Formel 1

Qualifying in Silverstone: Mercedes' Lewis Hamilton mit Rekord auf Heim-Pole

Lewis Hamilton startet sein Heimrennen in Großbritannien von Pole. Im Silverstone-Qualifying fuhr der Mercedes-Pilot Rekord-Bestzeit - doch es droht Ärger.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton startet den Großen Preis von Großbritannien von der Pole Position. Im Qualifying zu seinem Heimrennen in Silverstone erzielte der Mercedes-Pilot mit einer 1:26.600 Minuten die Bestzeit - und einen neuen Streckenrekord. "Die Runde war wirklich super. Er war das ganze Wochenende schnell unterwegs und hat jetzt nochmal alles zusammengebracht", jubelte Toto Wolff bei RTL.

Für Hamilton war es die fünfte Pole in Großbritannien, womit er den Rekord des großen Jim Clark egalisiert, und die 67. seiner F1-Karriere - nur noch eine fehlt zum Rekord von Michael Schumacher.

FIA-Untersuchung: Verliert Hamilton die Pole?

Etwas sorgen um seinen Spitzenplatz machen muss sich der Brite allerdings noch: Ein Vorfall mit Haas-Pilot Romain Grosjean wird aktuell noch von der Rennleitung untersucht. Hamilton soll den Franzosen auf seiner schnellen Runde behindert haben. "Ich weiß es noch nicht, das muss die FIA anschauen, mal sehen", sagte Wolff. Niki Lauda befürchtete derweil schon eine Gridstrafe.

Update 15:55 Uhr: Entwarnung für Hamilton - keine Strafe. Das teilte die Rennleitung soeben mit.

Neben Hamilton pilotierte Kimi Räikkönen seinen Ferrari mit einem Rückstand von gut einer halben Sekunde in Startreihe eins. Sebastian Vettel musste sich mit dem dritten Platz (+ 0,756 Sek.) vor Valtteri Bottas (+ 0,776 Sek.) und Max Verstappen (+1,530 Sek.) zufrieden geben. Bottas wird wegen Getriebewechsels allerdings noch auf P9 strafversetzt, darf aber immerhin mit einem härteren Reifen starken (vgl. Abschnitt Q2)

Schon im ersten Run hatte Hamilton mit einem neuen Streckenrekord von 1:27.231 Minuten die Spitze bekleidet, Vettel folgte mit 0,199 Sekunden Abstand vor Bottas und Räikkönen, die dreieinhalb bzw. vier Zehntel Rückstand aufwiesen. Red Bulls Max Verstappen fehlte bereits mehr als eine Sekunde.

Ein ganz starker Nico Hülkenberg, Sergio Perez, Esteban Ocon, Stoffel Vandoorne und Romain Grosjean komplettierten die Top-10. Pascal Wehrlein wurde 18. und lag damit direkt vor Sauber-Teamkollege Marcus Ericsson.

Achtung: Die Startaufstellung wird deutlich vom Qualifying-Ergebnis abweichen, siehe dazu auch Details im Abschnitt "Die Strafen".

Das sagen Hamilton, Räikkönen & Vettel zum Qualifying

Lewis Hamilton: "Ich fühle mich vor einer so großartigen Menge wie dieser großartig. Ich hoffe, euch hat die Runde gefallen! Die Reifen waren in den schnellen Kurven unglaublich als es abgetrocknet hatte. Das ist definitiv die beste Startposition und die Longruns sahen großartig aus! Ich muss sicherstellen, dass ich es morgen mache - für diese Fans."

Kimi Räikkönen: "Natürlich waren die Bedingungen heute nicht einfach - aber das Auto war gut, nur nicht schnell genug für den ersten Platz."

Sebastian Vettel: "Nach heute Morgen hat sich das Auto richtig gut entwickelt. Gestern war ich nicht zufrieden. In meinem letzten Versuch im Q3 wäre mehr drin gewesen, aber da kann man nichts machen."

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle: Hamilton kommt Grosjean ins Gehege - Untersuchung nach der Session
Top-5: Hamilton, Räikkönen, Vettel, Bottas, Verstappen

Das war Q2: Deutlich bessere Bedingungen als in Q1. Lediglich vereinzelte Tröpfchen. Slicks waren kein Problem. Interessant: Wie Hamilton in Spielberg setzte Bottas auf die mittlere Mischung, um in das Q3 zu kommen, was dem strafversetzten Finnen im Rennen mehr strategische Freiheiten lassen wird. Ärger derweil bei Vettel, der in Copse Corner von Perez behindert wurde. Die Rennleitung schaute die Szene kurz an, leitete allerdings keine Untersuchung ein. Ähnliches Missverständnis kurz darauf zwischen Bottas/Massa.

