Formel 1

Hamilton vs. Vettel... gab's 2017 bisher nur am Kommandostand

Lewis Hamilton und Sebastian Vettel werden den WM-Titel 2017 wohl unter sich ausmachen. Bisher duellierten sich aber eigentlich nur ihre Kommandostände.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2017 scheint uns endlich den langersehnten Titelkampf zwischen Mercedes und Ferrari zu bescheren. Doch in den ersten drei Rennen bleib der direkte Schlagabtausch zwischen den Star-Piloten Lewis Hamilton und Sebastian Vettel aus, denn bisher fiel die Entscheidung jeweils am Kommandostand statt auf der Rennstrecke. Aber bei 20 Saisonrennen muss es zwischen den beiden doch früher oder später mal richtig zur Sache gehen, oder?

Dass jeder nur darauf wartet, ist irgendwie klar: Selbst Hamilton heizte die Stimmung nach dem zweiten Saisonrennen in China mit martialischen Worten an: "Natürlich will er mich da draußen töten und besiegen. Das gilt auch andersherum", so der Brite, nachdem er Vettel in Shanghai bezwungen und für den Ausgleich in der WM-Tabelle gesorgt hatte. Doch auch beim darauffolgenden Lauf in Bahrain gab es, um es in Hamiltons Worten zu auszudrücken, keine 'Toten'. Tatsächlich waren Die beiden in China und Bahrain noch weiter vom Duell Mann gegen Mann entfernt, als beim Saisonauftakt.

Hamilton vs. Vettel: Ringelpiez ohne Anfassen

In Melbourne funkte in der Anfangsphase des Rennens kein Safety Car und kein Gegner in den Kampf zwischen Hamilton und Vettel. Und das Beste dabei: Der Silberpfeil konnte den roten Renner mit der Startnummer 5 nicht abschütteln. Das schürte die Hoffnungen auf einen direkten Schlagabtausch der beiden Superstars. Den Mercedes-Kommandostand übermannte dann jedoch die Angst vor dem Undercut, sodass Hamilton vor Vettel zum Reifenwechsel kam. Damit wäre ihr schönes Duell auf dem Kurs im Albert Park noch nicht unbedingt beendet gewesen - hätte Mercedes nicht einen gewissen Max Verstappen übersehen.

Natürlich will er mich da draußen töten und besiegen. Das gilt auch andersherum.
Lewis Hamilton

Der Red-Bull-Pilot stand Hamilton nach dessen Boxenstopp eine gute Handvoll Runden im Weg, während Vettel nach seinem Besuch bei der Ferrari-Crew genau vor den beiden zurück auf die Strecke kam - und sich danach einen komfortablen Vorsprung herausfuhr. Als Verstappen Hamilton endlich mit einem Reifenwechsel seinerseits erlöste, war Vettel längst über alle Berge. "Wenn man zurückschaut, hätten wir es besser machen können", gestand Mercedes-Teamchef Toto Wolff hinterher ohne Umschweife.

Bahrain-Onboard mit Hamilton: Der DHL Fastest Lap Award: (01:53 Min.)

Fehler-Ping-Pong an den Kommandoständen

Besser machte es Mercedes dann auch beim nächsten Rennen auf dem Shanghai International Circuit - beziehungsweise Ferrari machte es schlechter. Die Italiener versuchten das Virtual Safety Car in der ersten Runde des Rennens für einen Boxenstopp zu nutzen, der Vettel vor Hamilton bringen sollte. Kurz darauf kam jedoch eine richtige Safety-Car-Phase, welche die Konkurrenz nutzte. Vettel fiel dadurch hinter Hamilton, beide Red Bulls und Teamkollege Kimi Räikkönen zurück. Sein finnischer Stallgefährte hatte jedoch nicht die Pace und der rote Kommandostand entschied gegen eine Stallregie. Hamilton war weg - und mit ihm die Chance auf den Sieg.

Wenn man zurückschaut, hätten wir es besser machen können
Toto Wolff

In der Wüste von Bahrain war es dann wieder Mercedes, die sich selbst ins Knie schossen. Polesitter Valtteri Bottas stand nach dem Start seinen Verfolgern, allen voran Sebastian Vettel, im Weg. Das schrie nach einem Undercut von Ferrari - und der kam auch. Ein Safety Car griff der Scuderia bei ihrer Taktik obendrein unter die Arme, sodass Vettel beim Re-Start vor Bottas und Hamilton führte. Der Finne konnte mit Vettel nicht schritthalten, Hamilton hingegen schon - kam aber nicht vorbei. Die Strategen am Kommandostand der Silberpfeile verschliefen daraufhin den richtigen Zeitpunkt für eine Teamorder. Erst als Vettel an der Spitze über sechs Sekunden enteilt war, winkten Wolff und seine Leute die Startnummer 44 an der 77 vorbei. Der Ferrari war längst auf und davon - da machte es auch nichts mehr, dass sich Hamilton eine 5-Sekunden-Zeitstrafe eingehandelt hatte.

