal mehr. Doch bislang könnte alles auch nur Schall und Rauch sein. Steiner: "Die Testergebnisse sind ja klar. Aber es ist noch nichts passiert. Wir waren toll beim Test? Großartig! Aber wir bekommen dafür keine Punkte, nichts."

Und genau das sei schon im Vorjahr das Problem gewesen. Bereits 2017 habe man sich stärker gefühlt als die WM-Position P8 am Ende Glauben machte, so Steiner. Deshalb nehme sich Haas als Saisonziel 2018 einfach mehr Zählbares vor und am Ende besser im Klassement abzuschneiden als 2017. Gleich die neue Macht im Mittelfeld muss es aus US-Sicht also gar nicht unbedingt sein. Auch wenn manch einer Haas dort bereits sieht.


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