Man spricht spanisch in der Motorrad-WM. Zumindest ist das der Eindruck der erdrückenden Übermacht der Iberer im MotoGP-Paddock, sowohl in Quantität als auch Qualität. Doch neben den Spaniern entwickelt sich momentan eine neue Vielfalt. Schon 2026 bekommt die Königsklasse zwei Nationen dazu. Und im Nachwuchs zeigt sich auch immer mehr Grund zur Hoffnung, dass aus der spanischen Rennserie mit internationaler Beteiligung bald wieder eine echte Weltmeisterschaft wird.
Motorrad-WM 2025: Spanien obsiegt gegen den Rest der Welt
Blicken wir zunächst auf den Ist-Zustand. Dieser ist deutlich und vermutlich auch ernüchternd, wenn man es nicht mit den Spaniern hält. Wenn wir auf die Erfolgsstatistiken blicken, so wird derzeit nur die Moto2 nicht von der Motorrad-Großmacht komplett dominiert. Es kommt daher auch nicht überraschend, dass 2025 mit Diogo Moreira der einzige Titelträger ohne spanischen Pass in dieser Kategorie zu finden war. Marc Marquez in der Königsklasse und Jose Rueda in der Moto3 fixierten ihre Triumphe gar vorzeitig. Hier die Statistik:
Spanien vs. Andere Nationen: Die Bilanz 2025
| Spanien | andere Nationen | |
|---|---|---|
| MotoGP-Siege | 16 | 6 |
| MotoGP-Podien | 39 | 27 |
| Moto2-Siege | 8 | 14 |
| Moto2-Podien | 26 | 40 |
| Moto3-Siege | 21 | 1 |
| Moto3-Podien | 48 | 18 |
Und in dieser Rechnung ist noch nicht einmal bedacht, dass es sich auch bei manchem Vertreter anderer Nationen eigentlich um Fahrer aus Spanien handelt. Supertalent David Alonso aus der Moto2 fährt aufgrund der Herkunft seiner Mutter für Kolumbien, stammt aber aus Madrid. Ebenso ist der argentinische Moto3-Fahrer Valentin Perrone in Barcelona geboren.
Nicht nur in Sachen Erfolge, sondern auch quantitativ ist die spanische Vormachtstellung messbar. In den Fahrerfeldern werden sie in der Saison 2026 jeweils die klar stärkste Fraktion stellen. 9 von 22 MotoGP-Fahrern, 14 von 28 Moto2-Piloten und bisher 9 der 26 Moto3-Starter (3 Plätze wurden noch nicht bestätigt) würden bei einem Sieg die allseits präsente Hymne ohne Text hören. Wie kommen wir angesichts dieser Bestandsaufnahme dazu, da Hoffnung auf mehr Abwechslung anzukündigen? Dafür muss der Blick zur anderen Hälfte der Starterfelder gerichtet werden. Dieser bietet tatsächlich die Aussicht auf mehr Vielfalt.
Razgatlioglu und Moreira: Die MotoGP erhält zwei Hoffnungsträger
Allein in der MotoGP werden 2026 zwei neue Nationen vertreten sein. Toprak Razgatlioglu ist durch seine grandiosen Leistungen in der Superbike-WM jedem Motorrad-Fan ein Begriff. Sein Status als Sportstar in der Türkei weckte längst Spekulationen, ob sein Wechsel in die Königsklasse nicht auch eine Rückkehr auf den spektakulären Istanbul Park Circuit ermöglichen könnte. Mit Deniz Öncü fährt in der Moto2 ein weiterer aussichtsreicher Mann aus Anatolien, der ebenfalls auf dem Radar der Königsklassenteams auftauchen kann.

Dort längst angekommen ist Diogo Moreira. Der hochtalentierte Brasilianer ist ein Glücksfall für die MotoGP, deren Kalender 2026 wieder in die große Motorsport-Nation zurückkehren wird. Honda hat ihn nicht umsonst mit einem Dreijahresvertrag an sich gebunden. Wer glaubt, dass es sich hier um einen ähnlichen Fall von PR wie bei Somkiat Chantra handelt, der irrt. Moreira wurde schon 2023 von den MotoGP-Stars als nächster Star gehandelt. In der Moto3 ging das nicht auf, doch in der mittleren Klasse startete er dann durch, inklusive Titelgewinn. In der Moto2 schlummert aber noch mehr Potential.
Moto2: Nicht nur Spanier am Ruder
In der Moto2 gibt es ohnehin bereits die größte Abwechslung in Sachen siegreichen Nationen, doch wichtig ist hier natürlich auch stets die Frage, wer es in die Königsklasse schaffen könnte. Deniz Öncü haben wir bereits erwähnt, ebenso wie David Alonso, der zumindest mit seinem Pass neuen Wind hineinbringen würde. Doch da sind noch mehr Kandidaten. Senna Agius ist erst 20 Jahre alt und hat bereits zwei Rennen für sich entschieden. Der Australier könnte die direkte Nachfolge Jack Millers antreten und somit verhindern, dass dieses traditionsreiche Land aus der MotoGP verschwindet.

