Formel 1

Ricciardo lacht über Technik-Pech: Pakt mit Alonso

Daniel Ricciardo muss in Silverstone einen Tiefschlag nach dem anderen wegstecken. Der Red-Bull-Pilot lässt sich die Laune von der Technik aber nicht vermiesen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardos Höhenflug in der Formel-1-Saison 2017 hat am Samstag beim Grand Prix von Großbritannien einen herben Dämpfer erhalten. Nachdem bereits vor dem Qualifying klar war, dass ihn ein Getriebewechsel in der Startaufstellung zurückwerfen wird, stoppte ihn schon im Q1 ein technischer Defekt an seiner Power Unit. Ergebnis: Letzte Startreihe neben McLaren-Pechvogel Fernando Alonso. Von all dem lässt sich Strahlemann Ricciardo aber noch nicht die Stimmung vermiesen. Am Sonntag will er mit seinem spanischen Leidensgenossen die Konkurrenz aufs Korn nehmen.

"Fernando und ich werden heute Abend ein paar Bier zusammen trinken und uns etwas überlegen. Ich würde sagen, jeder von uns schiebt immer jeweils einen Gegner von der Strecke und so kommen wir dann nach vorne", ist Ricciardo im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com trotz eines aussichtlos erscheinenden 19. Startplatzes noch zu Scherzen aufgelegt. "Ich habe zwar noch nicht mit ihm darüber gesprochen, aber er denkt bestimmt genauso." Überhaupt schien der Australier sein doppeltes Technik-Pech nach Wochen der Glückseligkeit und fünf Podiumsplätzen in Serie ziemlich gut wegzustecken.

Ich kann Fernando schon eine Position schenken, wenn er sie unbedingt haben will. Das heißt dann nur, dass er vor mir ein Opfer finden und abschießen muss.
Daniel Ricciardo

"Ich hätte sowieso keine Pole geholt und von Platz fünf oder sechs wäre ich dann auf zehn zurückversetzt worden", ist er sicher, dass für ihn angesichts des Getriebewechsels ohnehin schon kein verheißungsvoller Startplatz mehr drin gewesen wäre. Außerdem spielten auch die Bedingungen am Ende nicht mehr in Red Bulls Karten: "Ein Teil von mir ist froh, dass es im Q3 nicht nass war. Ich hätte sonst das Gefühl, eine tolle Chance verpasst zu haben, da wir auf Intermediates stark hätten sein können." Der Motor-Defekt im Qualifying ist für ihn somit "kein Segen, aber auch kein fürchterliches Desaster." Außerdem könnte es sogar noch schlimmer sein: "Es hätte auch im Rennen passieren können."

Was die Ursache für das vorzeitige Ende seines Zeittrainings angeht, ist sich Ricciardo ziemlich sicher, diese schon im Auto richtig erkannt zu haben. "Ich denke, es war der Turbo. Ich habe zwar immer noch keine Ahnung wie ein Motor funktioniert, aber ich weiß, wie sich ein Turbo anhört. Er hat angefangen seltsame Geräusche von sich zu geben und gleichzeitig habe ich Leistung verloren", erklärt der 28-Jährige, der in seinem Pech für sich und sein Team die Chance sieht, vorsorglich gleich mehrere Komponenten am RB13 zu wechseln.

"Wir starten sowieso schon hinten, ob jetzt von Platz 19 oder 20 ist egal. Wir schauen, dass wir das Beste aus der Strafe machen und ein paar neue Teile anbringen", so Ricciardo, für den eine Versetzung auf den letzten Startplatz lediglich Einfluss auf seine Pläne mit Alonso hätte: "Ich kann Fernando schon eine Position schenken, wenn er sie unbedingt haben will. Das heißt dann nur, dass er vor mir ein Opfer finden und abschießen muss."

