Spanien, Spanien und nochmal Spanien: Gefühlt ist bei den Siegerehrungen der MotoGP und ihren Nachwuchsklassen fast nur noch die bekannte Hymne ohne Text zu hören. Doch tatsächlich ist das Phänomen dieser Übermacht sogar noch wesentlich regionaler ausgeprägt. Drangen im letzten Jahrzehnt mit den Marquez-Brüdern, den Espargaros und Maverick Vinales vor allem die Katalanen in die Motorrad-WM, so ist nun ein anderes Gebiet von der iberischen Halbinsel auf dem Vormarsch. An der spanischen Ostküste hat sich in den Provinzen Valencia, Almeria, Alicante und Murcia eine wahre Brutstätte für Motorrad-Talente gebildet. Zwei von ihnen haben bereits den Weg in die Königsklasse gefunden.

Pedro Acosta und Fermin Aldeguer: Von der Kindheit in Murcia bis in die MotoGP

Die Rede ist von Pedro Acosta und Fermin Aldeguer. "Es ist schon schwierig, sich vorzustellen, dass zwei Jungs aus dieser kleinen Region [in diesem Fall Murcia, Anm. d. Red.] hier [in der MotoGP, Anm. d. Red.] ankommen. Das war vielleicht sogar fast ein bisschen ein Schock, mich hier zu sehen und dann auch zu sehen, wie Fermin einen ersten Grand Prix gewonnen hat. Das ist wirklich gut für unsere Region und alle Jungs, die so wie wir werden wollen. Sie haben nun die Helden, die ihnen zeigen, dass es möglich ist", meinte Acosta, als er auf Kindheitsfotos der Beiden angesprochen wurde.

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"Murcia ist sicher einer der besten Orte für den Motorradsport. Immer mehr Kinder kommen von dort [in die Motorrad-WM, Anm. d. Red.]. Jetzt zusammen mit Pedro auf dem Podium zu stehen, ist sehr schön. Wir haben sehr lange zusammen trainiert. Jetzt sind wir an der Spitze angekommen, haben unseren Traum verwirklicht", kommentierte Aldeguer.

Dabei sind die Beiden bei Weitem nicht die Einzigen, die zusammen im Training waren. Letztlich haben sie sich als die Besten in einem großen Konkurrenzkampf durchgesetzt. Aber da kommen wohl noch mehr nach. "Es gibt eine Menge Fahrer auf großartigem Niveau in Alicante, Murcia und Almeria. Wenn du mit Leuten trainierst, die schneller als du sind, wirst du auch besser. Fermin und ich haben als Kinder in der Meisterschaft von Valencia teilgenommen. Da waren auch viele Jungs dabei, die ihr jetzt hier sehen könnt, wie [Dani] Holgado oder [Angel] Piqueras. Da ist es also kein Wunder: Wenn all diese Jungs vom Kindesalter an gegeneinander antreten, dann ist es leichter, das Niveau zu heben", spricht Acosta bereits die nächsten möglichen MotoGP-Kandidaten von dort an. Mit Max Quiles oder Alvaro Carpe sind weitere Top-Talente zu nennen.

Max Quiles feiert den Sieg in Ungarn
Max Quiles gilt als kommender Motorrad-Star, Foto: IMAGO / PsnewZ

Perfekte Voraussetzungen: Acosta und Aldeguer fanden alles vor, was sie brauchten

Wie kommt es zu dieser Fülle an hochkarätigen Motorrad-Rennfahrern? "Es ist nicht spezielles, aber wir haben alles, was wir brauchen. Von meinem Zuhause aus sind vier Kart-Strecken in einer Stunde zu erreichen, drei Motocross-Strecken und ein Flat-Track. Das ist fantastisch", sieht Acosta die Grundvoraussetzungen gegeben. Dazu käme das Wetter: "Nach Indonesien bin ich nach Hause gereist und wir hatten 24 Grad im Oktober."

Die Menschen in und um Valencia lieben Motorradsport, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Die Menschen in und um Valencia lieben Motorradsport, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Da konnte Fermin Aldeguer nur zustimmen: "Wir haben bestes Wetter und eine Menge Strecken in der Nähe. Das gilt für Valencia, Murcia und Almeria." Er betonte auch, dass die günstigen Voraussetzungen viele private Hürden wegfallen ließen, die in anderen Ländern Probleme bereiten: "Das macht es auch für die Familien leichter. Du musst nicht so viel Zeit investieren, um die Kinder zum Training zu bringen. Die Kinder müssen zur Schule gehen, aber es gibt auch eine Schule für Motorrad-Fahrer. Da wachsen alle gemeinsam damit auf."

Letztlich sei es laut Pedro Acosta auch eine Frage der gesamten Mentalität in der Region. "Die Menschen in Murcia sind fantastisch zu dir, wenn du trainieren möchtest. Viele Leute dort wollen die Kinder auf dem Weg in den Spitzensport sehen", betonte er die Unterstützung, die er erfahren hatte. Das Fehlen dieses Aspektes im deutschsprachigen Raum hatte MotoGP-Experte Alex Hofmann zuletzt kritisiert. Mehr dazu hier:

Jack Miller wird es langsam unheimlich: "Die sind mit 20 Jahren schon Veteranen!"

Strecken, Wetter, Kultur und Konkurrenzkampf: Es kommt alles zusammen und bringt folgerichtig zahlreiche starke Motorrad-Rennfahrer hervor. Das funktioniert so gut, dass die Fahrer aus anderen Ländern langsam das Fürchten bekommen. "Was sie über ihre Region in Murcia sagen...sie sind damit aufgewachsen. Sie sind 20 Jahre alt, haben aber die Einstellung eines Veteranen. Sie haben sich schon so lange gegen viele konkurrenzfähige Fahrer durchsetzen müssen", kommentierte etwa Jack Miller die Aussagen seiner beiden jungen Fahrerkollegen.

Fermin Aldeguer, Pedro Acosta und Jack Miller in der Pressekonferenz
Jack Miller (r.) werden die jungen Spanier langsam unheimlich, Foto: IMAGO / PsnewZ

Der Australier sprach dann in seiner üblichen selbstironischen Art aus, was die Folge für die internationale Konkurrenz ist: "Das macht einem schon Angst für die Zukunft. Diese 'Kinder' werden immer jünger, aber sie sind derart bereit, es mit den besten Fahrern der Welt aufzunehmen. Sicher ist das fantastisch für den Sport, aber beängstigend für einen 'alten Mann' wie mich."

Glücklicherweise hat die Ostküste Spaniens aber kein Urheberrecht auf Motorrad-Talente. Wir haben uns zuletzt angesehen, warum es durchaus Hoffnung gibt, dass sich auch Fahrer anderer Nationen gegen die großartige Nachwuchsarbeit der Iberer durchsetzen können: