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Ecclestone weg - Brawn kommt: Die 8 Antworten

Bernie Ecclestone wurde rausgeworfen, Ross Brawn kehrt zurück in die Formel 1. Motorsport-Magazin.com liefert die wichtigsten Antworten zum F1-Urknall.
von Robert Seiwert
Ecc-xit! Ecclestones F1-Aus ein Fluch oder Segen?: (13:47 Min.)

1. - Warum musste Ecclestone gehen?

Liberty Media hat die Übernahme der Formel 1 erfolgreich abgeschlossen - etwas früher als geplant. In diesem Zuge musste Ecclestone seinen Hut nehmen. Ebenfalls früher als erwartet. Zunächst hieß es, dass er der Formel 1 noch drei Jahre lang erhalten bleiben würde. Klar war jedoch, dass Liberty keine Ein-Mann-Show mehr an der Spitze haben wollte.

Ecclestone selbst hatte sich bezüglich seiner Zukunft zuletzt bedeckt gehalten. Vielleicht ahnte er schon, dass seine Tage in der Königsklasse bald gezählt sein würden. Bernies Weg passte nicht ins Portfolio der neuen F1-Besitzer - und die machten gleich Nägel mit Köpfen.

Wir hatten das Gefühl, dass das Geschäft vor allem in den vergangenen vier oder fünf Jahren nicht gewachsen ist.
Chase Carey

"Wir hatten das Gefühl, dass das Geschäft vor allem in den vergangenen vier oder fünf Jahren nicht gewachsen ist", sagte Ecclestones Nachfolger Chase Carey zu Sky Sports News. "Der Sport hat sein volles Potenzial nicht erschöpft. Wir mussten eine neue Organisation einsetzen, um den Sport in der heutigen Welt so wachsen zu lassen wie er es tun muss." Ecclestone war das erste prominente Opfer dieser Umstrukturierung. Es heißt, dass weitere Mitglieder aus der aktuellen F1-Geschäftsführung ebenfalls gehen müssen.

2. - Ist Bernie jetzt komplett raus aus der Formel 1?

Jein. Ecclestone wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, ab sofort den Posten als Ehrenvorsitzender der Formel 1 einzunehmen. Effektiv ein Amt ohne Befugnisse. Bernie selbst machte kein Geheimnis aus seiner 'Freude' über die Ernennung. "Meine neue Position ist jetzt so ein amerikanischer Ausdruck", sagte Ecclestone zu Auto-Motor-und-Sport. "Eine Art Ehrenpräsident. Ich führe diesen Titel ohne zu wissen, was er bedeutet."

Laut Liberty stehe Ecclestone der neuen Führung in Zukunft beratend zur Seite. Ob der 86-Jährige da mitspielt? Carey wollte die Maßnahme zumindest nicht als Affront verstanden haben. "Um es klar zu machen, dieser Respekt war aufrichtig", sagte der US-Amerikaner. "Bernie verdient enorme Anerkennung für das Business, dass er in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat. Realistisch betrachtet wurde es gerade für acht Milliarden Dollar verkauft. Das ist der ultimative Beweis für den Wert, den er erschaffen hat."

Ecclestone verstehe das Geschäft der Formel 1 vermutlich besser als jeder andere, lobte Carey: "Ich denke, sein Rat wird von unschätzbarem Wert sein. Er hat einzigartige Einblicke ins Business. Bis jetzt war er sehr hilfreich. Ich freue mich auf seine weiteren Ratschläge während unseres weiteren Weges." Unklar, inwiefern Ecclestone bereit ist, die Leute zu unterstützen, die ihn effektiv rausgeworfen haben.

Bernie Ecclestone zog die Medienwelt magisch an - Foto: Sutton

3. - Wie reagierte Ecclestone auf seinen Rauswurf?

Wie man Bernie kennt: mit einer Brise britischen Humors. Seinen Rauswurf bestätigte er am Montagabend nüchtern am Telefon mit den Worten: "Ich bin einfach weg." Es werde nun wohl ruhiger in seinem Londoner Büro, vermutete er. Eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone - ist das überhaupt vorstellbar?

