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Formel 1

Ecclestone, Todt und Fahrer an einem Tisch - So lief der Reifen-Gipfel in Mailand

Pirelli lud am Dienstag in Mailand zum Gipfeltreffen. Die Formel-1-Prominenz folgte der Einladung: Ecclestone, Todt, Marchionne, Vettel - alle kamen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Gipfeltreffen bei Pirelli in Mailand: Der Reifenlieferant lud die Formel-1-Prominenz an einen Tisch, um über die Zukunft zu diskutieren. Von welcher Brisanz das Treffen war, zeigt die Teilnehmerliste. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com waren nicht nur FIA-Präsident Jean Todt und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, sondern auch Ferrari-Präsident Sergio Marchionne höchstpersönlich anwesend.

Neben den Teamchefs von Ferrari, Mercedes, Red Bull, Williams, McLaren und Force India ließen sich auch die Fahrer zahlreich blicken. Bis auf Mercedes ließ jedes Spitzenteam zwei Piloten nach Norditalien einfliegen, Lewis Hamilton blieb dem Meeting fern. Dafür diskutierten unter anderem Nico Rosberg und GPDA-Direktor Sebastian Vettel am runden Tisch.

Elefantenrunde trifft keine Entscheidungen

Ferrari schickte die große Delegation nach Mailand - Foto: Sutton

Endgültige Entscheidungen konnten in dieser Runde natürlich nicht gefällt werden, dafür sind Strategiegruppe und Formel-1-Kommission zuständig. Doch darum ging es nicht. Pirelli lud in erster Linie aus einer Not heraus zum Elefantentreffen. Wenn 2017 umfassende Regeländerungen kommen, brauchen die Italiener endlich Klarheit.

Einerseits muss sich die Formel-1-Welt im Klaren darüber sein, welche Reifen Pirelli liefern soll. Weiterhin stark abbauende Pneus, damit die Rennen spannend sind? Oder soll dem Wunsch der Fahrer gefolgt werden und das technisch bestmögliche Produkt geliefert werden? Zuletzt schien sogar Bernie Ecclestone dem Druck der Fahrer nachzugeben. Pirelli muss bei der Entwicklung wissen, was gefordert wird.

Das große Aerodynamik-Paket ist eher unwahrscheinlich - Foto: Mercedes/Motorsport-Magazin.com

Aber nicht nur hier braucht Pirelli endlich eine klare Richtung. Das technische Reglement für 2017 ist weiterhin ungewiss. Fest steht nur, dass die Autos schneller werden sollen. Am besten mit breiten Reifen und geänderter Aerodynamik. Die ursprünglich angedachten fünf bis sechs Sekunden hält niemand mehr für realistisch. Ein Insider zu Motorsport-Magazin.com: "Wir reden aktuell vielleicht von drei Sekunden."

Doch hier bleibt der Knackpunkt: Wo sollen die drei Sekunden geholt werden? Geht es nur um die Geschwindigkeit auf den Geraden, ist es für den Reifenhersteller weniger problematisch als wenn die Rundenzeit in den Kurven gefunden wird. Pirelli braucht für die Entwicklung genaue Daten, um wie viel Prozent der Anpressdruck steigen wird. Hier schwanken die Aussagen der Teams noch gewaltig. Manche rechnen mit 10 Prozent mehr Last auf den Pneus, andere mit 20 Prozent.

Pirellis zentrale Forderungen

  • Klare Regeln
  • Klare Anforderungen
  • Testfahrten mit repräsentativen Autos

Bleibt das ewige Problem der modernen Formel 1: Testfahrten. Pirelli kann keine komplett neuen Reifen entwickeln, ohne sie ausgiebig zu testen. Im Fuhrpark der Italiener findet sich nicht einmal ein Power-Unit-betriebenes Fahrzeug. Für repräsentative Testfahrten ist aber ein Auto nötig, das so nah wie möglich an den 2017er Regeln ist. Das gibt es de facto nicht und kann es solange nicht geben, solange die Regeln auch nicht klar sind.

Der Formel 1 läuft die Zeit davon

Die Beteiligten haben Pirellis Problem verstanden. Pirelli will sich nicht auf ein erneutes Debakel einlassen. Die Italiener sagen klar: Es ist egal, worauf sich die Formel 1 einigt, solange es schnell geschieht und die Anforderungen an das Produkt klar formuliert werden. Wie schwierig es - trotz ausgiebiger Testfahrten mit repräsentativen Fahrzeugen - ist, Reifen zu entwickeln, haben zuletzt Michelins Probleme bei den MotoGP-Testfahrten in Malaysia gezeigt.

Die nächsten Tage und Wochen werden nun entscheidend. Nicht nur Pirelli läuft die Zeit davon, auch der Formel 1. Es muss endlich ein konkretes Reglement für 2017 ausgearbeitet werden. Bis Ende Februar bleibt dafür Zeit, danach sind einstimmige Beschlüsse nötig. Aber selbst die würden Pirelli nichts nützen, weil die Reifenentwicklung nicht so flexibel ist wie Deadlines in der Regelgebung der Formel 1. Wird nicht sofort gehandelt, droht das, was viele befürchten: Die Änderungen werden verschoben. Dem ein oder anderen ist das sicherlich nicht unrecht.


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