Formel 1

F1-Exit? Red Bull fordert Lösung für Motoren-Zukunft noch 2017

Red Bull schlägt Alarm: Finden neuer Rechteinhaber und FIA nicht noch 2017 eine Lösung für die Motoren-Zukunft der Formel 1, droht ein F1-Exit des Rennstalls.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Bei einem großen Motoren-Meeting in Paris mit FIA, Liberty Media, neuer kommerzieller Rechteinhaber der Formel 1, und diversen aktiven wie externen Motorenherstellern haben sich die Parteien zuletzt grundlegend auf eine grobe Richtung, welche die Königsklasse nach Ablauf des aktuell bis 2020 gültigen Motorenreglements einschlagen soll, geeinigt.

Kurz gesagt: Kostenreduktion durch weniger komplexe Bauweise, mehr Sound, weniger Spritsparen, keinesfalls Rückkehr zu den Saugmotoren vergangener Jahrzehnte.

Red Bull drängt: Unabhängiger Lieferant muss schleunigst her

FIA-Präsident Jean Todt äußerte sich nach dem Pariser Gipfeltreffen optimistisch. "Wir haben auf dem richtigen Fuß begonnen und ich freue mich darauf, es anzugehen, um die bestmögliche Entscheidung hinsichtlich der Zukunft der Formel 1 zu finden", sagte Todt. Dafür gelte es jedoch, an den Details zu feilen.

Allzu viel Zeit lassen sollte sich die Formel 1 damit allerdings nicht, will sie keinen ihrer Big Player verlieren. Red Bull drückt gewaltig auf das Tempo, was große und finale Entscheidungen für die Motoren-Zukunft anbelangt. In einem Interview auf der offiziellen F1-Homepage schildert Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko, wie sich der britisch-österreichische Rennstall diese Zukunft konkret vorstellt.

Spätestens 2021 muss ein unabhängiger Motorenlieferant in die F1 kommen. Das ist mehr als nötig. Es gibt genug Unternehmen, die das liefern können.
Helmut Marko

"Spätestens 2021 muss ein unabhängiger Motorenlieferant in die F1 kommen. Das ist mehr als nötig - und der Motor muss einfach sein, laut und auf der Kostenseite unter zehn Millionen. Wir sprechen über einen deutlich weniger ausgefeilten Motor im Vergleich zu dem, was wir jetzt haben - ein einfacher Rennmotor", fordert Marko. In den meisten Punkten stimmt das mit den Pariser Beschlüssen überein. Doch ausgerechnet Markos wichtigster Punkt - der unabhängige Motorenlieferant - fehlte in den abgesteckten Rahmenbedingungen von Paris.

Also erwarten wir von den neuen Besitzern, dass sie gemeinsam mit der FIA spätestens bis Ende dieser Saison eine Lösung finden. Sollte das nicht passieren, ist unser Verbleib in der F1 nicht sicher
Helmut Marko

Marko jedoch beharrt vehement auf dieser Forderung. "Natürlich" müsse sich die Situation ändern und ein unabhängiger Fabrikant einsteigen - "und nicht erst eines Tages", stellt Marko klar. "Es gibt genug Unternehmen, die das liefern können. Also erwarten wir von den neuen Besitzern, dass sie gemeinsam mit der FIA spätestens bis Ende dieser Saison eine Lösung finden. Sollte das nicht passieren, ist unser Verbleib in der F1 nicht sicher", warnt der Motorsportberater vor einem möglichen Red-Bull-Exit aus der Formel 1. Tatsächlich wäre das genau zum genannten Zeitpunkt möglich. Wie alle anderen aktuellen Teams hat sich auch Red Bull bis 2020 zur Formel 1 verpflichtet - nicht darüber hinaus.

Helmut Marko sieht die Zukunft Red Bulls in der Formel 1 nicht als gesichert an, kommt kein externer Motorenhersteller - Foto: Sutton

Ausstiegs-Drohungen vonseiten Red Bulls gab es schon früher

Derartige Drohungen aus Milton Keynes gab es jedoch schon früher in der jüngeren F1-Vergangenheit. Nach Jahren der Red-Bull-Dominanz als Werkspartner Renaults zwischen 2010 und 2013 war es mit Einführung der Hybrid-Revolution 2014 schnell vorbei mit der Harmonie zwischen Renault und Red Bull. Ein gewaltiges Leistungs- und Zuverlässigkeitsdefizit der Power Units aus Viry-Châtillon erschütterte die vormals gute Beziehung. Schuldzuweisungen hier, böses Blut da.

Renault zog die Reißleine, sattelte um und reanimierte durch den Kauf des Lotus-Team seine F1-Aktivität als Werksteam. Red Bull dagegen verhandelte im Lauf des Jahres 2015 mit Ferrari, Mercedes und Honda, zusätzlich kursierten auch damals immer wieder Begriffe wie Alternativ-Motor, unabhängiger Hersteller & Konsorten. Und eben ein drohender F1-Ausstieg Red Bulls. Abgewendet wurde dieser schließlich nur durch eine de-facto-Rückkehr zu Renault. Red Bull musste am Ende doch wieder in Viry anklopfen - Erfolg: Seitdem ist der Rennstall wieder mit Renault-Power unterwegs, nur, dass die Aggregate offiziell unter TAG Heuer firmieren.

Abschließend zufrieden ist Red Bull mit diesem Status jedoch weiterhin nicht. Zwar gehört der öffentliche Zwist mit Renault längst der Vergangenheit an, doch sieht sich Red Bull gegenwärtig noch immer nicht in der Lage mit den aktuellen Bedingungen wirklich zurück zu alter Dominanz finden zu können. Aktuell etwa liegt man klar hinter Ferrari und Mercedes zurück. "Das kann nicht unser Ziel sein!", poltert Marko, relativiert aber: "Wegen des Chassis' müssen wir da auch auf uns selbst zeigen."

Chasey Carey - immer ein offenes Ohr für Helmut Marko & Co. - Foto: Sutton

Liberty Media versichert Zusammenarbeit mit Teambesitzern

Dennoch ist offensichtlich: Eine Lösung der Motoren-Frage brennt Red Bull noch immer unter den Nägeln. Rechteinhaber und FIA sind gefordert, wollen sie eine der größten Marken ihres Produkts nicht verlieren. Gerade ein Interesse von Liberty Media, das in Sachen Teams sogar eher auf Zuwachs setzt - eine Ausstieg wäre da maximal kontraproduktiv.

Wir wollen, dass der Besitz eines Formel-1-Teams ein gutes wirtschaftliches Geschäft darstellt. Daher arbeiten wir daran, einige Unzulänglichkeiten in der Struktur des Sports zu beseitigen.
Chase Carey

Entsprechend versichert der von Liberty Media erkorene F1-CEO, sich mit aller Kraft und gemeinsam mit den Teambesitzern zu mühen. "Es ist wichtig für uns, einen Wettbewerb auf die Beine zu stellen, der attraktiv für die Teambesitzer ist. Wir wollen, dass der Besitz eines Formel-1-Teams ein gutes wirtschaftliches Geschäft darstellt. Daher arbeiten wir daran, einige Unzulänglichkeiten in der Struktur des Sports zu beseitigen. Wir wollen die Kosten für Teams senken und die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Sports verbessern. Wir denken, dass davon am Ende alle profitieren. Wir wollen mehr Teambesitzer in der Formel 1 sehen", sagte Chase Carey nun der Deutschen Presse-Agentur.


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