Ich habe noch genug Geld, um mir den Besuch bei einem Rennen leisten zu können.
Bernie Ecclestone

Schon jetzt kündigte er allerdings an, dem F1-Fahrerlager in Zukunft nicht fernbleiben zu wollen. Und das in seiner typischen Bernie-Art: "Vielleicht komme ich auch mal zu einem Grand Prix. Ich habe immer noch viele Freunde in der Formel 1. Und ich habe noch genug Geld, um mir den Besuch bei einem Rennen leisten zu können." Immerhin daran gibt es keinen Zweifel...

Klein, aber oho: Bernie lässt sich von niemandem etwas sagen - Foto: Sutton

4. - Was sagt die F1-Welt zu Bernies Rauswurf?

Die Reaktionen auf Ecclestones Aus fielen zunächst gemischt aus. Auf der einen Seite dankten ihm viele Rennfahrer und Funktionäre für seine Leistungen in den vergangenen 40 Jahren. Andererseits freuten sich nicht wenige über den frischen Wind, den Liberty Media der Formel 1 verspricht. "Bernie, mega Job! Aber ein Wechsel war überfällig", schrieb Weltmeister Nico Rosberg auf Twitter. "Mr. Carey, ich wünsche Ihnen alles Gute, um den Sport wieder großartig zu machen."

Aus den oberen Etagen drang ebenfalls eine gewisse Kritik an Ecclestone durch. Etwa von Zak Brown, McLarens neuem Chef, der auch bei Liberty zur Debatte stand. Brown ging davon aus, dass die Formel 1 in den kommenden Jahren freier und Fan-freundlicher werden wird. "Es wird schwierig, auf Bernie zu folgen", fügte er an. "Aber er hat ein fantastisches Sprungbrett kreiert, von dem aus Chase Carey und seine Kollegen von Liberty Media die Formel 1 weiter voranbringen und sie noch größer und besser machen können."

Bernie Ecclestone war immer für einen Spaß zu haben - Foto: Sutton

5. - Wieso kommt Ross Brawn zurück in die F1?

Weil er Lust darauf hatte. Im November 2016 kam heraus, dass Ross Brawn als Berater für Liberty Media tätig war. Gerüchte, er habe schon einen Vorvertrag unterschrieben, wies er damals zurück. Zu dieser Zeit war auch noch Ecclestone im Amt und CVC Capital an der Macht. Drei Jahre lang war es zuvor ruhig gewesen um Michael Schumachers früheres Superhirn - bis er ein Buch veröffentlichte, darin unter anderem die Mercedes-Spitze Toto Wolff und Niki Lauda anging und somit wieder in die Schlagzeilen geriet.

Eine Rückkehr zu einem Team hatte Brawn unterdessen strikt abgelehnt. Nie wieder wolle er Teamchef sein, sagte der Weltmeister-Macher. Stattdessen reizte ihn von Beginn an ein Job in übergeordneter Funktion, um der Formel 1 einen neuen Kurs zu verpassen. Laut Ecclestone hätte es dafür allerdings keinen Anlass gegeben.

Bernie Ende des vergangenen Jahres: "Es würde mich freuen, wenn er zur FIA ginge. Da wäre er wirklich erste Klasse. Ich habe seit einiger Zeit nicht mit ihm gesprochen und nicht die leiseste Ahnung, was er machen könnte. Aber nichts zusammen mit uns. Wir brauchen keinen Ingenieur oder jemanden mit einem Job wie Ross." Ecclestone ist weg - und der Weg für Brawn und seine neuen Ideen damit frei.

Bernie Ecclestone ist weg, Ross Brawn kehrt zurück - Foto: Sutton

6. - Was wird Brawns neue Aufgabe sein?

Brawn ist ab sofort für die sportliche und technische Ausrichtung der Formel 1 verantwortlich. Der Brite bringt etwa 40 Jahre Expertise und unzählige Erfolge mit sich - jetzt kämpft er aber nicht mehr für sich und sein Team, sondern für das Wohl einer kompletten Rennserie. Einer Serie, die dank zahlreicher Interessenkonflikte großer Unternehmen nur schwer zu lenken ist. Doch Brawn genießt weiter ein extrem hohes Ansehen im Fahrerlager, das könnte ihm zu Gute kommen.