Die Bestzeit markierte Hamilton in 1:27.873 Minuten - neuer Streckenrekord. Zweiter wurde Bottas dem mit dem Soft 0,8 Sekunden fehlten. Vettel folgte als Dritter - mit mininalen 0,014 Sekunden Vorsprung vor Teamkollege Räikkönen und einem ganz starken Hülkenberg auf P5. Jolyon Palmer, Daniil Kvyat, Fernando Alonso, Carlos Sainz und Felipe Massa schieden aus, sodass Stoffel Vandoorne Q3 erreichte und so erstmals Alonso besiegte. Ebenfalls in Q3: Verstappen, Perez, Grosjean und Ocon.

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle: Verstappen in Copse Corner neben der Strecke, Perez hält Vettel in Copse auf, genauso Massa Bottas
ausgeschieden: Palmer, Kvyat, Alonso, Sainz, Massa
Top-5: Hamilton,Bottas Vettel, Räikkönen, Hülkenberg

Das war Q1:Uneinigkeit zu Beginn des Qualifyings: Bei zunehmendem Regen wählten einige Piloten Slicks, andere Intermediates. "Es ist sehr rutschig", funkte Supersoft-Bottas. "Inters müssen es definitiv auch sein", funkte Vettel, auf der richtigen Mischung unterwegs. "Es regnet ziemlich stark", bestätigte Räikkönen.

Neben einigen kleinen Ausrutschern stand plötzlich Daniel Ricciardo neben der Strecke - allerdings kein Abflug, sondern ein technisches Problem am RB13 - wohl der Turbo, funkte der Australier. Das Ende seines Tages - und der Auslöser einer roten Flagge. "Sehr schade, denn wir waren schnell unter diesen Bedingungen auf Intermediates", klagte Ricciardo bei RTL.

Nach einer kurzen Unterbrechung ließ der Regen nach, Runde um Runde wurde die Strecke schneller, begann abzutrocknen. Alonso und Ocon wagten es kurz vor Schluss sogar wieder mit Slicks. Und das lohnte sich: Sensationelle Bestzeit für Alonso! Für McLaren das erste Mal seit Inien 2013. Und das hochdramatisch: Nur um Sekundenbruchteile war Alonso noch rechtzeitig über die Zeitnahme gekommen. Mehr als eine Sekunde dahinter: Verstappen und Hamilton.

Ansonsten keine Überraschungen, alle Top-Piloten kamen trotz der widrigen Bedingungen souverän weiter. Lance Stroll, Kevin Magnussen, Pascal Wehrlein, Marcus Ericsson und Technik-Opfer Ricciardo schieden aus.

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle: Dreher Sainz in Copse, Hamilton neben der Strecke in Village Corner, Ricciardo bleibt in Luffield stehen (technisches Problem) und sorgt für rote Flaggen,
ausgeschieden: Stroll, Magnussen, Wehrlein, Ericsson, Ricciardo
Top-5: Alonso, Verstappen, Hamilton, Hülkenberg, Bottas

Die Strafen: In Silverstone hagelte es gleich einige Grid-Strafen: Bottas und Ricciardo mussten vorzeitig neue Getriebe einbauen lassen, kassieren deshalb je fünf Plätze Strafe auf ihr Qualifying Ergebnis. Noch mehr erhält Fernando Alonso: Gleich 30 Positionen muss der Spanier zurück, weil Honda eine im Grunde komplett neue Power Unit eingebaut hat - und bekanntlich längst die Limits überschritten hatte. Damit startet Alonso fix als Letzter.

Das Wetter: Gegen Ende des FP3 hatte es noch leicht geregnet, für das Qualifying sollte die Regenwahrscheinlichkeit aber bereits wieder sinken. Doch ganz so kam es nicht: Leichter Regen zu Beginn der Qualifikation, die Rennleitung teilte mit: Änderung der klimatischen Bedingungen. Die Session ging bei extremer Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent über die Bühne, es wurde bei 16 Grad Celsius Außentemperatur (Strecke: 22) im Lauf des Q1 immer nasser - rutschig war es aber bereits sofort zu Beginn. In Q2 und Q3 trocknete die Strecke dan sukzessive ab.

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Die Analyse: Spätestens nach diesem Qualifying ist sicher: Der Großbritannien GP wird richtig eng. Auf den Longruns lagen Ferrari und Mercedes am Freitag extrem eng zusammen, zusätzlich wird der strafversetzte Bottas - wie in Spielberg Hamilton - mit einer Aufholjagd für ein zusätzliches Spannungselement sorgen. Selbst der ebenfalls bestrafte und von der Technik gebeutelte Ricciardo ist nicht zu verachten, hat der Australier das Podest doch jüngst abonniert. Gerade wenn das typisch britische Wetter wieder zuschlagen sollte ist mit Red Bull ohnehin immer zu rechnen. Oder mit Q1-Gott Fernando Alonso ...


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