Formel 1

Nach Baku-Rammstoß: Sebastian Vettel und Lewis Hamilton versöhnt

Erstmals seit dem Rammstoß in Baku treffen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton wieder aufeinander. Das große Duell in der Pressekonferenz blieb aus.
von Christian Menath
Österreich 2017: Rennen 1 nach dem Vettel-Skandal: (03:13 Min.)

Gut anderthalb Wochen nach dem umstrittenen Rammstoß von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton in Baku kam es am Donnerstag vor dem Österreich GP zum Showdown zwischen den Titelrivalen von Mercedes und Ferrari: Bei der traditionellen FIA-Pressekonferenz am Medientag mussten sich beide gleichzeitig den Fragen den Journalisten stellen.

Doch Vettel stellte früh klar, dass es weniger spektakulär würde, als viele angenommen hatten. "Ist das wirklich nötig, dass ich das erzähle? Ich glaube, ihr habt es vielfach gesehen und ich auch...", so der Ferrari-Pilot. "Ich hatte im Auto offensichtlich einen ganz anderen Blick als von draußen. Ich habe ein Statement herausgegeben und habe nach dem Rennen sehr bald mit Lewis gesprochen. Ich habe gesagt, was zu sagen war."

Hamilton nimmt Entschuldigung an

Und auch Lewis Hamilton nahm schnell Würze aus der Diskussion: "Ich habe seine Entschuldigung angenommen." Der Mercedes-Pilot zeigte sich in Baku noch enttäuscht vom Verhalten seines Titelkontrahenten, wollte nicht einmal von einer Entschuldigung hören. "Er hat wahrscheinlich nicht einmal meine Nummer", meinte der Brite nur auf den Hinweis, dass Vettel ihn anrufen wolle.

Immerhin hier konnte Vettel in der Pressekonferenz mit einem Schmunzeln Neuheiten berichten: "Ich habe doch gesagt, dass wir telefoniert haben! Ich weiß nicht, wo ihr herkommt, oder welche Telefone ihr habt - vielleicht braucht man da nur den Namen sagen!? - aber normalerweise braucht man die Nummer, wenn man jemanden anrufen will."

Vettel zu Presse: Ihr seid nicht die Wichtigsten für mich

Dass sich Vettel erst nach der FIA-Untersuchung zu einer öffentlichen Entschuldigung durchringen konnte, hatte laut dem Deutschen einen einfachen Grund: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich zu euch allen sprechen muss. Die Person, mit der ich sprechen musste, war Lewis. Ihr seid nicht die wichtigsten Menschen für mich."

"Es gab zwei wichtige Dinge", stellte Hamilton klar. "Das erste war, dass Sebastian gesagt hat, dass ich ihn nicht gebrake-tested habe. Leute haben mir deshalb geschrieben, dass ich etwas Falsches gemacht hätte, was ich aber nicht gemacht habe. Das habe ich nicht nötig. Und die zweite Sache ist, dass die FIA mit der Road-Safety-Kampagne etwas für die Sicherheit auf den Straßen macht. Das ist wichtig, denn wir sind Vorbilder. Wir sind Menschen und machen Fehler, aber wir sollten als Sport die richtige Message senden. Wir haben Macht und die müssen wir richtig nutzen."

Vettel: Ich bereue es

Interessant ist noch immer der eigentliche Rammstoß. Vettel wich in Baku den Fragen danach aus, bestritt nie, dass der Rammstoß gegen Hamilton Absicht war, gab es aber auch nicht zu. Auch bei der Pressekonferenz wollte der vierfache Weltmeister nicht konkret werden: "Ich war überrascht, habe das Foul gemacht, bin neben ihn gefahren und habe überreagiert. Ich glaube, ihr habt gesehen, was passiert ist."

Auch wenn der Rammstoß absichtlich war, er war womöglich nicht ganz so böse gemeint: "Ich hatte niemals die Absicht, ihn zu verletzten, das habe ich ihm auch gesagt. Es war nicht meine Intension, und es war auch nicht nötig - weil ich dadurch Punkte verloren habe. Kann ich es rückgängig machen? Nein. Aber ich bereue es."

Hier regt sich Vettel über Hamiltons vermeintlichen Bremstest auf - Foto: Formula 1/Screenshot

Motorsport ist nicht Fußball

Lewis Hamilton zeigte sich nicht nur bei der Pressekonferenz entspannt. Auch nach Vettels Rammstoß blieb der Mercedes-Pilot cool, machte keine Anstalten, es seinem Gegner gleichzutun. "Auf dem Fußballplatz wäre es wahrscheinlich anders ausgegangen, wenn du dir von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehst. Aber im Auto bist du festgegurtet und es ist etwas anders."

Dabei war schon im Vorfeld klar, dass sich Vettel demütiger präsentieren würde, als noch unmittelbar nach dem Rennen in Aserbaidschan. Zwischen Baku und Spielberg lag für den WM-Führenden noch Paris: Vettel musste am Montag - ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag - im FIA Hauptquartier vorstellig werden, nachdem der Automobilweltverband eine genauere Untersuchung des Vorfalls in die Wege leitete.

Blaues Auge in Paris

Vettel kam mit einem blauen Auge davon, wurde sportlich neben seiner 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe von Baku nicht zusätzlich bestraft. Allerdings war das Urteil an zwei Bedingungen genknüpft: Vettel muss seine Freizeit für erzieherische Maßnahmen im Formel-Nachwuchs opfern und sich für den Rammstoß gegen Hamilton entschuldigen.

Bereits vor der Pressekonferenz veröffentlichte Vettel ein Statement auf seiner Website. Direkt nach dem Rennen in Baku rechtfertigte Vettel sein Revanche-Foul noch damit, dass Hamilton ihn absichtlich habe auflaufen lassen.


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