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Ricciardos Hoffnung: Chaos wie in Baku

Sollte es am Sonntag trocken bleiben, rechnet sich Ricciardo keine allzu großen Chancen aus, besonders weit nach vorne zu fahren. Denn Red Bull scheint auf einer ihrer ehemaligen Parade-Strecken mit den 2017er Boliden seinen Zauber verloren zu haben. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Aerodynamik hier nicht mehr so sehr hilft. Turn 9 und einige andere Passagen gehen Vollgas, und damit werden sie wie eine Gerade. Die anderen lassen sich von ihrer Power einfach da durchziehen", weist er auf das Leistungs-Defizit der Renault-Power-Unit hin. Sämtliche Versuche, die Stärken des RB13 auszureizen, brachten nichts: "Wir haben über das Wochenende hinweg unterschiedliche Downforce-Einstellungen versucht und waren langsamer, wenn wir mit mehr Anpressdruck gefahren sind."

Natürlich waren die Umstände in Baku ziemlich verrückt und genau so etwas brauchen wir am Sonntag auch.
Daniel Ricciardo

Komplett verloren ist für den ewigen Optimisten Ricciardo allerdings noch nichts. Beim vorletzten Saisonrennen in den Straßen Bakus konnte er nach einem frühen Reparatur-Boxenstopp trotzdem noch zum Sieg fahren, dem Rennverlauf sei Dank. "Genau da kommt Fernando ins Spiel. Er muss für mich in Kurve 3 zehn Leute auf einmal abschießen. Von da an sollte ich den Rest dann auch alleine hinbekommen", verweist der Spaßvogel wieder auf seinen ungewöhnlichen Pakt mit Fernando Alonso. Wobei ihm auch ein Raketen-Start á la Valtteri Bottas gelegen käme: "Oh ja, das war beeindruckend. Wenn ich so einen Start auch hinkriegen könnte, das wäre super."

Realistisch betrachtet weiß Ricciardo jedoch, was ihm in Silverstone wohl am ehesten in die Karten spielen könnte. "Natürlich waren die Umstände in Baku ziemlich verrückt und genau so etwas brauchen wir am Sonntag auch. Ob es jetzt das Wetter ist oder ein paar Safety-Car-Phasen. Abgesehen davon kann ich dort hinten auch mit einem anderen Reifen starten und zocken, vielleicht funktioniert auch das für mich am Ende. Irgendetwas davon könnte jedenfalls klappen. Das könnte die ganze Angelegenheit für mich schön drehen."

Max Verstappen verfiel angesichts von Platz fünf im Silverstone-Qualifying nicht in Jubelstürme - Foto: Sutton

Verstappen abgeschlagen: Weiß nicht, was ich darüber denken soll

Während auf der einen Seite der Red-Bull-Garage trotz eines sportlichen Tiefschlages ein Witz den nächsten jagte, war Max Verstappen wieder einmal die Ernüchterung ins Gesicht geschrieben. Der Defekt-Teufel hatte es an diesem Tag zwar auf den Teamkollegen abgesehen, doch Platz fünf im Qualifying und satte 1,5 Sekunden Rückstand auf die Pole-Zeit von Lewis Hamilton sorgten nicht gerade für Stürme der Begeisterung. "Es war ziemlich einsam, um ehrlich zu sein. Offensichtlich sind wir überall nicht schnell genug", so der 19-Jährige.

Zwar konnte er mit drei Ausfällen in den letzten drei Rennen ohnehin keine zufriedenstellenden Resultate einfahren, doch dass Red Bull den zuletzt gezeigten Aufwärtstrend in Silverstone nicht bestätigen konnte, war für Verstappen eine Enttäuschung. "Diese Saison ist generell... ich weiß nicht, was ich darüber denken soll", sucht er nach den richtigen Worten, die am Ende doch nur wieder in Durchhalteparolen münden: "Ich versuche mich auf jedes einzelne Wochenende zu fokussieren und das Beste daraus zu machen."


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