Vettel gewinnt Bahrain GP: Ferraris neue Stärke - war's der Osterhase?: (3:54 Min.)

Wann geht's denn endlich rund?

Jede Menge Strategie-Geplänkel also im bisherigen Saisonverlauf. Bei der vierten Station in Russland gibt es die nächste Chance auf einen direkten Schlagabtausch. Doch das Sochi Autodrom war in den vergangenen beiden Jahren sehr eindeutig Mercedes-Land. Und diese Saison könnte es genauso aussehen. Zwar war Ferrari bisher konkurrenzfähig, doch die Schlagkraft des SF70H beschränkte sich bisher ausschließlich auf den Sonntag - und zwar weil Mercedes im Rennen Probleme mit dem Reifenmanagement hatte. In Sochi wartet jedoch ein Kurs mit einer sehr glatten und für die Reifen nicht sonderlich harten Asphaltoberfläche. Gut möglich, dass Mercedes dort weniger leidet und Ferrari den Anschluss nicht halten kann.

Auf Russland folgen mit Spanien und Monaco nicht gerade zwei Juwelen was den gepflegten Zweikampf angeht. In der Saison 2016 verfolgte Räikkönen den Führenden Max Verstappen über 22 Runden hinweg bis zur Zielflagge - ohne jemals auch nur im Ansatz in der richtigen Position für einen Überholversuch zu sein. Selbst wenn Ferrari und Mercedes auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya auf Augenhöhe sind, wird es wohl kaum zum direkten Duell kommen. Im Leitplankenkanal von Monaco riecht es sogar noch mehr nach einem erneuten Kampf der Strategen. Bessere Chancen verspricht da Montreal: In Kanada befand sich Ferrari letztes Jahr schon mit dem zahnlosen SF16-H im Kampf gegen Mercedes und das Layout des Circuit Gilles-Villeneuve ist bekanntermaßen sehr Zweikampf-freundlich.

Rückblick: Die besten Duelle zwischen Vettel und Hamilton

Seit 2007 fahren Sebastian Vettel und Lewis Hamilton gegeneinander in der Formel 1. Obwohl beide in diesem Zeitraum vier respektive drei WM-Titel erringen konnten, kam es bisher noch nie zum direkten Titelduell zwischen den beiden vielleicht größten Piloten der letzten zehn Jahre. Auf der Rennstrecke begegneten sie sich in den vielen gemeinsamen Jahren erstaunlich selten. Wir zeigen die drei besten Kämpfe zwischen Hamilton und Vettel.

1. 2005 - Formel 3 Euroserie auf dem Lausitzring

Vettel vs. Hamilton: Formel-3-Duell auf dem Lausitzring: (11:21 Min.)

Das bisher wohl härteste Duell trugen Vettel und Hamilton noch vor ihrer Zeit in der Formel 1 aus. Als aufstrebende Nachwuchstalente standen sich beide 2005 in der Formel 3 Euroserie gegenüber. Während Hamilton in seiner zweiten Saison in der Nachwuchsserie den Titel ins Visier nahm, kam Vettel als frischgebackener Meister der Formel BMW in die nächsthöhere Kategorie. Bei der vorletzten Station der Saison lieferten sich die Beiden auf dem Lausitzring im Regen über mehrere Runden ein knallhartes Duell.

2. 2010 - Großer Preis von China

Für die Boxengassen-Aktion in China gab es lediglich eine Verwarnung - Foto: Sutton

Eine mehr oder weniger harte Auseinandersetzung in der Königsklasse hatten Vettel und Hamilton beim Großen Preis von China 2010. Bei wechselhaften Wetterbedingungen kämpften beide Piloten über eine Runde verbittert gegeneinander und duellierten sich danach selbst bei der gemeinsamen Einfahrt in die Boxengasse noch. Zur Krönung ließ die McLaren-Crew Hamilton nach dem Reifenwechsel per Unsafe Release auf Höhe von Vettel von der Leine und beide bekämpften sich bis zum Ende der Boxenstraße weiter.

3. 2014 - Großer Preis von Singapur

Vettel konnte sich Hamilton 2014 in Singapur nicht lange zur Wehr setzen - Foto: Sutton

Einen weiteren mehr oder weniger harten Fight hatten die beiden Rivalen beim Singapur-GP 2014. Vettel erlebte in diesem Jahr auf dem Straßenkurs in Südostasien eines der wenigen Wochenenden, an dem sein Red Bull einigermaßen mit den Silberpfeilen mithalten konnte. Hamilton ging sieben Runden vor Schluss auf einem komplett heruntergerittenen Supersoft-Reifen trotz Führung noch einmal an die Box, woraufhin Vettel die Führung übernahm. Dieser versuchte auf abgefahrenen Pneus seine Position mit allen Mitteln zu verteidigen, doch Hamilton ging nach einem kurzen Kampf schnell wieder in Führung.


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