Und dann sind da auch noch zwei weitere Optionen. Collin Veijer haben wir einst in unserem Print-Magazin (hier könnt ihr die neueste Ausgabe erwerben) etwas übertrieben als 'Max Verstappen auf zwei Rädern' bezeichnet. Damit war allerdings nicht unbedingt ein Anfall von Größenwahn gemeint, sondern es bezog sich auf die Begeisterung, die der Red-Bull-Pilot in seinem Heimatland auslöste. Veijer ist durchaus talentiert und ein Niederländer in der MotoGP in Assen würde für die größte Party des Jahres sorgen. Einen Belgien Grand Prix haben wir leider nicht, aber auch Barry Baltus soll nicht unerwähnt bleiben. Zwar fehlt ihm noch der erste Sieg, doch Gesamtrang drei in der Moto2 ist definitiv kein Zufallsprodukt.
Moto3: Die Weltbühne wird breiter
Kommen wir zuletzt noch zur erfreulichsten Entwicklung auf dem Fahrermarkt der Motorrad-WM. Ein Blick auf das Starterfeld der Moto3 zeigt uns viele spanische Flaggen, aber auch eine Menge neuer Farben. Nicht weniger als vier neue Nationen rücken dort in die Starterlisten. Und es kommt noch besser: Keiner der vier Youngster ist 'Paydriver' oder aus Marketing-Gründen ausgewählt worden.
Mit Rico Salmela gibt es wieder einen Skandinavier im Feld. Der Finne würde kaum für Tech3 fahren, wenn das KTM-Nachwuchsprogramm nicht großes Talent in ihm wittern würde. Platz fünf in der Junior GP Weltmeisterschaft bringt er als Empfehlung mit. Mit ihm in dieser Meisterschaft fuhr Casey O'Gorman. Der Ire überzeugte dort nicht nur mit Gesamtrang sechs, sondern fuhr auch bereits erfolgreich als Ersatzpilot in der WM. Wer im zweiten Einsatz die ersten Punkte holt und dann sogar zwei weitere Punktefahrten folgen lässt, der hinterlässt Eindruck. Das dachte sich auch SIC58 Squadra Corse und nahm ihn nach diesem Bewerbungsschreiben fest unter Vertrag.

Doch nicht nur aus Europa rücken die Talente nach. Asien ist auch mit zwei spannenden neuen Hoffnungsträgern vertreten. Wer Zweiter und Dritter im Red Bull Rookies Cup wird, der landet logischerweise in der Weltmeisterschaft. Den erst 17-jährigen Indonesier Veda Pratama hat sich das Honda Team Asia gesichert. Hakim Danish aus Malaysia hat den Vertrag bei Top-Team MSi bekommen. Beim Heimrennen in Sepang absolvierte er bereits eine Wildcard. Leider endete diese im Ausfall durch Defekt, doch zuvor hatte er das Moto3-Feld bereits munter aufgemischt. In Portimao und Valencia folgten dann die ersten Punkte als Ersatzpilot.
FIM mit neuer Nachwuchs-Förderung für kleine Motorrad-Nationen
Damit weiter neue Nationen den Weg in die Moto3 finden, führt ab der Saison 2026 auch der Weltverband FIM eine Unterstützung für den Nachwuchs der 'Exoten' ein. Aus einem neu angelegten Förderungstopf sollen erfolgreiche Nachwuchs-Teams mit Fahrer-Nationen, die weniger als 10 Prozent des Starterfeldes der Motorrad-WM ausmachen, Gelder erhalten. Effektiv sind dies aktuell alle Nationen außer Spanien und Italien.
Dabei erhalten Teams aus der Moto2-Europameisterschaft und Moto3 Junior-Weltmeisterschaft (vormals als JuniorGP bekannt) Geldbeträge für Erfolge. 200.000 Euro gibt es für den Sieg eines Fahrers in der Meisterschaft in der Moto3 Junior, falls vier Rennen gewonnen wurden. 100.000 Euro sind es für die Vizemeisterschaft und drei Rennsiege. 50.000 Euro gibt es dann noch für Rang drei und zwei Siege. In der Moto2-EM gibt es nur einen Topf für den Meister. Dieser erhält 100.000 Euro, falls er vier Rennen gewinnen konnte. Sämtliche Gelder werden nur ausgeschüttet, falls der Fahrer am 1. Januar des jeweiligen Kalenderjahres 18 Jahre alt oder jünger war.
Fazit: Das gallische Dorf wird größer und bunter
Zugegeben: Einen Zaubertrank haben wir gegen die spanischen Besatzer nicht aufzubieten, aber dafür eine ganze Menge an Nationen mit Vertretern in der Motorrad-WM. Und das sind tatsächlich nicht nur Piloten, die da ein bisschen für Quote mitfahren. Nirgends werden Talente so gefördert wie auf der iberischen Halbinsel, aber das heißt noch lange nicht, dass der Rest der Welt talentfrei ist. Am Ende können sich auch die vermeintlichen Außenseiter durchsetzen, wofür es nun auch noch Unterstützung durch die FIM gibt. Manchmal brauchen sie dafür vielleicht etwas länger. Besonders in der Moto3 ist die Vorbereitung durch die harte spanische Meisterschaft zunächst Gold wert. Doch am wichtigsten bleibt, wer oben ankommt. Was das angeht, gibt es berechtigte Hoffnung, dass Razgatlioglu und Moreira keine Ausnahmen bleiben.
Was meint ihr? Wem traut ihr zu, den Spaniern ordentlich einzuheizen? Sagt es uns in den Kommentaren.



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