Regeln und Technik sind ab sofort Brawns Ressorts. Dazu zählen der aktuelle Regelkatalog sowie die technische Ausrichtung in den kommenden Jahren. "Ross versteht besser als jeder andere wie der Sport funktioniert", sagte Chase Carey. "Sein Fokus liegt darauf, wie wir den Sport auf der Strecke zu dem machen, wie er sein kann und auch sein sollte."

Wir haben eine fast beispiellose Gelegenheit, mit den Teams, Promotoren - und vor allem den Fans - an einer besseren F1 zu arbeiten.
Ross Brawn

Brawn zu seinem viel beachteten Comeback: "Es hat mir Spaß gemacht, Liberty Media in den vergangenen Monaten zu beraten. Ich freue mich darauf, mit Chase, Sean und den Formel-1-Teams an der Evolution des Sports zu arbeiten. Wir haben eine fast beispiellose Gelegenheit, mit den Teams, Promotoren - und vor allem den Fans - an einer besseren F1 zu arbeiten."

Der Weltmeister und sein Superhirn: Michael Schumacher und Ross Brawn - Foto: Sutton

7. - Mit wem arbeitet Brawn jetzt zusammen?

Die neue Spitze der Formel 1 unter dem Banner von Liberty Media heißt ab sofort: Chase Carey, Ross Brawn, Sean Bratches. Damit sich Brawn in seiner neuen Rolle komplett um Sport und Technik kümmern kann, ist Kompagnon Bratches für die kommerzielle Seite verantwortlich. Der US-Amerikaner war zuletzt beim TV-Sender ESPN als Vize-Präsident für Verkauf und Marketing zuständig und verfügt über mehr als 27 Jahre Erfahrung im Business. Unter Bratches' Aufsicht führte ESPN unter anderem HD-TV, Video-on-demand und nicht zuletzt Pay-per-view ein.

"Ich freue mich sehr, dass sich Sean der Formel 1 anschließt", sagte Carey. "Sean war eine treibende Kraft, um ESPN zu einer der weltweit führenden Sport-Franchises aufzubauen. Seine Expertise und Erfahrungen in den Bereichen Verkauf, Marketing, digitale Medien und Distribution werden von unschätzbarem Wert sein." Bratches und Brawn berichten an Carey, den neuen Vorsitzenden und gleichzeitig Geschäftsführer der Formel 1.

8. - Was plant Liberty Media mit der Formel 1?

Liberty Media will der Formel 1 einen frischen, moderneren Anstrich verpassen. Ein wichtiger Punkt ist die Nutzung der digitalen Medien, die zuletzt stark vernachlässigt worden war. Chase Carey ist überzeugt, dass eine bessere Nutzung der sozialen Medien einen positiven Einfluss auf die TV-Rechtehalter haben kann - Ecclestone war vom Gegenteil überzeugt. Auch plant Carey, die F1-Rennwochenenden zu einem echten Highlight-Event umzubauen, ähnlich dem Super Bowl.

Unser wahres Ziel besteht darin, wohin wir den Sport im Jahr 2020 führen können - und nicht, wie die Änderungen im Juni 2017 aussehen.
Chase Carey

Europäische Traditionsstrecken bilden laut Carey das Fundament der Formel 1. Ob sich der Nürburgring, Monza und Co. Hoffnungen auf eine sichere Zukunft im Rennkalender machen können? Allerdings möchte Liberty mit der Formel 1 auch stärker in den US-amerikanischen Markt eindringen. Dem Unternehmer schwebte ein großes Rennen in Los Angeles, Las Vegas oder New York vor. Unter Ecclestone konnte ein Rennen in New Jersey nie realisiert werden.

Vermutlich wird es eine Weile dauern, bis sich der Einfluss von Liberty merklich auf die Formel 1 auswirken wird. Der große Plan sieht eine Langzeitlösung vor, um die Formel 1 auf Kurs zu bringen. "Unser wahres Ziel besteht darin, wohin wir den Sport im Jahr 2020 führen können - und nicht, wie die Änderungen im Juni 2017 aussehen", sagte Carey nach der Machtübernahme.


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