Formel 1

Vettel-Skandal: Hamilton wünscht Gespräch mit Jean Todt

Um den Baku-Rammstoß von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton glätten sich langsam die Wogen. Motorsport-Magazin.com hat die Reaktionen aus Österreich.
von Robert Seiwert
Österreich 2017: Rennen 1 nach dem Vettel-Skandal: (03:13 Min.)

Der Rammstoß-Skandal von Baku sorgte für große Schlagzeilen. Knapp zwei Wochen später scheinen die Wogen geglättet. Sebastian Vettel ist von der FIA verdonnert worden, sich öffentlich zu entschuldigen. Der Ferrari-Star kam im Nachgang mit einem blauen Auge davon. Auch Opfer Lewis Hamilton hat die Entschuldigung akzeptiert, es herrsche weiter großer Respekt zwischen den beiden WM-Anwärtern.

So ganz abgeschlossen war die Angelegenheit aber doch nicht. Auf der einen Seite hatten die meisten Piloten im Fahrerlager Verständnis für Vettels Ausraster, als er in der Hitze des Gefechts in Hamiltons Mercedes fuhr. Gleichzeitig war der Punkt der Vorbildfunktion ein Thema, mit dem unter anderem Hamilton noch nicht ganz zufrieden war.

"Es hat sich nichts geändert", sagte er am Donnerstag vor dem Österreich Grand Prix. "Meine Meinung bleibt die gleiche. Bei allem Respekt, Jean Todt sollte sich mit uns zusammensetzen und ein paar Fragen beantworten. Denn am Montag (Vettel-Anhörung in Paris;d.Red.) hat sich nichts geändert. Die Botschaft bleibt also die gleiche."

Das sagen die Formel-1-Fahrer zu Vettels Rammstoß und der Bestrafung

Sebastian Vettel, Ferrari: "Was ich gemacht habe, war falsch. Im Eifer des Gefechts habe ich nicht clever reagiert. Deswegen habe ich am Montag direkt den Lewis angerufen und mit ihm darüber gesprochen. Ich habe versucht, das Ganze aus der Welt zu schaffen. Ich habe auch gesagt, dass ich verstehen kann, wenn er mir das übel nimmt. Ich wüsste nicht, wie ich es umgekehrt verdaut hätte. Aber so wie er am Telefon oder auch in der Pressekonferenz reagiert hat, ist es schön zu hören, dass wir ganz normal weitermachen."

Esteban Ocon, Force India: "Jeder weiß, dass das ein Fehler war. Seb hat sich entschuldigt, er wusste es also auch. Er ist bestraft worden. So etwas darf nicht passieren. Wir sind F1-Fahrer, Profis. Wir haben eine Vorbildfunktion für junge Fahrer."

Max Verstappen, Red Bull: "Ich denke, dass Sebastian dachte, er (Hamilton) hätte ihn einem Bremstest unterzogen. Das ist eine andere Angelegenheit. Ansonsten hätte er das niemals gemacht, vermute ich. Ich denke nicht, dass er ein Problem hat. Denn wenn man mit ihm spricht, ist das immer positiv. Wir sind alle emotional. Manchmal kann man das am Funk hören und manchmal auf der Strecke sehen. So sind die Menschen, sonst wäre es doch langweilig."

Fernando Alonso, McLaren: "Emotionen gibt es immer. Wir sind Menschen und fahren Rennen. Wir verteidigen unsere Teams und unsere Leistungen auf der Strecke. Es ist normal, dass es eine größere Diskussion gibt, wenn es zwischen den Fahrern zu einem Vorfall kommt, die um den Titel kämpfen. Schwierig, darüber zu sprechen, wenn du nicht involviert bist. Wir haben keine Infos und unterstützen deshalb die Entscheidung der FIA."

Valtteri Bottas, Mercedes: "Wir Fahrer sind alle Menschen und haben Emotionen. Manchmal sind wir glücklich, manchmal nicht. So ist das leben. Wenn die Leute darüber reden, keine Ahnung. Interessiert mich nicht, das ist Racing. Im Sport passiert genug, ich habe mir das Zeug nicht im Detail angeschaut."

Lance Stroll, Williams: "In der Hitze des Gefechts kann es passieren, dass man den Kopf verliert. Aber es war sehr aggressiv und ich denke nicht, dass es nötig war, das zu machen. Selbst wenn Hamilton gebremst hat. Ich denke, Sebastian hat sich in eine schlechte Situation gebracht, als er es getan an. Aber sie sind große Jungs und haben viel Erfahrung. Ich bin nicht die richtige Person, darüber zu urteilen."

Sergio Perez, Force India: "Ich finde es nicht fair, wenn ein Fahrer bestraft wird, nachdem er schon auf der Strecke eine Strafe bekommen hat. Du hast im Rennen viele Emotionen, das Adrenalin ist hoch. Ich bin sicher: Als sich Seb das außerhalb des Autos angeschaut hat, hatte er eine andere Meinung im Gegensatz zu dem Moment, wo er noch im Auto saß. Wir sind alle Menschen und Rennfahrer haben große Emotionen."

Pascal Wehrlein, Sauber: "Für mich ist es schwierig, da unparteiisch zu sein. Ich komme mit dem Sebastian sehr gut aus und möchte da nicht zu viel zu sagen. Die beiden kämpfen um die WM. Natürlich sind da Emotionen dabei, im Cockpit passieren eben solche Sachen."


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